By your side-by Shingel

Everytime We Touch

Hauptpersonen: Bill & Massie

[teilweise nicht jugendfrei]

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Teil 1 - Massie

„Versteh mich doch einfach! Nur ein einziges Mal!“, schreie ich hysterisch ins Handy.
„Das tu ich doch! Aber ich kann es nicht ändern!“, antwortest du, verzweifelt?
„Dann weißt du dass ich so nicht leben kann! Ich brauche dich!“
„Aber-“
„Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?“
„Ich-“
„In den Weihnachtsferien, genau! Vor fast einem Jahr! Ich kann nicht so weiterleben, versteh’s doch!“ Versteh mich! Versuch es doch wenigstens!
„Massie, ich … ich versteh dich doch. Was soll ich denn tun? Ich hab dir schon sooft vorgeschlagen mit auf Tour zu kommen.“
„Meine Ma erlaubt es mir aber nicht!“
„Ja, aber … ich-“ Traurig lege ich auf und schneide dir so das Wort ab. Schließe meine Augen, versuche so meine Tränen auf zu halten. Es gelingt mir sogar. Mein Handy vibriert. Widerwillig gehe ich dran.
„Massie, ich liebe dich!“, sagst du verzweifelt. Ich weiß. Aber ich kann so nicht leben. Ich habe dich jetzt fast ein Jahr nicht gesehen. Nur im Fernsehen. Was meinst du, wie das für mich ist? Offiziell hast du keine Freundin. Wir telefonieren auch nicht mehr regelmäßig. Früher haben wir jeden Abend telefoniert, stundenlang. Jetzt sind es manchmal nur noch 2,3 Anrufe in der Woche, für ein paar Minuten. Jedes Mal freue ich mich, deine Stimme zu hören. Und für ein paar Minuten bist du bei mir. Und dann auf unbestimmte Zeit wieder weg. Ich kann so nicht leben.
„Es ist aus!“, bringe ich schweren Herzens hervor.
„Aber … ich … Massie … bitte …“ Dann bricht deine Stimme ab.
„Es tut mir Leid, Bill!“, flüstere ich.
Höre dich aufschluchzen, dann lege ich auf. Kann die Tränen nicht mehr aufhalten. In Strömen fließen sie über meine Wangen, tropfen auf mein T-Shirt. Mein Handy vibriert. Du willst mit mir reden. Mich überreden, ich weiß. Aber es geht nicht mehr. Was nützt mir deine Liebe, wenn ich sie nicht spüren darf? Nur durch das Telefon? Es geht nicht. Mich macht das fertig. Auch wenn ich weiß, dass es ein Fehler war, unsere Beziehung zu beenden, weiß ich doch, dass es richtig war. Es ist verwirrend. Doch es ist vermutlich besser so. Dennoch weiß ich, dass ich dich immer lieben werde.
Meine Tränen laufen und mein Kopf ist voller Erinnerungen. Voller Erinnerungen an die schöne Zeit mit dir, an die Vergangenheit.

Teil 2 – Bill

Leere. Das ist alles was ich fühle. Ich bin leer, eine leblose Hülle. Du hast es wirklich getan. Ich habe gewusst dass es bald so weit ist, aber ich hatte jetzt nicht damit gerechnet. Nach fast zwei Jahren. Dennoch kann ich dich verstehen. Ich leide ja selbst drunter. Unter der wenigen Zeit, die ich für dich habe … hatte … alles wäre gut geworden, wenn du mit auf Tour gedurft hättest … aber deine Mutter hat es dir nicht erlaubt. Wieso weiß ich nicht. Du weißt es selbst nicht … das hast du gesagt …
Wenn ich dürfte, dann würde ich es auf dem nächsten Konzert, beim nächsten Interview sagen. Dass ich dich liebe. Ich weiß dass du die Bravo ließt … der würde ich von dir erzählen … aber ich darf nicht … warum auch immer … dann würden sich die richtigen Fans zeigen … die uns und unsere Musik mögen … klar kommen wir besser an, wenn wir alle solo sind … aber die Fans wissen dass wir die große Liebe suchen … sie wissen nur nicht, dass ich sie schon gefunden habe … da glaub ich fest dran … mit dir war immer alles leichter … schon damals in der Schule … weißt du noch, als wir uns kennen gelernt haben?

Es war reiner Zufall … ich saß mit Tom vor dem Zimmer des Direktors, weil wir wieder irgendeinen Scheiß gemacht haben … und dann kamst du vorbei … du warst neu und wolltest wissen wo das Sekretariat ist … Tom hat es dir gesagt, ich habe dich einfach nur angeguckt … du sahst damals schon so toll aus … Ich will nicht sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war … es kam schleichend … mit jeder Begegnung … irgendwann kamst du auf mich zu und sagtest: „Ich find’s super, dass du deinen eigenen Style hast … scheiß doch auf die anderen, die sagen doch nur du bist schwul, weil sie sonst blöd angemacht werden, wenn sie anders über dich reden! Du bist alles andere als schwul!“ Ganz schön mutig, für dein Alter. Einfach mal so zu jemandem hingehen, den man nur vom Sehen kennt und der von allen als Schwuchtel bezeichnet wird … du hast mich ganz schön fasziniert mit deinen 13 Jahren … hast dich auch gut durchgesetzt an der Schule … von da an haben wir uns öfter in der Pause unterhalten … irgendwann haben wir uns im Supermarkt getroffen und haben zusammen eingekauft und dann bei dir zuhause Pizza gebacken … als wir uns spät abends an der Tür verabschiedet haben, haben wir uns das erste Mal umarmt … da spürte ich dann dieses Kribbeln … wir haben uns dann immer öfter verabredet und irgendwann standen wir bei mir an der Haustür, haben uns umarmt und … geküsst … wir waren echt verpeilt danach … haben uns weiter getroffen … uns immer geküsst … auch zwischendurch … es war echt komisch … wir haben nicht drüber geredet … dann haben wir aus Langeweile mal einfach nur auf deinem Bett gelegen und entspannt … irgendwie sind wir dann zum ersten Zungenkuss gekommen … ab da waren wir zusammen …

Tränen überströmen mein Gesicht. Der Gedanke, dich nie wieder zu sehen, nie wieder zu hören, nie wieder zu spüren … ich will nicht … nicht ohne dich …
„Bill, es ist besser so!“, höre ich David sagen.
„Was weißt du denn schon, was gut für mich ist?“, gebe ich zurück.
Er seufzt.
„Wieso darf ich es nicht sagen? Warum darf ich nicht zu meiner Freundin stehen?“, frage ich verzweifelt.
„Sie ist nicht mehr deine Freundin!“
„Aber sie war es … bis vor wenigen Minuten … ich leide auch darunter, dass ich sie nicht sehen kann!“
„Sie hätte mit auf Tour gekonnt.“
„Sie durfte aber nicht!“
„Tja!“
„Und was ist, wenn ich es trotzdem sage?“
„Das wagst du lieber nicht!“
„Dann trete ich aus der Band aus!“
„WAS???“, rufen Tom, Gustav, Georg und David im Chor. Ich weiß ich hatte zu schnell reagiert, aber vielleicht würde ich so eher an mein Ziel kommen.
„Ich trete aus, wenn ich es nicht sagen darf … wenigstens, dass ich bis gerade eine Freundin hatte!“
„Das wirst du nicht tun!“, schreit David mich nun an.
„Du kannst mir gar nichts sagen! Verdammt, ich leide darunter, sie nicht zu sehen! Ich darf noch nicht mal zu ihr stehen ! Ich darf sie noch nichtmal hier ins Studio holen!!“, schreie ich.
Wütend springt David aus seinem Sessel auf und redet mit gepresster Stimme. „Dann tu, was du nicht lassen kannst! Hol sie hier her, sofort! Mach einen Termin bei der Bravo, und lass dich interviewen! Du wirst sehen, was du davon hast!“ Geht doch. Ich muss ein triumphierendes Grinsen unterdrücken.
„Bill, bist du dir sicher?“, fragt Georg. Ich nicke.
„Aber mach nicht die andern dafür verantwortlich, wenn eure Karriere jetzt bergab geht, verstanden? Komm bloß nicht hinterher angekrochen!“, sagt David wütend.
Noch einmal sehe ich ihm in die Augen, dann stehe ich auf und gehe in die Wohnung über dem Studio. Nervös laufe ich im Wohnzimmer rum. Was, wenn du nicht abnimmst? Was, wenn du mich nicht mehr willst? Was, wenn … schnell drücke ich auf den grünen Hörer und warte, dass du abnimmst …


Teil 3 – Massie

Mein Handy vibriert. Du schon wieder. Wieso lässt du mich nicht einfach in Ruhe? Ich brauche dich nicht mehr. Es ist mir egal, dass ich mich damit selbst belüge. „Was willst du?“, frage ich, hoffe, dass es gefasst klingt. „Hey …“, sagst du sanft. War ja klar, dass ich dir nichts vormachen kann. Das konnte ich noch nie.
„Also, was willst du?“, frage ich wieder.
„Dass du zu mir kommst!“, sagst du leise. Ich höre dir an, dass du weinst. Kann mir ein Aufschluchzen nicht verkneifen.
„Witzig, ich weiß noch nicht mal wo ihr seid!“
„Im Studio, in Hamburg!“
„Super, und wie soll ich dahin kommen? Außerdem: Jetzt auf einmal soll ich kommen?“
„Bitte, Massie!“
„Ich kann nicht! Meine Ma ist nicht da und ich kann nicht mit Bus und Zug bis nach Hamburg fahren!“
„Wieso denn nicht?“
„Wenn meine Ma das rauskriegt bin ich tot … du kennst sie … außerdem ist das bestimmt sau teuer!“ So gerne ich eigentlich zu dir will, es geht nicht. Und wieso soll ich überhaupt kommen?
„Dann … ich lass ich dich abholen!“, versuchst du es weiter. Was soll das? Warum um alles in der Welt willst du dass ich komme? Was soll ich denn noch bei dir?
„Ja aber … was soll ich denn bei euch?“
„Bitte, Massie …“ Hör auf! Ich kann mir genau vorstellen wie du mich angucken würdest, wenn du jetzt hier wärst. Mit deinem unglaublich schönen braunen Augen, so, dass ich nicht Nein sagen kann.
„Aber-“
„Bitte … bitte Massie … ich sag Bescheid und lass dich abholen …“
„Ich bin heute eigentlich mit Li verabredet!“, werfe ich ein. Das stimmt sogar. In einer Viertelstunde muss ich bei ihr sein.
„Dann bring sie mit … die andern werden sich freuen!“, schlägst du vor. Das ist ein Argument. Aber glaubst du wirklich, es ist gut, wenn ich komme?
„Bitte, Massie! Bitteeeee!“, flehst du heiser. Du weinst schon wieder, und das treibt mir erneut Tränen in die Augen. Ich kann dich einfach nicht traurig sehen … oder hören …
„’kay“, gebe ich mich geschlagen und lege sofort auf, bevor du noch etwas erwidern kannst, aber vor allem, damit ich meine Entscheidung nicht rückgängig machen kann.

„Und du bist sicher dass er es ernst meinte?“ Li sieht mich skeptisch an. Ich seufze nur und damit weiß sie, dass ich mir sicher bin.
Ich weiß zwar nicht was ich bei euch soll, aber bitte. Wenig später kommt ein schwarzer Van angefahren und hält vor uns. Wir steigen ein und schon befinden wir uns auf dem Weg nach Hamburg … ins Studio … zu Tokio Hotel … zu dir …
Unsicher stehen Li und ich vor dem Studio. Pat Benzner, der uns auf seinem Weg ins Studio abgeholt hat, öffnet die Tür. „Wir sind da!“, ruft er und sofort kommen Tom, Gustav und Georg auf uns zu gestürmt und umarmen uns. „Mann, ihr habt uns so gefehlt!“, meint Georg und Tom und Gustav nicken. Wir begrüßen noch David und die anderen Produzenten, die nacheinander eintrudeln. Doch dich sehe ich nirgendwo. Wo bist du??
„Wo ist denn Bill?“, frage ich Tom unsicher. Ich weiß noch immer nicht, ob es eine gute Idee ist, dass ich hier bin. „Der ist oben in der Wohnung! Geh einfach mal hin!“, antwortet Tom. Ich nicke zögerlich, doch Tom lächelt mir aufmunternd zu.
Aufgeregt und total verunsichert gehe ich die Treppe hoch, die in die Wohnung führt …
Die Eingangstür ist einen Spalt geöffnet. Vorsichtig öffne ich sie und betrete die Wohnung. Schließe die Tür leise hinter mir. Suchend sehen ich mich um, folge einfach dem Flur, bis ich in einem Raum stehe, der in zwei Hälften geteilt ist. Rechts Küche und Essbereich und links Wohnzimmer. Da stehst du. An einem Fenster neben der Couch und guckst aus dem Fenster. Du flüsterst irgendwas. Was, kann ich nicht verstehen. In mir kommt der Drang auf, dich in den Arm zu nehmen, dich zu küssen. Doch ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Und plötzlich drehst du dich um …
 

Teil 4 – Bill
 

Eigentlich müsstet ihr schon längst da sein. Du und Li. Der Gedanke, dass du vielleicht doch nicht kommst, tut weh. Vielleicht bist du ja auch schon da und siehst es nicht ein, hoch zu kommen. Oder die Jungs haben dir nicht gesagt wo ich bin. Wobei ich das eher nicht glaube.
Jetzt stehe ich hier vor dem Fenster und warte auf dich. Darauf, dass wir reden. Schließlich will ich dich nicht verlieren. Ich will, dass wir zusammen sein können. Doch plötzlich fühle ich mich beobachtet und mir wird bewusst, dass ich diese Worte gerade ausgesprochen habe. Wenn auch nicht laut, habe ich Angst, dass es jemand mitbekommen hat. Ich drehe mich vorsichtig um – da stehst du und siehst mich unsicher an. Hast du es gehört? Unsicher gehe ich einen Schritt auf dich zu, dann noch einen. Will dich in den Arm nehmen, dich küssen. Strecke schon meine Hand nach dir aus, doch frage ich mich, ob das so eine gute Idee ist. Ich glaube nicht. Du kommst langsam auf mich zu, bleibst aber ungefähr einen Meter vor mir stehen. „Hey!“, sagen wir gleichzeitig leise und müssen darüber kurz lächeln. Unsicher sehe ich dich an, weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Verlegenes Schweigen herrscht zwischen uns und das Bedürfnis, dich in den Arm zu nehmen und dich zu küssen wird immer stärker. Lange stehen wir so da und gucken uns an. Der Drang, auf dich zu zu gehen und dich an mich zu ziehen ist kaum noch zu ertragen. Ohne nachzudenken strecke ich meine Hand nach dir aus. Zögernd nimmst du sie an und sanft ziehe ich dich zu mir. Ganz nah. Verunsichert und fragend siehst du mich an, dann, plötzlich, füllen sich deine Augen mit Tränen. Ich kann es genau sehen und in meinem Hals bildet sich ein dicker Kloß. Er wird immer schwerer und dann fangen auch meine Augen an zu brennen und als ich sehe, dass du weinst, lösen sich auch bei mir die Tränen aus den Augen. Bahnen sich den Weg durch mein Gesicht, um dann auf mein T-Shirt zu tropfen und darin zu versickern. Meine linke Hand legt sich wie von selbst an deine Taille und zieht dich noch näher zu mir ran. Zögernd legst du deine Hände auf meine Oberarme und ziehst mich ebenfalls an dich. In Zeitlupentempo nähern sich unsere Gesichter einander, du schließt die Augen, ich mache es dir nach. Dann spüre ich deine weichen, warmen, von den Tränen salzigen Lippen leicht auf meinen. Vorsichtig drücke ich meine Lippen ein wenig fester auf die deinen. Du erwiderst den Kuss. Immer wieder küssen wir uns. Erst zögernd und vorsichtig und unsicher. Dann suchend und verlangend. Suchend nach dem Weg, unser Verlangen zu stillen. Sanft streiche ich mit meiner Zunge über deine Lippen, bitte um Einlass, den du mir sofort gewährst. Während unsere Zungen langsam ein inniges Spiel beginnen, wandert deine Hand auf meinen Hintern, die andere auf meine Schulter. Meine Hände wandern ebenfalls runter auf deinen Hintern, während sich unsere Zungen in ein nicht enden wollendes Spiel verwickeln. Ich genieße diesen Moment voll und ganz, genieße es, dich endlich, nach fast einem Jahr, wieder zu sehen, dich zu spüren. Und ich weiß dass du genauso empfindest. Wie lange habe ich mich nach diesem Moment gesehnt.

Nach einer halben Ewigkeit lösen sich unsere Lippen voneinander und Millisekunden später finden wir uns in einer innigen Umarmung wieder.

Teil 5 – Massie

Ich weiß, dass wir dies eigentlich nicht tun sollten. Eigentlich bin ich hier, um mit dir zu reden. Aber so wie es aussieht, brauchen wir keine Worte, um uns zu verständigen. Wir wissen beide, dass wir uns lieben. Dass wir uns brauchen. Wenn ich dich auch nicht oft sehe oder längere Zeit mal nichts von dir höre. Ich weiß nun, dass es noch schlimmer ist, wenn ich dich ganz verliere. Wahrscheinlich hätten wir dann gar keinen Kontakt mehr zueinander, und das würde ich erstrecht nicht aushalten. Ich bin froh, hier zu sein. Dich in meinen Armen zu halten. Dich zu spüren, zu riechen, zu schmecken. Nach fast einem Jahr. Irgendwie scheinst du meine Gedanken zu lesen. Wie auch immer. Ich spüre deine weichen Lippen, wie sie meinen Hals liebkosen … langsam immer höher wandern, bis sie wieder auf meinen Lippen liegen. Sofort erwidere ich den Kuss. Eine Zeit lang stehen wir so da und küssen uns, doch dann legst du deine Hände auf meine Schultern und drückst mich sanft zurück. Führst mich durch die Wohnung. Wir hören nicht mit dem Küssen auf und ich vertraue dir einfach. Laufe so, wie du mich führst. Wir kommen an einer Tür an, du nimmst die linke Hand von mir und drückst die Klinke runter, öffnest die Tür und deine Hand liegt wieder auf meiner Schulter. Wir tapsen in das Zimmer, ich denke mal, dass es deins ist, und mit dem Fuß schließt du die Tür, indem du einmal dagegen trittst. Wir laufen langsam weiter, doch plötzlich stoße ich irgendwo mit den Beinen an. Du hältst mich fest, bedeutest mir so, stehen zu bleiben. Ich öffne meine Augen, blicke in deine. Wunderschöne dunkelbraune Augen, wie es nur deine sein können, blicken mich an. Ungeduldig, aber fragend. Dennoch kannst du es nicht lassen, mir für einen ganz kurzen Augenblick in den Ausschnitt zu gucken. Verlegen lächelst du mich an, dann guckst du wieder ernst. Ich kann es nicht lassen und drücke meine Lippen wieder auf deine. Langsam wanderst du mit deinen Händen unter mein Shirt. Sanft wandere ich mit meinen Lippen an deinem Hals entlang, während du sachte meine Brust streichelst. Du fährst mit den Händen über meinen Bauch und ziehst dann mein Shirt hoch. Als du es mir ganz ausgezogen hast, lässt du es achtlos neben uns auf den Boden fallen. Nun mache ich mich an deinem T-Shirt zu schaffen. Du streckst, unsicher, deine Arme in die Luft, um es mir leichter zu machen. Als auch dein T-Shirt auf dem Boden aufgekommen ist, sehen wir uns an. In deinen Augen spiegelt sich deine Ungeduld wieder, aber auch, dass du aufgeregt bist und langsam erregst, sehe ich dir an. Ich öffne, extra langsam, um deine Geduld herauszufordern, deinen Gürtel. Du siehst mir dabei zu, und ich spüre deinen heißen Atem in meinem Gesicht. Immer wieder blickst du von meinen Händen, die noch immer deinen Gürtel halten, in meine Augen. Dein Atem wird langsam immer schneller, und langsam steigt auch in mir die Lust auf. Deine Hose ist nun komplett offen, und während du dich daran machst, mir meine auszuziehen, wird mir immer klarer, wie sehr ich dich vermisst habe. Und dass ich lieber längere Zeit auf dich verzichte, als für immer. Meine Hose fällt auf den Boden und ich spüre deine Lippen auf meinen. Wild umspielt deine Zunge die meine, während du mich vorsichtig aufs Bett drückst. Da liege ich nun, sehe dich an. Du stehst vor mir, dein Brustkorb hebt und senkt sich immer schneller. Ich strecke meine rechte Hand nach dir aus, die du sofort annimmst. Du lehnst dich nach vorne, ich löse meine Hand aus deiner und lege sie auf deine Schulter, um dich so auf mich zu ziehen. Du legst dich auf mich, mit den Händen schiebe ich dir die Hose von den Beinen, solange, bis ich nicht mehr drankomme, dann streife ich sie dir mit den Füßen ab. Dein heißer Atem streift mein Gesicht, während du mir, mit vor Erregung zitternden Fingern, dem BH öffnest und ihn von meinen Schultern streifst.
Schließlich liegen wir nackt da und du dringst vorsichtig in mich ein, ein Stöhnen huscht über unsre Lippen, du lächelst. Wie ich dich vermisst habe …

Teil 6 - Bill


„Und … was machen wir jetzt?“, flüstere ich. Schon eine Ewigkeit liegen wir nebeneinander auf dem Bett, du bis kurz über die Brust zugedeckt, ich nur bis zum Bauchnabel.
„Keine Ahnung“, sagst du heiser.
„Hm.“ Wieder hat Schweigen die Macht über uns. Ich weiß nicht, ob es ein Fehler war, dass wir miteinander geschlafen haben. Wir haben uns fast ein Jahr nicht gesehen, und gehen sofort ins Bett. Ich muss leicht lächeln bei dem Gedanken. Aber mein Lächeln verschwindet sofort wieder, als ich daran denke, dass du in 2 Tagen schon wieder weg musst, und wir noch immer nicht wissen, wie es mit uns weitergehen soll.
„Bill?“, fragst du leise. Ich drehe meinen Kopf zu dir und sehe dich fragend an.
Du öffnest den Mund, schließt ihn aber wieder, scheinst nach Worten zu suchen. Dann weicht dein Blick dem meinen und wandert an die Decke. „Es … also … meinst du, dass …“
„Dass es ein Fehler war?“, beende ich leise deinen Satz. Du nickst leicht.
„Ich weiß nicht.“, flüstere ich und als ich dich ansehe, ruht dein Blick schon auf mir. Eine Zeit lang liegen wir so da und schauen uns in die Augen. Du streckst deine Hand zu mir aus und streichst mir eine Strähne aus dem Gesicht, die mir über die Augen gefallen ist. Langsam und sanft fährst du mit deinem Finger über meine Wange zu meinen Lippen, dann darüber. Den Weg, den du mit deinen Fingern gehst, spüre ich deutlich. Du willst deine Hand wieder zurückziehen, doch ich halte sie fest. Langsam und zögernd verhaken sich unsere Finger ineinander. „Wir … versprichst du mir, dass wir eine Lösung finden?“
Ich nicke leicht. Bin mir nicht sicher. Kann ich dir was versprechen, was ich vielleicht gar nicht halten kann? 
Als ich meine Augen öffne, ist es draußen schon dunkel. Du liegst ruhig neben mir und schläfst ganz friedlich. In deinem Gesicht sind noch Spuren von Tränen und Wimperntusche und ich glaube, wir sehen uns gerade ziemlich ähnlich. Vorsichtig gebe ich dir einen Kuss auf die Stirn und stehe dann genauso vorsichtig auf. Bedacht darauf, nicht zu laut zu sein, schleiche ich auf den Flur und lehne meine Zimmertür an. Mich wundert, dass aus der Küche gedimmtes Licht kommt. Als ich sie betrete, sehe ich Tom am Küchentisch sitzen. Er starrt gedankenverloren in ein Glas Wasser, welches er in der Hand hält. Ich setze mich ihm gegenüber und er blickt erstaunt zu mir auf. Fragend sieht er mich an, aber ich zucke nur mit den Schultern. Ich weiß selbst nicht warum ich wach geworden bin, geschweige denn, was jetzt mit uns ist. Ich sehe ihn mit dem gleichen Blick an wie er mich eben, und er zuckt auch nur mit den Schultern. Mit einem Stöhnen lege ich meine Stirn auf den Tisch. „Ihr habt miteinander geschlafen“, stellt Tom leise fest und ich wundere mich nicht, woher er das weiß. Er weiß es halt, er ist mein Zwilling. Ich nicke und sehe ihn wieder an. „Und wie war’s?“, fragt er und kann sich ein freches Grinsen nicht verkneifen. „Nicht so, dass es uns zu einer Lösung gebracht hat.“, murmle ich und muss auch kurz grinsen. „Und was machst du hier?“, frage ich.
„Willst du’s wirklich allen sagen?“, fragt er und sieht mich komisch an. Ich kann seinen Blick nicht ganz deuten und weiß plötzlich nicht mehr, ob das wirklich so eine gute Idee ist. Vielleicht wäre es besser, erstmal nichts zu sagen, und die Medien selbst draufkommen zu lassen. „Ich denke auch!“, sagt Tom und lächelt. Natürlich weiß er was ich denke. Ich erwidere sein Lächeln. „Dann werden sich die richtigen Fans schon heraus sieben.“, sagen wir gleichzeitig und lachen. „Na ja wer weiß ob es überhaupt dazu kommt!“, sage ich.
„Wie meinst du?“, hakt er nach.
„Na ja … ich … wir sind ja gar nicht zusammen … also glaub ich …“ Tom grinste.
„Was?“, fragte ich.
„Ihr schafft das schon!“
„Mh … wird man sehen!“ Ich hoffe so sehr, dass er Recht hat.
„Wo ist eigentlich Li?“, fällt mir ein.
„Ich denke die schläft!“, sagt Tom mit einem Blick auf die Uhr. Ich folge diesem und sehe erschrocken, dass es schon zwanzig nach Vier ist.
„Ja und wo?“, hake ich nach.
„Bei Georg, glaub ich!“ Toms Grinsen verschwindet. Jaaa?
„Ach, ehrlich?“, frage ich mit hochgezogenen Augenbrauen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Ja, ehrlich!“, erwidert Tom mit dem gleichen Gesichtsausdruck.
Eine Weile sehen wir uns so an, dann muss ich lachen und Tom auch. Aber plötzlich wird er ruhig und sieht an mir vorbei.
„Tom?“
„Denk nicht, dass ich was von ihr will!“, sagt er scharf. Damit hab ich nicht gerechnet. Das hatte ich nicht im Hinterkopf, dass es so sein könnte, nein, ich hatte ihn nur necken wollen. Aber diese Reaktion zeigt mir, dass er nicht die Wahrheit sagt.
Und aus diesem Grund sehe ich ihn zweifelnd an.
„Jedenfalls nicht direkt …“, grinst er dann. Ich ziehe skeptisch meine Augenbrauen hoch.
„Okay, okay, ist ja gut, ich hab’s schon kapiert!“, stöhnt er dann. „Sie ist ganz niedlich! Zufrieden?“
Wir grinsen uns an.
„Und deswegen sitzt du hier?“, will ich wissen.
„Moin!“, hören wir plötzlich eine Stimme und Tom schaut an mir vorbei, ich muss mich umdrehen. Georg tapst gähnend zum Kühlschrank und holt eine Flasche Wasser raus. Dann grapscht er verschlafen ein Glas, welches daneben steht und sieht es an. „Das ist jetzt meins!“, murmelt er, schüttet Wasser ins Glas und trinkt. Dabei sieht er uns verpeilt an.
Wir müssen lachen und er wirft uns einen giftigen Blick zu. „Wenn ihr so laut seid dass ich wach werde, müsst ihr euch nicht beschweren, wie ich gucke!“ Wir schütteln nur grinsend den Kopf. „Könnt froh sein dass Li nicht wach geworden ist … wo ist eigentlich Massie?“
„Schläft!“, antworte ich und sofort muss ich daran denken, dass immer noch Unklarheit zwischen uns herrscht. Mein Grinsen verschwindet sofort aus meinem Gesicht.
„Na ja, ich geh dann mal pennen!“, sagt Tom und steht auf. Ich tu es ihm gleich und murmele Georg noch ein „Gute Nacht!“ zu, dann folge ich Tom in Richtung unserer Zimmer. Als wir davor stehen sieht Tom mich aufmunternd an. Dann öffnet er leise die Tür zu seinem Zimmer.
„Guck nicht so traurig, Bill.“ Ich nicke nur, aber verändern tu ich meinen Blick nicht. Ich weiß nun mal nicht, wie es mit uns weitergeht und diese Ungewissheit ist fast unerträglich.
„Das wird schon“, meint Tom und lächelt. Ich zeige ihm ein schwaches Lächeln und mit einem „Schlaf gut“ verschwindet er in seinem Zimmer. Ich seufze und öffne vorsichtig meine Zimmertür.  


Teil 7 – Massie


Mit allergrößter Mühe schaffe ich es, meine schweren Augenlider zu öffnen. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen hab, aber es kommt mir zu kurz vor. Ich weiß sofort wo ich bin. Das einzige was mich wundert ist, dass du nicht da bist. Mit einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass es schon fast zwei Uhr mittags ist. Müde stehe ich auf und ziehe mich um. Ich hasse es, zwei Tage lang genau gleich rum zu laufen, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir die Nacht bei euch verbringen und haben nur das nötigste mitgenommen. Kajal, Lidschatten und Wimpertusche zum Beispiel. Das war’s dann auch schon. Ich gehe ins Bad und wasche mich, schminke mich und kämme mir die Haare mit Lis Kamm, den sie wohl mithat. Jedenfalls liegt er hier. Als ich fertig bin suche ich erstmal die Wohnung durch. Aber niemand ist da. Ich beschließe mal im Studio zu gucken. Als ich angekommen bin klopfe ich an die Tür. „Herein!“, ruft einer der Produzenten und ich betrete den Raum. Tom ist grade in einer dieser Kabinen und lächelt, als er mich sieht. Ich lächle zurück und setze mich neben Li auf das kleine Sofa, das in einer Ecke steht. Georg und Gustav sitzen auf dem Sofa, das an einer Wand steht und Bill steht hinter David. „Fertig?“, fragt dieser Tom durch ein Mikro, das vor ihm steht. Tom nickt und setzt sich die Kopfhörer auf. David drückt auf ein paar Knöpfe und verschiebt ein paar Schalter, dann fängt Tom an zu spielen. Als er fertig ist, überlegen alle, was er noch verbessern könnte und dann spielt Tom nochmal. Diesmal finden es alle perfekt. „Okay. Dann machen wir um 17 Uhr mit Bill weiter!“, sagt Pat und alle nicken. Tom kommt aus der Kabine und stellt seine Gitarre in den Halte, der daneben steht. Dort stehen auch Georgs Bässe und noch mehr von Toms Gitarren. Dann kommt er grinsend zu mir. „Guten Morgeeeeeeeeeennn!“, sagt er fröhlich und umarmt mich fest. Überrascht erwidere ich diese Umarmung und bringe nur ein „Morgen!“ raus.  „Und wie war’s?“, flüstert er mir ins Ohr und wir lösen uns voneinander. Er grinst und ich haue ihm spielerisch auf die Schulter. Er lacht und geht mit Georg und Gustav nach oben.
Als wir alle aus dem Studio raus sind, spüre ich einen Griff um mein Handgelenk. Das bist ganz eindeutig du. Du hältst mich fest und wartest, bist alle an uns vorbei sind, dann ziehst du mich in deine Arme. Damit habe ich nicht gerechnet, aber als ich es realisiere, lege ich meine Arme um deinen Rücken und drücke dich fest an mich. Nach einer Weile sehe ich dich an. Blicke in deine braunen Augen, die mich flehend und unsicher ansehen. Du seufzt leise und ich habe das dringende Bedürfnis, dich zu küssen. Wie, als wenn du meine Gedanken lesen könntest, oder vielleicht auch nur, weil du genauso empfindest, schließt du deine Augen und drückst deine Lippen sanft auf meine. Ich erwidere den Kuss und genieße es, wie sich unsere Zungen leidenschaftlich umspielen. Langsam lösen wir uns voneinander. Noch immer siehst du mich flehend an. Du nimmst meine Hand in deine und siehst zu, wie dein Daumen sanft über meine Handfläche streichelt. Du suchst nach Worten, überlegst, was du sagen sollst. Du schluckst und siehst mich wieder an. „Gibst du uns noch ’ne Chance?“, fragst du mit leiser, leicht zitternder Stimme. Und ich kann deinem Blick nicht mehr standhalten. 

Teil 8 – Bill

Du wendest deinen Blick von mir ab und siehst traurig auf den Boden. „Lässt … lässt du mich drüber nachdenken?“, flüsterst du.
„Klar …“, gebe ich heiser zurück. Du nickst leicht und gehst rauf in die Wohnung. Mit dem Zuknallen der Tür bricht etwas in mir zusammen. Ich weiß nicht was es ist und warum es passiert, aber meine Beine halten mich nicht mehr und ich rutsche an der Wand runter. Ziehe meine Beine an und umschlinge sie mit den Armen. Warum bist du gegangen? Warum willst du darüber erst nachdenken? Kennst du deine Antwort schon? Willst du sie mir nur nicht sagen? Mir ist zum Heulen zumute, aber ich kann nicht weinen. Ich sitze einfach da und starre die Wand an, während mir tausend Gedanken und Bilder durch den Kopf gehen. Nach einer Weile stehe ich auf und gehe in die Wohnung. Ich sehe euch auf dem Sofa sitzen und höre euch leise reden. Was ihr sagt, kann ich akustisch nicht verstehen. Kurz entschlossen schnappe ich mir meine Jacke und mein Portemonnaie. „Wo gehst du hin?“, fragt Tom, als ich in die Küche komme, um noch etwas zu trinken. „Weg!“, antworte ich knapp. Irgendwie habe ich mit einem Schlag schlechte Laune. „Wohin denn?“, hakt Tom nach. Genervt rolle ich mit den Augen und stelle mein Glas wieder ab. „Weg halt!“
„Ja sag doch wohin!“, lässt Tom nicht locker.
„Shoppen!“, beschließe ich spontan und gebe ihm mit einem Blick zu verstehen, dass ich alleine gehen will. Aber entweder versteht Tom meine Blicke neuerdings nicht mehr, oder er beachtet ihn absichtlich nicht. Jedenfalls steht er auf und mit einem „Ich komm’ mit!“, läuft er zur Garderobe und zieht sich seine Jacke über. Normalerweise lasse ich mir von Niemandem was sagen, auch nicht von Tom, aber ich habe gerade keinen Nerv für Stress und sage nichts. Ich trinke schnell mein Glas leer und folge Tom, der schon aus der Tür ist. Ich kann nicht anders und drehe mich noch einmal zu dir um, aber du senkst deinen Blick und starrst auf deine Hände. Li wirft mir einen mitleidigen Blick zu und zuckt mit den Schultern. Kopfschüttelnd angel ich noch nach meinem Cap, setze es mir auf und schließe die Tür hinter mir. Tarnung muss sein. Vor dem Studio steht Tom und raucht. Er hat seine Sonnenbrille auf und die Kapuze seiner Jacke übergezogen. „Meinst du ich kann ohne Sonnenbrille gehen?“, frage ich ihn, weil ich keine Lust hab noch einmal hoch zu gehen. Tom zuckt mit den Schultern, während er seine Zigarette auf den Boden fallen lässt und einmal drauf tritt. Dann bläst er den Rauch aus und sieht mich an. „Ich würd’s lieber tun.“
Seufzend schließe ich die Haupttür wieder auf und gehe hoch in die Wohnung. Ich zwinge mich, nicht ins Wohnzimmer zu gucken, aber als ich die Wohnung betrete und nach meiner Sonnenbrille greife, die auf einer Kommode liegt, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass Li dich in den Armen hält. Ohne einen weiteren Blick zu euch, schließe ich die Tür wieder hinter mir und gehe zurück zu Tom. Eine Weile laufen wir schweigend nebeneinander her. Warum wir überhaupt laufen, anstatt uns in die Stadt fahren zu lassen, weiß ich nicht, und ich glaube auch nicht, dass er es weiß. Nach einer Weile fällt mir auf, dass ich meine Sonnenbrille noch immer in der Hand halte und ich setze sie auf. Als wir in der Stadt ankommen zieht Tom seine Kapuze noch weiter über sein Cap.
„Warst du nicht gestern erst hier?“, fragt Tom, als wir vor dem Tazuma-Laden stehen. „Vorgestern“, korrigiere ich ihn.
„Mein ich doch!“, murrt er und folgt mir mit einem genervten Seufzen in den Laden.
„Wie findest du den?“ Ich halte Tom einen schwarzen Nieten-Gürtel vor die Nase.
„Hast du den nicht schon?“, erwidert Tom.
„So ähnlich. Meiner hat 3 Reihen von diesen Löchern.“ Tom zuckt nur mit den Schultern.
„Wenn du meinst.“
Ich sehe mich weiter um, während Tom nur gelangweilt daneben steht. Irgendwann scheint er was gefunden zu haben. „Wie wär’s damit?“, fragt er und zeigt mir ein schwarzes T-Shirt mit rotem Aufdruck.
Als wir aus dem Laden gehen habe ich 4 neue T-Shirts, zwei neue Gürtel und eine neue Jacke.
„Siehst du, hat sich doch gelohnt!“, grinse ich meinen Bruder an.
„Jaja!“, gibt er zu und muss auch grinsen. „Dafür kommst du jetzt mit mir darein!“ Sein Grinsen wird noch breiter und er zeigt auf einen Hip-Hop-Laden. „Wenn’s sein muss!“
„Muss es!“ Wir lachen kurz und ich folge Tom in den Laden. Uns kommt sofort 50 Cents Musik entgegen und ich merke mal wieder, dass das absolut nichts für mich ist. Tom geht zielgerichtet auf die Ecke zu, in der „seine“ Caps stehen. „Mindestens die Hälfte davon hast du schon!“, sage ich.
„Übertreib mal nicht!“, meint er nur und nimmt ein rotes Cap mit diesem NY vorne drauf, welches ebenfalls rot ist. „Hast du die nicht schon?“, frage ich.
„Nein, bei meiner ist das Zeichen vorne drauf weiß“, grinst er und ich schüttle bloß den Kopf.
Wenig später ist Tom um ein Cap und ein T-Shirt in XXL reicher und wir laufen einfach durch die Stadt, gucken hier und da mal in einen Laden und wundern uns, dass wir nicht erkannt werden. „Tom, mein Kajal ist fast alle!“, fällt mir plötzlich ein und Toms Gesichtsausdruck ist eindeutig: Bitte sag jetzt nicht, dass wir in so ’nen Kosmetikladen rein müssen!
Doch genau da muss ich hin, und Tom folgt mir widerwillig.
„Bill, ich bleib hier stehen und warte auf dich, ja?“, fragt er als wir vor dem Geschäft stehen.
War ja klar. „Mach das!“, sage ich und betrete das Geschäft. Aber kaum zwei Minuten später sehe ich aus den Augenwinkeln, wie Tom sich ein paar Mal umguckt, und dann doch zu mir kommt. „Ich dachte du wolltest draußen bleiben?“, frage ich, während ich mir ein paar unterschiedliche Kajal-Stifte angucke, aber der, den ich haben will, ist bis jetzt noch nicht dabei. „Da draußen zu stehen ist noch schlimmer … außerdem, was mach ich denn, wenn mich wer erkennt?“
„Jaja“, grinse ich. Tom verschränkt die Arme vor der Brust und sieht mir ungeduldig dabei zu, wie ich nach meinem Kajal suche. „Hast du’s jetzt bald? Nimm doch einfach einen und fertig!“
„Tom, du weißt genau dass ich nur den einen nehme!“ Er seufzt und sagt nichts mehr, bis wir aus dem Laden raus sind.
„Lass uns wieder gehen, wir haben schon 4 Uhr!“, schlägt er vor und wir machen uns auf den Heimweg. „Sag mal … hat Massie irgendwas gesagt?“, frage ich vorsichtig. Er schweigt eine Weile. „Nur, dass das scheiße ist, dass ihr euch so selten seht, wenn ihr zusammen seit.“
„Mhm.“
„Würdest du sie der Öffentlichkeit zeigen?“
„Weiß nicht … vielleicht nicht so direkt … wenn wir gesehen werden würden, okay, aber … ich glaub ich würd nur sagen, dass ich ’ne Freundin hab … hätte …“ Verdammt.
„Bill!!“ Erschrocken drehe ich mich um. Da kommen zwei Mädchen hinter uns hergelaufen.
Natürlich geben wir ihnen gerne Autogramme und lassen auch ein Foto mit uns machen. Aber so Leid es mir tut, ich muss die ganze Zeit an dich denken. Ich hab Angst davor, was du sagst. Angst vor dem, was ist, wenn wir nicht wieder zusammen kommen.
„Darf ich dich umarmen?“, fragt das eine Mädchen, als wir uns verabschieden.
„Klar!“, grinse ich und nehme sie einmal in Arm. Dann das andere Mädchen noch und Tom tut es mir gleich.
Als wir vor der Wohnung stehen, hören wir euch drinnen lachen. Gustav und Georg scheinen auch da zu sein. Tom schließt die Tür auf und ich schließe sie hinter uns. „Trinken!“, keucht Tom übertrieben und rast in die Küche. Mit seiner Tüte in der Hand. „Was hast du dir gekauft?“, höre ich Li fragen.
„’n Shirt und ’n Cap!“, antwortet Tom und ich weiß dass er grinst. Ich hänge meine Jacke an den Hacken und schlendere ins Wohnzimmer. Dort lasse ich mich auf einen Stuhl neben dem Küchentisch fallen und sehe dich kurz an. Du lächelst leicht und ich erwidere es.
„Zieh mal an!“, fordert Li von Tom.
„Gleich!“, meint der und stellt sein Glas ab.
„Jetzt!“, lässt Li nicht locker.
„Okay!“, meint Tom ganz locker, zieht sein Cap und sein Shirt aus. Ich muss lachen, als ich Lis Gesicht sehe. Völlig perplex, dass Tom es wirklich macht, sieht sie ihm dabei zu. Währenddessen holt Tom seine neuen Sachen aus der Tüte und zieht sie sich an. Ich sehe zu dir hinüber und stelle erfreut fest, dass du ebenfalls lachst, aber nicht zu Tom guckst. Unsere Blicke treffen sich und du lächelst noch mal.
„Und?“, meint Tom und stellt sich in Pose. Li mustert ihn eine Weile von oben bis unten und meint dann grinsend: „Könnte nicht besser sein!“
Tom grinst frech und zieht sich wieder um.
„Und was hast du dir geholt?“, höre ich dich auf einmal fragen und sehe dich an.
„Ich?“, frage ich nach, doch natürlich weiß ich, dass du mich meinst. Du nickst grinsend.
Erwartest du etwa, dass ich mich jetzt auch vor euch allen umziehe?


Teil 9 – Massie


Du siehst mich geschockt an und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Komm schon Bill, ich hab’s auch gemacht!“, lacht Tom.
„Na und? Nur weil du das machst?“
„Mach doch einfach!“, meint auch Georg, aber du guckst nicht sehr begeistert.
„Ich kann euch die auch so zeigen!“, versuchst du dich raus zu reden, aber du hast keine Chance. Widerwillig stehst du auf und holst deine Tasche. Aber als du wiederkommst, hast du bereits ein anderes T-Shirt an. „Das gilt nicht!“, sagt Gustav und wir nicken alle.
„Ihr habt ja noch drei Shirts vor euch!“, sagst du nur und stellst dich in Pose. Aber wie! Wir lachen alle, und du versuchst ernst zu gucken. Natürlich übertreibst du extra und streckst deinen Hintern mit Absicht weit raus und setzt ein übertriebenes Lächeln auf. Doch dann musst du auch lachen. „Sieht gut aus, das nächste!“, meint Li und du ziehst skeptisch die Augenbrauen hoch, gibst aber dennoch nach und ziehst dein T-Shirt aus. Ich kann es nicht verhindern, ich muss automatisch denken, wie sexy du doch bist. Schnell ziehst du das andere T-Shirt an und wiederholst alles nochmal, nur mit 2 anderen Oberteilen. Die ganze Zeit über kann ich dich nur ansehen. Schließlich hast du wieder das T-Shirt an, welches du vor deiner Model-Aktion anhattest und zeigst noch deine Gürtel und ziehst deine neue Jacke kurz über. Ich muss schon sagen, du siehst verdammt gut aus. Du guckst einmal zu mir rüber und ich kann nicht anders, ich muss lächeln. Du siehst weg und siehst gleich wieder hin, ein wenig überrascht, wahrscheinlich hast du damit nicht gerechnet. Doch du lächelst auch.
Am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen und küssen. Aber … irgendetwas hält mich davon ab, ich weiß auch nicht was. Ich spüre einen leichten Stoß in die Seite. Li guckt mich belustigt an. „Du starrst!“, sagt sie leise und lacht, während ich leicht rot werde. Du guckst zu uns und musst grinsen, ich sehe weg. Warum, das erklär’ mir wer. Ich weiß nicht, was los ist. Ich fühle mich zu dir hingezogen, andererseits habe ich irgendwie Angst, dass morgen, wenn wir nach Hause fahren, wieder alles vorbei ist. Du gehst zum Kühlschrank und suchst darin etwas. Ich kann nicht mehr. Ich muss dich spüren. Jetzt. Hier. Sofort. Ich stehe auf und gehe zu dir, umarme dich von hinten. Du erschrickst kurz, und drehst dich in meinen Armen zu mir um. Schaust etwas verwirrt, doch dann lächelst du schüchtern. Ohne nachzudenken lege ich meine Arme um deinen Hals und küsse dich. Du erwiderst den Kuss und ich weiß nicht, wie lange wir so dastehen und uns küssen, aber als wir aufhören, sind die anderen nicht mehr da. Du grinst und küsst mich erneut.  


Teil 10 – Bill

Du telefonierst. Mit deiner Mum. Und ich höre dir dabei zu. Sehe dir zu, wie du hektische Armbewegungen machst. Wie sich deine Mimik verändert und wie du auf deine Mum einredest. Schließlich legst du strahlend auf und setzt dich, zu mir gerichtet, auf meinen Schoß. „Jetzt überweist meine Ma mir Geld, und dann geh ich gleich mit Li in die Stadt!“, grinst du und küsst mich. Soll ich mitkommen? Immerhin habe ich gesagt, ich sag nichts direkt, sondern sie sollen selbst draufkommen.
„Kommst du mit?“, fragst du ganz lieb.
„Kann ich machen!“, sage ich, und verdränge die doch noch vorhandenen Bedenken.
Dein Blick wandert zur Uhr. „Meinst du wirklich?“, fragst du zweifelnd und als ich sehe, dass es schon Viertel vor Fünf ist, schüttele ich leicht den Kopf. „Musst du wohl mit Li gehen!“
„Mhm.“ Sehr begeistert scheinst du nicht.
„Pass auf!“, sage ich ohne zu überlegen. „Je nachdem wie schnell wir fertig sind komm’ ich nach, ja?“ Du lächelst und nickst. „Okay, dann geh ich jetzt mal runter“, sage ich und will aufstehen, doch du bleibst sitzen. „Heeey“, sage ich leise und plötzlich umarmst du mich. Es tut so gut, mal wieder von dir in den Arm genommen zu werden und ich erwidere dies. Du seufzt leise. „Was wird denn aus uns?“, fragst du und ich hasse diese Frage. Denn ich kann darauf keine Antwort geben. Keine, außer „Ich weiß es nicht“.
Wir werden im Studio relativ schnell fertig. Okay, was heißt fertig. Aber David und Pat müssen noch weg und so beschließen wir, übermorgen weiter zu machen. „Meinst du das lohnt sich noch?“, fragt Tom und sieht mich skeptisch an. Ich zucke mit den Schultern.
„Ich frag mal wie weit sie sind.“ Tom nickt nur und klimpert noch ein bisschen auf seiner Gitarre rum. Die anderen verziehen sich alle und so sitzen wir alleine im Studio. Das heißt, Tom sitzt, während ich nervös rumlaufe und mich jedes Tuten im Handy nervöser macht.
„Ja?“, höre ich schließlich Lis Stimme.
„Li?“, frage ich verwundert.
„Hi! Ja, Massie zieht sich gerade um, deswegen bin ich dran.“
„Achso. Na ja, auf jeden Fall, wie weit seit ihr denn?“
„Es geht, ne“
„Ah ja!“
Sie lacht kurz. „Es lohnt sich noch!“
„Okay. Aber Tom kommt mit!“
„Okay. Georg und Gustav nicht?“
„Äh, nein, eigentlich nicht“, antworte ich und bin überrascht, dass sie das fragt. Sie lacht wieder.
„Okay. Wir warten vor …“ Sie scheint zu überlegen, dann höre ich, wie sie Massie fragt.
„Wir warten vor H&M auf euch, okay?“
„Okay, bis gleich!“
„Ciao!“
Eine halbe Stunde später stehen wir, so gekleidet wie heute morgen schon, vor H&M, doch von euch ist weit und breit nichts zu sehen. „Na toll! Wenn die nicht gleich kommen, dann geh ich wieder!“, murmelt Tom und ich nicke nur. Nach weiteren zehn Minuten seit ihr immer noch nicht da, und als Tom Li auf dem Handy nicht erreicht, und auch du nicht drangehst, machen wir uns wieder auf den Rückweg. „Ich glaub’s nicht!“, meint auf einmal Tom und bleibt stehen. Ich folge seinem Blick. Alles klar. Da steht ihr. Vor Bijou Brigitte und ihr macht nicht den Anschein, als hattet ihr vor, zu gehen. Tom geht schnurstracks auf euch zu und ich folge ihm. „Na sicher, wir warten da auf euch und ihr guckt euch Schmuck an!“, begrüßt er euch.
„Hey!“, grinst Li und Tom sagt nichts mehr. Ich nicke nur und bin froh, dass ich meine Sonnenbrille aufhabe. So sieht keiner, dass ich im Moment nur Augen für dich habe. Du siehst einfach perfekt aus. Ein paar vorwitzige Strähnen fallen dir ins Gesicht, während die Taschen und Tüten mit Aufschriften von Pimkie und Co. locker um deine Arme baumeln oder in deinen Händen. „Und, habt ihr schon die Stadt leer gekauft oder müsst ihr noch irgendwo hin?“, fragt Tom und grinst.
„Wir müssen noch nach …“ Li zählt ihm ein paar Läden auf und ich weiß, dass Tom die Augen verdreht, aber er grinst. „Okay, dann nichts wie los! Ich wollte heute auch noch mal nach Hause!“ Li lacht und hakt sich bei Tom unter, wobei der nur grinst. Während die beiden sich unterhalten, lachen und flirten, laufen wir schweigsam neben her. Uns trennen nur wenige Zentimeter, und doch scheinen sie so viel. Ich will dich am liebsten jetzt küssen, dich wenigstens an die Hand nehmen. Doch anstatt das zu tun, laufe ich weiter neben dir her. Ohne ein Wort, ohne einen Blick. Nachdem wir aus dem fünften Laden treten, seid ihr euch nicht einig, ob ihr noch weiter shoppen wollt oder nicht. Du willst, Li nicht. „Okay, dann geh ich mit Tom nach Hause, und ihr beide geht noch weiter!“, schlägt Li schließlich vor. Tom nickt. „Bis nachher!“ Und schon drehen sich die beiden um und gehen.


Teil 11 – Massie

Ich wette, das haben die geplant. „Mhm.“, machst du. Ich sehe dich erschrocken an, du grinst schüchtern. „Hab ich das gesagt?“, frage ich verwirrt und spüre schon, wie mir die Röte ins Gesicht steigt. Du nickst nur. Beschämt sehe ich auf den Boden und frage mich, warum dieser immer mehr dunkle kleine Flecken bekommt. „Na toll …“, höre ich dich murmeln. Ich sehe zu dir auf und mir tropft was ins Gesicht. „Na toll!“, fluche ich leise.
„Bill? Bist du es ehrlich?“ Wir wirbeln herum und vor uns steht ein Mädchen. Oh nein! Sie mustert mich skeptisch. „Wer bist du denn?“ Ich glaub ich spinne!
„Das geht-“
„Ich glaube du verwechselst uns. Ich bin nicht Bill!“, sagst du plötzlich mit tiefer Stimme und das Mädel guckt so blöd, dass ich mir das Lachen verkneifen muss.
„Also wenn du meine Freundin dann in Ruhe lassen könntest?“ Mein unterdrücktes Lachen verschwindet sofort. Ich kann dich nur noch ansehen. Meinst du das ernst? Oder hast du es nur so gesagt? Und warum schickst du überhaupt deinen Fan weg? Dieser guckt uns nochmal skeptisch an und geht dann.
Da stehen wir wieder. Alleine. Zu zweit. Im Regen. Mir brennt diese Frage auf den Lippen. Aber ich hab nicht den Mut, sie dir zu stellen. Ich kann nichts tun, außer dich an zu sehen. An uns hetzen die Leute vorbei, wollen sich vor dem Regen schützen. Und wir? Wir stehen mittendrin, rühren uns nicht. Sehen uns einfach nur an. Ich muss es wissen. Sonst platz ich. Noch einmal tief Luft holen, unauffällig. „Bill … das … eben … meintest … meintest du das ernst?“ Schweigen.
„Ich … weiß nicht … ähm …“ Schweigen. Und da ist es wieder. Dieses Bedürfnis. Dich in den Arm zu nehmen. Dich zu küssen. Aber wir stehen hier in Hamburg, hier wimmelt es nur so von Paparazzi und die lassen sich nicht täuschen so wie dein Fan-Girl eben. Und selbst wenn. Meine Beine klappen so oder so gleich weg. So fühlt es sich an. Du hast noch immer deine Sonnebrille auf, obwohl es regnet. Aber ich finde es nicht lustig. Nein. Es ist einfach perfekt. Ein leichter Wind kommt auf  und weht mir meine Haare ins Gesicht. Als ich sie einigermaßen geordnet habe, machst du plötzlich einen Schritt auf mich zu. Einen kleinen bloß, aber es reicht. Es reicht, um unsere Hände einander berühren zu lassen. Es reicht, um deinen Atem in meinem Gesicht zu spüren. Es reicht, das Verlangen noch größer zu machen. Es reicht, die Panik in mir weiter aus zu breiten. Was, wenn wir fotografiert werden? Was, wenn die Medien über uns berichten. Was, wenn … ja.
Du streichst mir vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht. Deine Finger schweben fast über meiner Haut. Es fühlt sich gut an und ich schließe die Augen, versuche, mich zu beruhigen. Doch daraus wird nichts. Denn ich spüre sie. Deine Lippen. Auf meinen. Sanft. Vorsichtig. Zurückhaltend. Unkontrolliert lasse ich die Tüten fallen, die ich noch in der Hand halte. Während sie mit einem dumpfen Knall auf die Steine fallen, erwidere ich den Kuss. Lasse mich fallen in die Gefühle, die meinen Körper durchströmen, als ich deine Zunge an meiner spüre. Lasse mich durchfluten von der Wärme, die in mir aufkommt. Genieße es. Genieße dich.
Nach einer halben Ewigkeit lösen wir uns voneinander und du nimmst die Brille ab. Ich versinke fast in deinen Augen, so fasziniert bin ich jedes Mal von ihnen. Deine Hände liegen noch immer auf meiner Hüfte.
„Wenn du … wenn du willst, dann …“, sagst du leise und siehst mir weiterhin in die Augen.
„Dann vergiss sie … vergiss sie alle!“, flüsterst du nun. Vergessen?
„Wen vergessen?“ Eine kurze Pause entsteht.
„Die Paparazzi … die Medien … die Fans …“
„Wie meinst du das?“
„Mach dir keine Sorgen um sie.“
„Aber … eure Karriere und …“
„Glaub mir, die richtigen Fans werden uns akzeptieren. Und die Medien … die können uns doch egal sein …“
„Aber …“ Du siehst mich fragend an.
„Nur wenn du willst … ich werde dich zu nichts zwingen …“
Ich seufze und kuschle mich an dich. Meinen Kopf an deine Brust, und lege meine Arme um deinen Rücken. Du streichelst sanft über meinen Rücken. Küsst mich einmal auf die Haare, schmiegst deinen Kopf an meinen. Wieder kommt ein Windstoß auf. Es regnet noch doller.
Doch wir bleiben so stehen. Genießen es. Unsere Umarmung. Uns.  


Teil 12 – Bill

„Seit ihr fertig?“ David sieht ungeduldig, aber lächelnd zu uns rüber. Wir stehen schon seit einer Ewigkeit hier auf dem Platz vor dem Studio und halten uns in den Armen. Die andern drei werden von Li auch fest geknuddelt. Selbst Tom, der darauf eigentlich nicht steht, drückt sie ganz fest an sich. Aber das kriegen wir kaum mit. Wir stehen einfach nur da und halten uns. David ruft noch mal und Li steigt schon ins Auto. Doch ich kann dich nicht loslassen, ich will nicht. Das Wochenende war zu kurz. Es war schön, aber dafür, dass wir uns vorher so lange nicht gesehen haben, verging es zu schnell. „Ich geh einfach nicht zur Schule und bleib hier!“, sagst du trotzig. Ich muss lachen, doch das hält nicht lange an. Nicht, dass ich weine, nein. Aber mir ist alles andere als zum Lachen zumute. „Ihr seht euch doch wieder!“, versucht Gustav uns auf zu muntern. „Fragt sich nur wann“, murmele ich. Du drückst mich fest an dich, dann siehst du mich traurig an. Nun muss ich doch ganz schön schlucken.
„Ich meld mich!“, sage ich leise. Mehr als Hauchen ist nicht drin. „Versprochen!“
Sanft küsse ich dich noch mal. „Vergiss mich nicht!“ Du siehst mich flehend an, deine Stimme ist leise, sie zittert. „Niemals!“ Und dann rollt doch eine Träne über meine Wange. Du wischst sie vorsichtig weg, lächelst aufmunternd. Ich erwidere dies, hoffe, es hilft dir. So wie mir dein Lächeln hilft. Mir war klar gewesen, dass das kein einfacher Moment werden würde, aber dass es mich doch so mitnimmt, damit hatte ich nicht gerechnet. Ein weiteres Mal ziehe ich dich in meine Arme. Du schluchzt auf. Doch dann lösen wir uns voneinander, du umarmst die anderen, dann mich nochmal. „Bis später!“, ruft David, dann steigt auch er ins Auto und lässt den Motor an. Dann fährt er los.
Und auf einmal habe ich Angst. Angst um dich. Angst um uns.
Angst, dich nicht mehr halten zu können. Angst, dass wir uns nicht mehr wieder sehen.


Teil 13 – Massie

 Die Fahrt kommt mir endlos vor. Endlos lange sitzen wir schweigend im Auto. Das Radio läuft, aber ich höre es nicht. Mein Kopf lehnt an der kalten Fensterscheibe, draußen regnet es. Plötzlich klingelt Davids Handy. „Ja? … ja, ich bin grad auf dem Weg nach Magdeburg ich bin aber heute Abend wieder in Hamburg … heute noch? … das geht nicht, ich schaff’s so schnell nicht … morgen … okay, bis dann!“ Er seufzt.
„Wisst ihr was bei Universal los ist?“ Er sieht uns, aber vor allem mich durch den Rückspiegel an. „Wieso?“, fragt Li.
„Massie und Bill wurden zusammen in der Stadt gesehen.“ Er grinst, Li ebenfalls.
„Bitte was?“, frage ich verwirrt. Erst Bills und mein Name lässt mich aufhorchen.
In dem Moment klingelt Davids Handy erneut. „Ja? Ja ich hab schon gehört … wir müssen morgen zu einer Presse-Konferenz…“ Er lachte kurz. „Na ja, toll find ich’s nicht, aber vielleicht ist es besser so … ja … mhm … ich bin heut Abend wieder da … wir sind grad kurz vor Magdeburg … wie geht’s Bill? …“ Er lachte wieder. „… ja ich glaub auch … na ja … okay … ja mach ich, ciao!“ Er lässt das Handy auf den Beifahrersitz fallen und sieht uns wieder durch den Spiegel an. „Schöne Grüße von Tom!“
„Danke!“, erwidert Li, ich nicke nur.
Dann sind wir tatsächlich Zuhause angekommen. Wir verabschieden uns von David, der mich noch aufmuntert und sagt, ich soll mich nicht fertig machen lassen. Er meint die Medien, die Fans. „Wenn was ist, dann meldest du dich!“ Er zwinkert uns noch mal zu und fährt dann weiter.
„Was habt ihr denn in der Stadt gemacht?“, fragt Li.
„Wir haben uns geküsst!“ Ich muss lachen, so erschrocken sieht sie mich an.
„Ja kein Wunder dass ihr dabei gesehen werdet.“
„Es war trotzdem geil! Im Regen, mitten in Hamburg-City!“ Wir müssen lachen, und auf einmal hab ich gute Laune. „Ihr schafft das schon! Und wir stehen voll hinter euch. Also, ich und Tom und so …“ Ich muss grinsen.
„Ja … wir stehen auch hinter euch … also ich und Bill und so …“
„Boah!“ Sie haut mir spielerisch auf die Schulter und wir gehen lachend in die Wohnung.


Teil 14 – Bill

Noch lange stehe ich da und schaue euch hinterher, obwohl ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr zu sehen seit. Dann geh ich nach oben in die Wohnung, wo Tom, Georg und Gustav in der Küche sind und diskutieren. Gustav und Georg sitzen am Tisch, während Tom an den Herd gelehnt steht. Als ich reinkomme, sehen sie mich an.
„Lasst uns doch einfach Pizza bestellen!“, schlägt Gustav vor.
„Na gut!“, geben sich Tom und Georg wohl geschlagen, denn Gustav grinst.
„Hatten wir nicht Freitag erst Pizza?“, werfe ich ein, habe aber eigentlich nichts dagegen.
„Ist doch egal!“, sagt Gustav und steht auf. Wenig später gibt er unsere übliche Bestellung durchs Telefon und kommt dann wieder zu uns. Während die drei in der Küche auf die Pizza warten, gehe ich in mein Zimmer. Und sehe genau auf mein Bett, wo noch alles so ist, wie wir es heute Morgen verlassen haben. Meine Gedanken wandern zu den letzten zwei Tagen und plötzlich muss ich lächeln. Es war zu kurz das Wochenende, ja, aber es war schön. Es hat uns wieder mehr verbunden und wir wissen beide, dass unsere Liebe immer noch so stark ist wie am Anfang. Jetzt erst begreife ich, wie glücklich ich sein kann, so eine Freundin wie dich zu haben. Jedes andere Mädchen würde den Bedingungen unserer Beziehung vielleicht nicht standhalten. Jedes andere Mädchen hätte wahrscheinlich gar kein Verständnis dafür, dass die Musik bei mir an erster Stelle steht. Aber du verstehst es. Du bist für mich da, egal wann ich anrufe. Selbst wenn wir lange nichts voneinander hören, weiß ich, dass du nicht böse bist. Du freust dich umso mehr, wenn ich dann anrufe.
Und in diesem Moment schwöre ich mir, dass ich auch für dich da sein werde. Bisher habe ich es einfach nicht geschafft oder vergessen mich zu melden. Fast ein Jahr lange haben wir uns nicht gesehen. Wir hätten uns dadurch fast verloren. So was hält keine Beziehung aus.  
Ich habe dir erneut versprochen, mich zu melden, dich nicht zu vergessen. Und diesmal werde ich es halten. Du musst mich nur rufen, dann lass ich alles stehen und liegen. Das weiß ich jetzt, und ich weiß, dass du das auch weißt. Und das ist gut so. Ich werde von jetzt an zu dir stehen und es ist mir egal, was die Medien dazu sagen. Und den richtigen Fans wird das auch nicht viel ausmachen.
Plötzlich muss ich lachen. Meine Gedanken hören sich verrückt an, aber sie stimmen. Glück durchströmt meinen Körper und lachend lasse ich mich auf mein Bett fallen.
Wir sitzen lachend in der Küche und essen Pizza und ich merke, wie gut es mir tut, mal wieder mit den Jungs zu lachen und Spaß zu haben. „Hi!“ Plötzlich steht Pat im Raum und schaut uns amüsiert an. Doch dann wird er ernst. „Habt ihr heute schon Fernsehen geguckt?“ Wir schütteln verwundert die Köpfe, und mir wird mulmig. Ich glaub ich weiß, was er meint. Er legt die Zeitung, die er in der Hand hielt, vor uns auf den Tisch.
Wen küsst Bill im strömenden Regen??? Steht da ganz fett auf dem Titelblatt der Bild-Zeitung. Daneben ist ein Bild von uns, wie wir im Regen stehen und uns küssen. Allzu viel erkennt man nicht, aber es ist genug.
Bill Kaulitz ist längst bekannt. Wer aber ist das Mädchen auf diesem Bild?
Und so weiter. „Wie viel Uhr haben wir?“, fragt Tom.
„Kurz vor 5!“, antwortet Georg. Tom steht auf und setzt sich auf die Couch. Wir tun es ihm gleich und dann schauen wir alle zusammen taff.


Teil 15 – Massie

„Hat er nun eine Freundin oder hat er keine? Diese Frage stellen sich im Moment tausende Mädchen.“
„Ja, denn es sind Bilder von Tokio Hotel aufgetaucht, die die meisten ihrer Fans bestimmt lieber wieder vergessen würden.“
Die beiden Moderatoren von taff laberten ein bisschen und es wurden Bilder gezeigt. Von Tom, Bill, Li und mir vor Bijou Brigitte, Bill und ich, wie wir uns küssten, wie wir zu viert durch die Stadt liefen, und immer wieder das Bild, wie Bill und ich im Regen stehen und uns küssen oder wir uns umarmen. Dabei wird das, worauf wir uns küssen, immer ganz nah rangezoomt und um unsere Köpfe ist ein roter Kreis gemalt. Es wird gesagt, dass das Bild in der Bild-Zeitung war und dass Bill und Tom sich noch nicht dazu geäußert haben.
„Na toll.“
„Wenigstens erkennt man dich nicht gut“, versucht Li das ganze positiv zu sehen. Ich kann nur spöttisch lachen. Wer mich kennt, der erkennt mich auf den Bildern. Und Li auch.
„Hoffentlich machen sie uns nicht allzu fertig.“, meint sie daraufhin. Es gibt genug TH-Fans in Magdeburg. Und ich bin mir sicher, dass uns einige davon kennen. Wir kennen ja auch einige. „Oder in der Schule weiß auch jeder, dass wir mit Bill und Tom befreundet sind.“ Ich nicke nur. Wir gucken noch eine Weile Fernsehen, dann geht Li nach Hause.


Teil 16 – Bill

Wir sitzen im Van, auf dem Weg zu einem Hotel in Berlin. Vor uns liegen Stunden mit Interviews. Oder vor mir. Wie man’s nimmt. Gerade eben waren wir auf einer Pressekonferenz und nachher müssen wir Bravo & Co. Rede und Antwort stehen. Oder ich. Wie man’s nimmt.
Eigentlich würde ich dich jetzt gerne anrufen. Wer weiß, wann ich das nächste Mal so lange Zeit dazu habe. Aber du bist in der Schule. Lächelnd sehe ich aus dem Fenster, während ich mir vorstelle, wie du in der Schule sitzt, in Mathe vielleicht, und dem Unterrichtsende entgegensehnst. Vielleicht denkst du ja auch an mich. „Hey!“ Verwundert drehe ich mich zu Tom, der mich nur angrinst. „Was willst du denen denn eigentlich sagen?“
„Na was schon. Ich antworte auf ihre Fragen!“ Tom verdreht kopfschüttelnd die Augen, muss aber lächeln. Ich weiß, ich spinne im Moment, aber was soll’s. Darf ich nicht auch mal gut drauf sein?
„Ich meine, was erzählst du denen wegen Massie?“
„Na ja dass ich ’ne Freundin hab, wer weiß ob ich ihren Namen sag.“
„Hat sie dir das erlaubt?“ Wir müssen grinsen.
„Hat sie dir das erlaubt!“, wiederholt auch Georg und wir lachen kurz.
„Ich denke, ich werd ihn erstmal nicht sagen, oder … doch, vielleicht … mal sehen, mach ich spontan.“ Tom schüttelt nur wieder den Kopf.
„Dieses Mädchen macht dich noch verrückt!“
„Möglich.“
„Vielleicht ist das ja ganz gut.“
„Wieso? Noch verrückter? Na danke!“, kommt von Georg.
„Boah! Dankeschön!“
„Immer wieder gerne, Bill!“
„Mhm.“ Ich sehe wieder aus dem Fenster.
Wir sind kaum eine Viertelstunde da, werden wir schon von der Bravo interviewt.
„Bill, was sagst du zu den Bildern die aufgetaucht sind?“ Na dann mal los.
„Was soll ich dazu schon sagen? Ich denke sie sprechen für sich.“
„Also hast du nun eine Freundin?“ Ich kann nicht anders, ich muss lächeln.
„Ja, das stimmt.“

Teil 17 – Massie

Es ist Mittwoch und bis jetzt haben Li und ich noch keinen einzigen Kommentar zu hören bekommen. Das dürfte sich dann ja heute ändern. Du hast mir gesagt, dass du meinen Namen genannt hast. Aber mehr nicht. Heute wirst du also tausende Herzen brechen. „Die richtigen Fans verstehen das!“, hast du gesagt. Ich hoffe es. Ehrlich gesagt hab ich ein bisschen Angst. Aber ich weiß, dass du zu mir und hinter mir stehst. Das beruhigt mich wieder ein wenig.
Li und ich begrüßen uns mit einer Umarmung und gehen dann gemeinsam zur Bushaltestelle.
Zu unserer und vor allem meiner Überraschung, ist heute nicht viel passiert. Klar, es gab einige Blicke. Schließlich wissen die Leute von unserer Schule, dass wir mit Tokio Hotel befreundet sind. Ein paar verrückte kleine Mädchen haben getuschelt als wir an ihnen vorbeikamen, aber sonst war nichts Besonderes.
Jetzt sitzen wir bei mir im Zimmer und lesen die Bravo und die Yam!. Alleine die Titelbilder müssten dazu beigetragen haben, dass alle Fans sich die Zeitschriften noch heute kaufen.
Nun ist es offiziell! Bill hat eine Freundin!!, steht auf der Bravo. Darauf ein Bild von dir. Du lächelst, aber nur leicht, und dein Blick ist irgendwie da, aber gleichzeitig scheinst du in Gedanken. Auf der Yam! ist die ganze Band zu sehen … aber du im Vordergrund, die anderen weiter hinten. Tom hat die Arme vor der Brust verschränkt, Georg und Gustav stehen einfach da und du, du hast die Hände in die Hüfte gestützt und siehst einfach nur geradeaus.
Ist Bill nun vergeben?, steht da ganz klein, und darunter, ganz groß:
„Ja, ich habe eine Freundin!“ Ein Zitat deinerseits. Die Berichte haben im Großen und Ganzen den gleichen Inhalt. Du erzählst, dass wir uns schon von der Schule kennen, dass wir schon länger befreundet sind, dass ich die ganze Band kenne und auch Li erwähnst du als gute Freundin. Auf die Frage, wie es mit uns weitergeht und dass du ja so viel zu tun hast, sagst du: „Das klappt schon irgendwie. Wir haben ja auch so die ganze Zeit Kontakt gehabt und wenn wir Zuhause sind, ist das ja kein großes Problem mit dem Treffen. Und zur Not nehmen wir sie mit auf Tour!“
„Gut, dass ich das weiß!“, sage ich ironisch und wir lachen.
„Wenigstens hat er nicht zu viel erzählt!“, sagt Li und ich nicke. Irgendwie, ich weiß nicht, habe ich ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Wir reden noch eine Weile, machen Hausaufgaben und gucken Fernsehen. Gegen 17 Uhr, als gerade bei Taff über dein „Liebes-Geständnis“ berichtet wird, klingelt es an der Tür. Wir hören meine Mutter reden. Kurze Zeit später geht die Zimmertür auf und ein mehrstimmiges, fröhliches „Halloooooo!“, erfüllt den Raum.  


Teil 18 – Bill

Einen Moment lang seht ihr uns überrascht an. „Biiiill!“, rufst du und springst mir in die Arme. Ich muss lachen und drücke dich fest an mich, während du keinen Boden mehr unter den Füßen hast, weil ich dich gleichzeitig ein Stück hochhebe. Wir lassen uns los, aber nur, um uns erneut in den Arm zunehmen und zu küssen. Dann begrüßt du die andern drei mit einer Umarmung, während ich das bei Li mache und mich dann auf ihr Bett fallen lasse.
Nach dem du die andern begrüßt hast lässt du dich neben mich fallen und küsst mich.
„Ich glaube, wir sollten gehen!“, sagt Georg grinsend.
„Quatsch!“, wirft Tom ein und grinst noch mehr. „Wir dürfen zugucken!“ Wir lachen alle und dann reden wir über den Bericht in der Bravo.
„Ich hab deinen Namen erstmal extra nicht gesagt … ich glaub das ist für den Anfang besser.“, sage ich und alle nicken.
Als wir uns spät abends verabschieden, ruft Li auf einmal „Wieso pennt ihr nicht hier?“ Und schon ist sie auf dem Weg zu ihrer Mutter. Wir lachen und wenig später kommt sie strahlend zurück. Tom grinst und holt sein Handy aus den Tiefen seiner Hosentasche. Während er mit unserer Ma telefoniert grinsen er und Li sich ununterbrochen an. „Grins, grins“, sagst du und grinst selber. „Mhm“, grinse ich ebenfalls und wir lachen kurz, dann verschließt du meine Lippen mit einem langen, langen Kuss. Auch Georg und Gustav telefonieren, aber das kriegen wir schon gar nicht mehr mit. Wir sind in unserer eigenen, kleinen Welt. Mal wieder, und ich genieße es jedes Mal, als wäre es das erste. Das Kribbeln im Bauch ist noch immer so stark wie am Anfang, wenn nicht noch stärker. Du legst deine Arme um meinen Hals und ziehst mich noch näher an dich. Deine Zunge sucht die meine, ich kann nicht anders und gehe mit meiner Hand ein Stück unter dein Shirt. Streichle vorsichtig über deinen Rücken, über deine so weiche Haut, wie nur du sie hast, genieße das warme Gefühl, das meinen Körper durchströmt, genieße das Kribbeln in meinem Bauch, das Gefühl von Geborgenheit, von Sicherheit. Und die Gewissheit, dass du genauso fühlst wie ich. Das alles darf ich genießen, das alles ist es, was mir die Kraft gibt, auch mal längere Zeit nicht bei dir zu sein.
Ich werde angetippt. Von Tom, der mich nur schief angrinst und dann sagt, dass alles abgemacht ist. Du willst mit den anderen hochgehen, aber ich halte dich fest, woraufhin du mich überrascht und fragend ansiehst. Ich lächle nur und gehe mit dir aus dem Haus.
Draußen schlendern wir händchenhaltend die Straße entlang, schweigen, genießen einfach diesen Moment. „Sag mal …“, fange ich schließlich doch an, weil ich dich jetzt unbedingt was fragen muss. Fragend siehst du mich an, lächelst. Wir bleiben stehen, du siehst mich noch immer an. Vorsichtig streiche ich dir eine Strähne hinters Ohr. Da es schon dunkel ist und hier kaum Laternen stehen, strahlt nur noch der Mond auf uns herab, was dem ganzen Moment etwas Einzigartiges gibt. Und da dieser Moment viel zu schön ist, um ihn mit einer Frage kaputt zu machen, küsse ich dich. Du lächelst in den Kuss hinein, erwiderst ihn und ziehst mich enger an dich. Ich spüre deine Hände unter meinem T-Shirt, auf meinem Rücken und auch meine Hände finden den Weg unter dein Shirt. Lange stehen wir so da, küssen uns, genießen uns. Nach einer halben Ewigkeit lösen sich unsere Lippen voneinander. Du siehst mir in die Augen und lächelst. „Und?“, hauchst du. „Was wolltest du jetzt sagen?“
Eigentlich ist das gar keine so große Sache, aber ich weiß, dass es schwer wird, die gewünschte Antwort darauf zu bekommen, obwohl wir se uns beide wünschen.
„Na ja …“ Ein fragender , ungeduldiger Blick deinerseits. „Willst du nicht doch … ein wenig mit uns auf Tour gehen?“  

Teil 19 – Massie

Ehrlich gesagt hatte ich etwas anderes erwartet. Etwas … mehr bedeutendes. Aber erst als ich zum zweiten Mal drüber nachdenke, wird mir klar, dass dir das eine Menge bedeuten muss. Sonst hättest du nicht gefragt. Und ich würde ja gerne mitkommen, aber … „Du weißt doch, was meine Eltern davon halten …“ Ich sehe zur Seite.

„Ja, ich weiß … aber wenn wir sie versuchen zu überreden? Ich mein, sonst kann Li ja auch mitkommen …“

Für Tom?, denke ich und muss grinsen, du lachst leise, denn du denkst das gleiche und zuckst mit den Schultern. Doch dann wirst du wieder ernst. „Was meinst du?“        „Ich denke nicht, dass ich darf … aber ich probiere es!“ Ein Lächeln von dir. Seufzend nimmst du mich in den Arm. „Wann fahrt ihr wieder?“                                           „Übermorgen.“                                                                     „Mhm…“                                                                                          „Ich vermiss’ dich jetzt schon!“                                              „Jaaa klar, ich bin grad nur da“, lache ich. „Na und?“, sagst du leise und drückst mich noch ein wenig fester. „Wer weiß wie lange wir uns dann nicht sehen …“ „Hör auf …“ Wenn ich daran denke, wird mir schon wieder ganz anders. „Ach, Süße …“, seufzt du und ich frage mich zum hundertsten Mal, warum uns alles so schwer gemacht wird? Warum können wir nicht einfach eine ganz normale Beziehung führen? Uns treffen wann wir wollen, machen was wir wollen? Wieso nicht? Später sitzen wir zusammen in Lis Zimmer und gucken uns einen Film an. Irgend so ein Horror-Streifen, den alle außer mir gucken wollten. Aber na ja. Einen Vorteil hat es ja, und zwar, dass ich schön an dich gekuschelt auf der Matratze liege, du meinen Bauch streichelst und mir zwischendurch immer einen Kuss gibst. Während Li, Tom und Gustav nebeneinander auf ihrem Bett sitzen, Chips essen und ganz gebannt auf den Bildschirm gucken. Georg sitzt neben uns auf der Matratze, auf der wir nachher noch zu fünft oder viert schlafen müssen.

 

„Schlaf doch, wenn du müde bist“, flüsterst du, als du merkst, dass ich meine Augen immer mal wieder schließe. „Aber dann verpass’ ich dich …“

 

Du lächelst. „Ich bin ja da“, und gibst mir einen Kuss. Ich kuschle mich noch enger an dich, spüre deine Wärme, nehme deinen Duft auf, fühle mich unendlich wohl. Schließlich fallen mir doch die Augen zu, und ich höre noch den Film, höre euch zwischendurch leise reden, spüre deinen Kuss, und versinke langsam in einen traumlosen Schlaf.

 

Teil 20 – Bill

Als Ich aufwache, ist es schon hell im Zimmer. Du liegst nicht mehr neben mir und als ich mich umsehe, merke ich, dass auch Li nicht mehr da ist. Dafür liegt Tom bei ihr im Bett, noch immer tief schlafend. Gustav und Georg liegen auf dem Boden und auf der Matratze. Jetzt erst fällt mir ein, dass heute Donnerstag ist. Demnach müsstet ihr in der Schule sein. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mein Denken. Und schlafen kann ich nun irgendwie auch nicht mehr. „Tom? … Tom!“ Nichts. Mein Bruder schläft als wäre er tot. Also stehe ich auf und schleiche aus dem Zimmer, die Treppe runter in die Küche. Auch hier ist niemand, aber ich sehe einen Zettel auf dem Tisch.


Hey Jungs, sind in der Schule -.-
Sind um 2 wieder da. =)
Eltern sind arbeiten.
Ihr könnt nach Hause gehen,
könnt aber auch bleiben wenn
ihr wollt ^^ Essen dürft ihr auch
Hel, Massie & Li


Na super. Hunger hab ich ja schon, aber da ich ungern alle Schränke alleine durchsuchen will, gehe ich kurz entschlossen wieder hoch. „AUFSTEHEN!!“, schrei ich und zumindest Gustav wacht auf und räkelt sich auf dem Boden. „Mann Bill, schrei doch nicht so!“
„Guten Morgen!“, lächle ich. Gustav nickt nur.
„Tooom!“, rufe ich und gehe zum Bett. Da liegt er auf dem Bauch, ein Bein angewinkelt, den Arm ebenfalls, das Gesicht zur Hälfte im Kissen vergraben und die Decke bis zur Taille verdreht hochgezogen. Im Gegensatz zu uns dreien hat er aber kein Oberteil mehr an.
„Ich glaube nicht, dass sie es in unserer Anwesenheit getan haben“, grinst Gustav und steht auf.
„Na ja, wer weiß.“
„Juuuuuuuuuuuuuuungs??? Seid ihr noch daaaaaaaaaa?“
„Das ist Li!“ Tom springt auf und wir hören ihn die Treppen runterpoltern und grinsen uns an. Wir waren zwischendurch Zuhause und haben uns frische Klamotten angezogen, sind dann aber wieder hergekommen. So dumm das auch klingen mag. Als wir unten ankommen, stehen Tom und Li schon in der Küche und diskutieren, ob wir Spaghetti, Spaghetti oder Spaghetti kochen sollen. Du stehst kopfschüttelnd daneben und grinst. „Naaa?“ Ich umarme dich von hinten und lege mein Kinn auf deine Schulter.
„Naaa?“, grinst du. Wenn du wüsstest, was ich dir nachher in einer ruhigen Minute sagen werde …

 
Teil 21 – Massie

Nachmittags gehe ich dann doch nach Hause, die anderen bleiben noch ein wenig. Weil Tom Li bei den Hausaufgaben helfen will. Er kann das ja auch alles noch so gut. Zügig laufe ich durch den Regen, der so plötzlich angefangen hat, und natürlich habe ich keinen Schirm dabei, weil die Tage vorher die Sonne schien. „Uah!“, macht’s auf einmal hinter mir und ich werde fest umarmt. Erschrocken kreische ich auf und höre dein Lachen in meinem Ohr.
„Denkst du ich lass dich einfach so gehen?“, fragst du und grinst, bevor ich überhaupt fragen kann was du hier machst. Ich kann gar nicht anders und gebe dir einen Kuss, erst dann fällt mir auf, dass du kein bisschen verkleidet oder unauffällig bist. Du verdrehst die Augen. „Also bitte, ich wohne hier!“ Lachend gehen wir weiter, doch du siehst wohl gar nicht ein, zu hetzen und so kommen wir patschnass und durchgefroren Zuhause an. „Oh Gott!“, öffnet Ma die Tür und im nächsten Moment ruft sie „Bill!“ und knuddelt dich erstmal. Sie mochte dich von Anfang an und immer wieder hat sie mir gesagt, dass sie stolz gewesen wäre, hätte sie früher so einen Freund wie dich gehabt. Zugegeben, meine Ma ist ziemlich durchgeknallt. Das erklärt dann wohl auch, warum sie dich mit einem „Endlich seh ich dich mal wieder, Honey!“, begrüßt. Ich verdrehe die Augen. So ist sie immer, wenn sie sich extrem freut. Sonst ist sie irgendwie doch noch ganz normal. Nur ein bisschen verrückter halt als andere Mütter. Trotzdem ist sie gleichzeitig auch streng und wir streiten uns jedes Mal, wenn es darum geht, dass ich mit euch auf Tour gehe, euch besuche oder so was. Das war wohl mit ein Grund, warum wir uns so lang nicht gesehen haben. „Wollt ihr einen Tee? Ihr seid doch bestimmt ganz durchgefroren!“ Du nickst sofort begeistert. „Tee ist immer gut!“
„ … einfach nur geil!“, höre ich dich sagen, als ich in ein Handtuch gewickelt die Treppe runterkomme. „Kann ich mir vorstellen“, kommt Ma’s Antwort. Als du mich siehst, grinst du, dann beißt du dir auf die Unterlippe. „Lass das!“, lache ich und werfe dir das andere Handtuch ins Gesicht.
„So, euer Tee muss noch ein bisschen ziehen, und ich muss jetzt los!“ Hastig läuft meine Mutter in die Garderobe und schlüpft in ihre Schuhe. „Wohin denn?“
„Essen mit Kollegen!“, antwortet sie, während sie ihren Lippenstift nachmalt. „Und morgen mit Kunden … aus China“ Sie verdreht die Augen. „Auf deren Englisch bin ich gespannt!“ Ich nicke nur, aber du lachst. „Bin frühestens um elf zurück, bestellt euch doch Pizza oder so … macht euch einen schönen Abend!“
„Jaja.“, antworte ich und diesmal nickst du.
„Bleibst du? Na ja kannst du dir ja überlegen, ich hab da nichts gegen, na ja ich bin dann weg, bis morgen denk ich mal!“ Wumm!! Türe zu.
„Sie hat sich nicht verändert“, sagst du. Als ich darauf nichts sage, fragst du: „Und, was machen wir jetzt? Ich mein wir haben jetzt …“ Du schaust auf die Uhr und rechnest „… mindestens fünf einhalb Stunden für uns“
„Hmmm …“ Dann kommt mir eine Idee. „Wie wär’s mit-„
„Duschen gehen?“, beendest du meinen Satz und ich muss lachen. Schon flitzt du die Treppe hoch. Einen Moment sitze ich noch auf der Couch und frage mich, ob das gerade alles echt ist. Das Rauschen des Wassers bestätigt die Realität. „Schaaaaatz nicht nur die Dusche wird heiß!“, rufst du und ich folge dir ins Bad.


Teil 22 - Bill

Du wischt dir über die Augen und ich sehe dich überrascht an. „Heee, nicht weinen!“, sage ich belustigt. „Tut mir leid, aber … oh Goooott guck doch!“, heulst du. Ich muss lachen. Dass du auch immer heulen musst bei Liebesfilmen. Obwohl das gar kein richtiger Liebesfilm ist, aber trotzdem ist viel Liebe dabei. Na ja wie auch immer, jedenfalls heulst du. „So was möchte ich auch mal gesagt bekommen!“, schluchzt du und ich sehe dich skeptisch an. Sag ich dir nicht oft genug, dass ich dich liebe? „Doch aber nicht … sooo … wie die da!“ Langsam beruhigst du dich. „Das ist auch ein Film. Keine Realität!“ Du verdrehst die Augen.
„Du warst auch mal romantischer!“
„Nur weil ich dir kein Liebesgeständnis mache und dir Candle-Light-Dinner am Strand von Hawaii serviere?“
„Das machen die da auch nicht!“ Nein. Sie stehen auf der Straße vor ihrem Haus und er macht ihr ein Geständnis. Super.
„Ja stell dich auf die Straße und ich sag auch in höchsten Tönen dass ich dich liebe!“
„Boah Bill!“ Jetzt bist du beleidigt.
„Ohh!“, mache ich ironisch und du schlägst mir auf den Oberschenkel. „Heee!“
Von dir kommt nur ein „Pscht!“ Meinst du echt das lass ich mir gefallen? Als ob. Frech wie ich bin, gebe ich dir einen Kuss, weil ich genau weiß, dass du das jetzt nicht willst.
„Bi-ill!“ Also gut, dann piekse ich dir halt in die Seite. Du quiekst. So geht das die ganze Zeit und wir lachen beide. Als wir uns wieder beruhigen, läuft der Abspann des Films. „Booooah Bill!“, rufst du und drückst mir ein Kissen ins Gesicht, wobei dein Handtuch runterrutscht. Ich lache und drücke das Kissen wieder weg. „Ohh!“, grinse ich.
„Bill, wegen dir hab ich das Ende verpasst!“, erwiderst du und ziehst dein Handtuch wieder hoch.
„Ach was, ist doch egal!“, versuche ich dich aufzumuntern und ziehe dich in meine Arme.
„Nein!“, sagst du sauer und kuschelst dich an mich. Eine Weile liegen wir so da, nur in unsere Handtücher eingewickelt und eine Decke über unseren Beinen. Du ziehst sie noch höher und kuschelst dich noch etwas enger an mich.
Ich will es dir jetzt endlich sagen, jetzt ist die Gelegenheit und ich bin so gespannt, wie du reagieren wirst.
„Du?“, frage ich.
„Hm?“
„Willst du denn jetzt mitkommen auf Tour?“
Du seufzt. „Ja, aber meine Ma …“
„Was ist mit ihr?“
„Du weißt doch was sie davon hält.“
„Ja.“ Ich muss mir ein Grinsen verkneifen.
„Also.“
„Was denkt sie denn?“ Du siehst mich verwirrt an.
„Na sie lässt mich nicht!“, sagst du traurig.
„Bist du sicher?“, frage ich und nun breitet sich doch langsam ein Grinsen auf meinem Gesicht aus.
„Ja?“, antwortest du verwirrt und siehst mich an. Nun kann ich das Grinsen erstrecht nicht zurückhalten, dein Blick ist zu geil. „Aber…“, fängst du an und ganz langsam fängst du an zu strahlen. „Nein! Sag dass das nicht wahr ist!“
„Ich dachte du freust dich“, tu ich auf enttäuscht. In dem Moment schlägst du die Decke weg und fällst mir um den Hals. „Wie geil! Ich liebe dich, Bill! Danke!“ Ich lache und du gibst mir einen Kuss. „Wie hast du das denn geschafft?“, fragst du verblüfft und immer noch aufgeregt.
„Tja“, grinse ich und werde erneut von dir umarmt.
„Und wann?“, fragst du voller Vorfreude.
„Na ja, wann du willst.“
„Sofort!“ Wie aus der Pistole geschossen. Ich lächle.
„Hm, mach’s doch lieber, wenn ihr länger freihabt. In zwei Wochen!“
„Da sind vier Tage frei.“
„Ja.“
Du strahlst und gibst mir wieder einen Kuss, wobei dein Handtuch wieder runterrutscht. Aber anders als vorhin, lässt du es runterrutschen.

Teil 23 – Massie

 

 

„Massie, bist du fertig?“, schreit Ma von unten.
„Jaaa, sofort!“, schreie ich zurück. Schnell packe ich noch mein Handy und meinen mp3-Player in meine Handtasche, dann stürme ich die Treppen runter. Mittendrin klingelt mein Handy und ich krame es hektisch aus der Tasche. „Ja?“
“Hey Süße, uuund wie weit bist du?“, flötest du gut gelaunt.
„Wir fahren jetzt!“ Ich bin eine Sonne. So komme ich mir vor. So sehr strahle ich, so sehr freue ich mich.
„Guuuut!“
„Jaaa!“ Wir lachen beide.
„Kommt die Li mit?“
„Weiß ich doch nicht, hab ich das zu entscheiden?“, lache ich.
„Nee!“ Ich sehe dein Grinsen sogar durchs Handy.
„Hätte das vielleicht jemand gern?“, frage ich grinsend während ich ins Auto steige, Ma wartet schon ungeduldig.
„Jemand der gerade neben mir sitzt?“, sagst du genauso und wir lachen. Im Hintergrund höre ich Tom fragen, was mit ihm sei.
„Och nichts!“, erwiderst du nur. Im nächsten Moment rufst du „hey!“ und dann höre ich Tom: „Kommt die Li mit?“ Ich muss lachen.
„Willst du das?“, frage ich provozierend.
„Boah!“, ruft er und dann sprichst du wieder.
„Bring ihn doch nicht in Verlegenheit!“ Wir lachen wieder.
„Sei ruhig!“, kommt von Tom nur.
„Okay Schatz, ich denke, ich bin so in ’ner Stunde da … wenn nicht, ruf ich an!“, beende ich langsam das Gespräch.
„Okay … bis dann dann!“ Einen Kuss krieg ich durchs Handy und dann legen wir auf.

Teil 24 – Bill

 

Ungeduldig trommle ich mit den Fingern auf dem Tisch und stütze gleichzeitig meinen Kopf auf die andere Hand. Immer wieder wandert mein Blick zur Uhr, doch jedes Mal kommt der Zeiger nur ein paar Sekunden weiter.
„Boh, Bill!“, ruft Gustav, der mir gegenüber sitzt. An dem kleinen Tisch im Tourbus. Fragend sehe ich ihn an.
„Lass das mal! Das nervt!“ Er deutet mit den Augen auf meine Finger und ich höre auf und schaue wieder zur Uhr … wie lange brauchst du denn? Seufzend sehe ich auf mein Handy das auf dem Tisch liegt. Vielleicht ist dir was dazwischen gekommen? Stau oder so? Aber dann würdest du doch anrufen. „Bill!“ Gustavs Hand packt meine und drückt sie auf den Tisch. „Jetzt lass das!“, sagt er total genervt und sieht mich eindringlich an.
„Sorry“, murmele ich und ziehe meine Hand unter seiner weg. Der Junge hat ganz schön Kraft, obwohl er so klein ist. Plötzlich ertönt ein Hupen.
„Waah!“, rufe ich freudig und springe auf und aus dem Bus raus. Schon knallst du die Autotür zu und rennst mir in die Arme. Erstmal ganz fest knuddeln. Es ist unglaublich, so viel Zeit ist gar nicht vergangen seit wir Zuhause waren, und doch hab ich dich so schrecklich vermisst. Ich kann gar nicht glauben, dass ich es ausgehalten habe, dich ein Jahr lang nicht zu sehen.
Einen Moment sehen wir uns in die Augen, dann küsst du mich. Endlich. Nach und nach kommen auch die anderen aus dem Bus und begrüßen erst dich, dann deine Mutter. Sie und David reden noch eine Zeitlang miteinander und in der Zeit zeigen wir dir den Bus.
Als wir schließlich bei den Betten ankommen, grinst du.
„So, und hier“ Tom klopft auf sein Bett, „schläft der Chef!“
Du lachst und schüttelst gleichzeitig den Kopf. Gustav und Georg stellen ebenfalls ihre Betten vor und du blickst zu dem übrig gebliebenen. Meinem. Ich grinse. „Tja, und hier schlafen wir … wenn du willst … sonst … „
„Mein Bett nicht!“, rufen die anderen im Chor und du lachst wieder.
„Nein, klar! Das ist schon gut so.“
„Aber seit bitte leise, okay?!“, meint Georg und die anderen beiden lachen, während wir beide gleichzeitig „Boah“ rufen, dann aber auch lachen.
„Wow!“, hören wir plötzlich deine Mutter raunen und drehen uns um. Sie ist sichtlich beeindruckt. Plötzlich stößt Tom dich an. „Du bist übrigens gemein!“, sagt er leise.
„Hä, wieso?“, fragst du verwirrt.
„Weil du die Li vergessen hast. Die sitzt jetzt ganz allein Zuhause und ist traurig weil du sie nicht mitgenommen hast!“
„Bestimmt!“, lachst du. „Und du bist sicher dass du sie nicht magst?“
„Boah!“, sagt Tom, aber lacht leise. Dann geht er zu David und die beiden gehen raus.
„Jetzt wird überredet“, grinst Georg und wir lachen alle.

 

Nachdem Tom und David rausgegangen sind und deine Ma sich den Bus komplett angeguckt, deine Sachen geholt und sich verabschiedet hat, gehen auch Gustav und Georg nach draußen. „Tjaaa“, seufze ich leise und starre eine Weile vor mich hin auf Toms Bett. Glücklich legst du deine Arme um meine Taille und tue es dir gleich, gebe dir einen Kuss auf die Haare.  „Lass uns auch rausgehen“, schlägst du vor. Ich nehme deine Hand und zusammen gehen wir nach draußen. Dort begrüßt du nun auch David und während ihr euch unterhaltet und er dir wohl erklärt, was die nächsten Tage ansteht – zwar nicht viel, aber immerhin – setze ich mich zu den Jungs an einen der Tische. Hunger. „Okay, wer geht jetzt darein?“ Georg deutet auf das große Gebäude am Ende des Platzes. Ein Rastplatz, in der Nähe der französischen Grenze. Dort werden wir mit etwa zwei Stunden Verspätung ankommen, wenn Li auf der ganzen Strecke in keinen Stau kommt. „Komm, wir gehen!“, stöhnt Gustav und steht zusammen mit Georg auf. „Bringt irgendwas mit, was schmeckt!“, ruft Tom und die beiden nicken nur und Zaki folgt ihnen.  
„Hoffentlich kommt das Essen auch noch warm hier an!“, sage ich darauf nur. Wenn da viele Fans drin sind wird es das nicht tun. Plötzlich sehe ich, wie du den dreien hinterher rennst und mit ihnen in der Raststätte verschwindest. „Oh nein … hoffentlich kommen sie lebend wieder raus …“
„Jetzt sei doch nicht so pessimistisch … der Tag ist schön, Massie ist da, wir kriegen was zu Essen gebracht … und morgen ein kleineres Konzert in Frankreich … besser geht’s doch nicht!“
„Du hast vergessen, dass Li gleich kommt!“
„Nein, ich hab’s nur nicht gesagt!“, sagt es und grinst.
„Klar, wie könntest du das vergessen?!“   
„Boah Bill, was ist denn los?“ Ich weiß es nicht, was auf einmal mit mir los ist. Gerade noch war ich so gut gelaunt, und jetzt …
„Weiß nicht …“
„Du brauchst keine Angst um sie haben … was soll ihr passieren? Zaki ist da, die ganze Zeit … wir sind da … du bist da … David, alle! Es wird schon nichts passieren!“
„Ich weiß … aber-“
„Außerdem kommt Li bald, dann sind sie zu zweit, dann passiert erst recht nichts!“ Er meint das ernst und lächelt aufmunternd.
„Okay“ Ich versuche ein Lächeln, obwohl ich immer noch ein wenig misstrauisch bin.
„Ehrlich Bill!“
Ich nicke nur und wenig später kommt ihr zu viert zu uns an den Tisch. Tom sieht mich an, nach dem Motto „Siehst du!“ Ich grinse und probiere diese komischen Nudeln, die ihr für uns alle geholt habt.

 

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