By your side-by Shingel

Kapitel 51

 

*aus der Sicht von Mila*

 

Ja. Heute war dann mal der Tag. Heute würden wir zu den Twins fahren. Und ich würde Tom endlich wieder sehen … ist ja nicht so als hätten wir täglich fast 4 Stunden telefoniert oder so … hehe. Aber ich wollte endlich wieder bei ihm sein … Mein Vater brachte Lea und mich nach Magdeburg. Danach würden sie nach Spanien fliegen. Mahan, vier Stunden konnten ja sooooo … lang sein. Als wir dann endlich da waren, ich mich von meinem Vater verabschiedet hatte und ihm versprochen hatte mich mal zu melden … und wir dann vor der Tür standen, sah ich Lea an. „Endlich!“, seufzte sie und wir grinsten. Dann klingelte sie.

„Toooooooooom! Sie sind da!“, hörten wir Bill drinnen schreien.

„Ja, ach ne! He, ich mach auf!“, rief Tom zurück und wir konnten wie zwei die Treppe runterstürmen hören.

„Nee, vergiss es, ich mach auf!“

„Ganz sicher nicht, du bist viel zu langsam!“

„Wette? Ich bin eher da!“ Hm, Bill war bestimmt eher da, Tom konnte in seinen weiten Hosen so schlecht schnell laufen. Lea stieß mir in die Seite und wir mussten lachen.

Dann ging plötzlich die Tür auf und wer hatte geöffnet? Bill UND Tom! Haha. Ich wollte was sagen, doch ich befand mich in derselben Sekunde in Toms Arm und er küsste mich. Yes!! Endlich wieder … mmmmm.

Bill und Lea fielen sich nicht weniger stürmisch in die Arme.

„Hi Schatz!“, flüsterte Tom mir ins Ohr. „Bin ich froh, dass ich dich wieder hier hab!“ Jaa … und ich erst das ich wieder da war. Übers Telefon oder Internet oder Handy oder so ließ sich so schlecht küssen, umarmen, riechen wie schön Tom roch, spüren wie toll er sich anfühlte … hach ja. Ich sah ihn an, ganz tief in diese wunderschönen braunen Augen. Er zog mich mit ins Haus. „Unsere Mum und unser Stiefvater sind gerade nicht zuhause!“, sagte Bill und die beiden brachten uns und unsere Klamotten in ihre Zimmer.

Ja, da stand ich nun. In Toms Zimmer. Maaaan, war das groß, und schick. Boooh. Irgendwie, ich weiß nicht, fühlte ich mich falsch hier. Klar, es war schön, gemütlich und ich fühlte mich wohl, aber trotzdem …

„He … Mila?“

„Hm?“ Ich konnte irgendwie nicht reden. Mein Mund war so … taub.

„Was ist los?“

Mein Mund war immer noch so taub.

„Mila?!“, fragte Tom jetzt besorgt.

„Ich … ich weiß nicht!“ Tom kam auf mich zu und nahm mich sanft in Arm. Als ich seine Hände auf meiner Hüfte spürte, war es wie als würde irgendwas von mir fallen. Ich merkte, dass ich mich nicht hier falsch fühlen musste, wer weiß, wahrscheinlich würde ich öfter hier sein …

„He, meine Kleine …“ Er strich mir kurz mit dem Zeigefinger über die Wange. „Was hast du?“

„Sorry Tom. Ich weiß nicht, gerade, irgendwie …“ Ich lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Dann küsste ich ihn und schlagartig war mein Mund nicht mehr taub … hehe. Doch fast sofort löste er sich wieder von mir.

„Was ist?“ Hatte ich jetzt was falsch gemacht, oder was? Doch er lächelte nur voll lieb.

„Wie ich das vermisst hab …“ Haha. Wie geil. Und dann küsste er mich weiter …

 

KNALL … ne Stunde später flog die Tür krachend auf und wieder zu. Elea stand da, lehnte sich an die Tür, Tränen liefen über ihre Wangen, ihre Haare waren durcheinander gewuselt, sie war völlig aufgelöst und  drehte sich plötzlich in Panik um und schloss die Tür ab. Oh mein Gott, was war denn jetzt mit ihr los? … Dann sank sie heulend zusammen und saß vor der geschlossenen Tür, wie ein kleines getretenes Etwas. Ein kleines hilfloses Kind. Hilfe … die Arme. Was war nur passiert?

 

*aus der Sicht von Bill*

*kurz vorher*

 

Endlich war sie wieder da. Wir gingen in mein Zimmer, setzten uns da auf s Bett und lagen fünf Minuten später eng aneinander gekuschelt darin. Ich küsste sie, daraus würde ein langer, wunderbarer Kuss. Ich küsste sie immer weiter, meine Hand wanderte unter ihr Top. Verdammt. Ich wollte sie. Einfach nur. Die Frau machte mich verrückt. Und ich wollte sie. Jetzt. Hier. Und in dem Moment hörte ich auf zu denken und auf einmal ging alles ganz schnell. Ich begann langsam ihr Top mit Hand aus zu ziehen, während meine andere meine Hose öffnete. Plötzlich hörte ich sie irgendwas sagen. Ich verstand aber nicht was, darum begann ich, ihre Hose zu öffnen. Und auf einmal hörte ich sie schreien. „Biiiiiill! Hör auf! Neeeein! Nein! Biiill!“ O mein Gott. Doch bevor ich irgendwas machen konnte, sprang sie auf und war aus dem Zimmer gerannt. Scheiße. Und jetzt? Was hatte ich nur getan?

 

 

*aus der Sicht von Elea*

 

Nein. Ich konnte es nicht glauben. Ich hatte immer noch dieses Bild vor Augen. Bill, wie er versuchte, … ja, was eigentlich? Mir die Hose auszuziehen? Gegen meinen Willen mit mir zu schlafen? Mich zu vergewaltigen? Nein, so war er doch nicht. Total in Panik rannte ich zu Tom ins Zimmer, wo Mila und er gerade knutschend saßen, drückte mich mit dem Rücken gegen die Tür. Schloss ab, und dann konnte ich nicht mehr, sank weinend zusammen. Wieso hatte er das gemacht? Ich hatte gesagt, dass ich es nicht will, schon als er versuchte, mir mein Top auszuziehen. Er hatte nicht reagiert, erst, als ich angefangen hatte zu schreien. Ja und dann war ich auch sofort weggerannt.

 

 

*aus der Sicht von Tom*

 

Ach du Scheiße! Ich und Mila starrten Lea an, keiner bewegte sich. Ich wusste mal gar nicht so, was ich machen sollte. Was war nur los? Was zum Teufel, hatte Bill wieder gemacht?! Boh.

„Hey Lea … Kleine … was ist los?“

Ich stand auf und kniete mich neben sie. Nahm sie in Arm. Sie schluchzte.

„Bill … Bill … Bill … Bill …“ Jaaaa …?

„Was ist mit Bill?“

Sie brach so gut wie zusammen, heulte, sie sagte etwas, doch es wurde erstickt unter Tränen und Schluchzern. Ich hob sie vorsichtig hoch und legte sie auf mein Bett. Wo sie liegen blieb und weinte.

„Ich kümmer mich um sie …“, flüsterte Mila, so als hätte sie meine Gedanken gelesen. So, dann würde ich mir jetzt mal meinen kleinen Zwillingsbruder vornehmen. Ging ja nicht an, dass er Lea so fertig machte.

 

Als ich in Bills Zimmer kam, lag er auf dem Bett. Und wie. Mit offener Hose und ner Latte wie dem Eifelturm … oh man. Der hatte doch nicht? Boh Bill.

„Also … schieß los … was hast du gemacht?“, fragte ich sofort. Er sah mich an. Oh Hilfe. Der heulte ja auch. Hm.

„Nun sag schon!“, drängte ich ihn weiter.

„Ich … ich … man scheiße, ich hab versucht mit ihr zu schlafen, sie hat nein gesagt ich hab es nicht gehört … und jetzt … jetzt …“ Er brach ab, stand auf und ging aus dem Zimmer. Ich hörte, wie die Tür zum Badezimmer zu geknallt wurde. Na ganz toll, kannst du nicht einfach mal zu deiner Freundin hingehen und ihr das erklären!, dachte ich nur. Scheiße alles. Wenn die sich nicht wieder zusammen kriegten heute noch … mahan. Dann muss ich ja mit zwei Mädels in einem Zimmer pennen.

 

Ja und so kam das dann natürlich auch. Bill schloss sich in seinem Zimmer ein, als er aus dem Badezimmer wiederkam, drehte Musik auf und redete nicht mehr mit mir. Als ich versuchte ihn auf seinem Handy anzurufen, drückte er mich weg. Man. Und Elea schlief ein, als sie heulte. Mila erzählte mir, was Lea gesagt hatte. Sie wollte Bill jetzt eh nicht sehen, hatte Angst vor ihm. Na super. Und so pennten wir dann zu dritt in meinem Zimmer. Lea und Mila in meinem Bett, und ich … auf ner Matratze. Auch gut. Mum und Gordon (mein Stiefvater) kamen  zu spät nach Hause, dass Mila und Elea es noch mitkriegten …

 

Kapitel 52

 

*aus der Sicht von Tom*

 

„Toooooooom! Verdammt, jetzt wach endlich auf!“, schrie auf einmal Mila.

„Hm?“ Lass mich schlafen …

„Man verdammt, Elea is weg!“ Waaaaaaaas? Ne jetzt, oder?

„Scheiße, sicher?“

„Ja, ganz sicher!“, antwortete Mila. Ich war sofort hellwach und zog Mila mit nach unten, wo wir auf Mum und Gordon trafen.

„Morgen … Hast du ihn wach gekriegt?“ Hääääääääääää? Wie jetzt? Achso, die meinte Mila. Diese grinste.

„Ja. Ich hab es geschafft!“

„Hääääääääääää? Jetzt sag nicht, ihr habt schon miteinander geredet?“

„Doch, gerade, weil du ja nicht wach geworden bist. Wir kennen uns doch schon, aus dem Krankenhaus. Und jetzt geh dir was anziehen, wir müssen Elea suchen gehen. Und dann weck Bill!“, meinte meine Mum, als wäre das das Normalste der Welt. Mir fiel dann auch auf, das Mila schon längst umgezogen war. Man eh.

Aber immerhin stimmte ja, Mum war ja bei Mila im Krankenhaus gewesen, als sie ES verloren hatte. Unser Kind.

Und jetzt war Lea erst mal weg! Krass. Die kannte sich hier doch gar nicht aus. Scheiße.

Ich rannte nach oben, zog mir was an und stürmte zwei Minuten später in Bills Zimmer.

„Biiiiill! Steh auf!“, schrie ich. Verschlafen sah er mich an.

„Was willst du? Lass mich pennen!“, meinte er nur und drehte sich wieder um.

„Boah Bill!!! Lea ist weg!“ O man, voll auf die zwölf, er sah mich an, als hätte ich ihm gerade n kalten Eimer Wasser über ’n Kopf gekippt und ihm danach mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dann sprang er auf, packte mich bei den Schultern und rüttelte mich durch.

„Waaaaaaas?“

„Lass das sein!“, brüllte ich ihn an. Er ließ mich los und sah mich plötzlich flehend an.

„Sag mir, dass du mich verarschst. Bitte, Tom!“, flüsterte er und kämpfte mit den Tränen. O man. Ich hätte ihm so gerne gesagt, ich würde ihn verarschen. Aber ich schüttelte den Kopf.

„Kann ich nicht! Sie ist weg!“

Bill sah mich geschockt an und taumelte dann zurück auf sein Bett.

„Es ist alles vorbei! Sie wird nie wieder kommen, oder?“ Verzweifelt suchte er meinen Blick, doch ich wich ihm aus. Ich wollte ihm nicht sagen, dass ich genau das befürchtete. Nein, das durfte einfach nicht sein. Die zwei gehörten zusammen.

„Tom?“, meinte meine Mum dann plötzlich. Ich sah sie und Mila in der Tür stehen. Mila winkte mich zu sich, also ging ich, mit einem mitleidigen Blick auf Bill, zu ihr und ließ ihn mit meiner Mum alleine.

„Komm, wir gehen sie suchen!“, sagte Mila leise, ich nickte nur, nahm ihre Hand, spürte, wie sie zitterte. Sie machte sich Sorgen. Das merkte ich. Und dann gingen wir ziellos durch Magdeburg und suchten Lea.

 

 

*aus der Sicht von Bill*

„So, erzähl, was ist passiert?“ Boh, Mum. War ja mal wieder typisch.
„Ich …“ Ich konnte ihr das doch nicht sagen.
„Bill … bitte!“, meinte Mum lieb. Okay, wenn s sein muss.
„Ich hab versucht mit ihr zu schlafen, obwohl sie es nicht wollte … sie hat versucht mich aufzuhalten, aber ich hab nicht zugehört!“ O nein. Mum sah mich erschrocken an.
„Oh man …“ Mehr sagte sie nicht. Scheiße. Maaaaan. Und dann brach alles aus mir raus.
„Aber ich wollte das doch gar nicht. Ich will es nicht, wenn sie es nicht will! Ich will ihr nicht wehtun, wollte sie nicht verletzten … wollte nicht, dass sie geht. Es tut mir wahnsinnig Leid und auch total weh. Ich wollte sie doch nicht verlieren, sie bedeutete mir alles und sie ist meine große Liebe und … jetzt ist sie weg und ich hab alles versaut und sie wird nie, nie, niemals mehr wieder kommen. Und ich bin Schuld, das macht mich total fertig, ich brauche sie!“ Während ich das sagte, lösten sich die Tränen, die ich die ganze Zeit zurückgehalten hatte, aus meinen Augen und liefen in dünnen Streifen über mein Gesicht. In dem Moment wünschte ich mir mehr als alles andere, ich könnte die Zeit zurückdrehen. Verdammt, warum ging das nur nicht?
„Oh Bill, manchmal bist du echt ’n kleiner Idiot!“, sagte meine Mum liebevoll und nahm mich in Arm. Sie redete mir beruhigend zu. Irgendwann ließ sie mich wieder los.
„So Schatz, ich geh sie jetzt suchen. Kommst du mit?“ Jaaaaa … Doch mir liefen die Tränen weiter und wenn ich daran dachte, sie zu sehen. Wie sie nicht mit mir redete …
„Nein, ich kann nicht …“, krächzte ich und meine Mum nickte verständnisvoll und ging. Sie drehte sich aber noch mal um: „Bill? Mach dich bitte nicht selber fertig! Okay?“ Ich nickte, schmiss mich sobald die Tür hinter ihr zu ging auf s Bett und heulte mir die Augen aus.
Wieso war ich nur so doof? Was hatte ich nur getan? Meine große Liebe fast vergewaltigt! Scheiße.
Ich konnte nur noch an Lea denken. Egal was ich tat, meine Gedanken wanderten immer wieder zu ihr zurück. Ich musste daran denken, wie sie sich anfühlte, wie sie roch, wie sie sich bewegte, wie sie lachte, wie glücklich wir waren … wo war sie jetzt? War ihr was passiert? Oder ging es ihr gut? Würde sie mir noch ne Chance geben? Was würde aus uns werden? Würde sie mir je wieder vertrauen und zurückkommen?
All diese Fragen, und nicht eine Antwort schwirrten in meinem Kopf herum. Mit Tränen auf den Wangen und zig tausend Gedanken – alle von Lea – im Kopf schlief ich irgendwann ein …

*aus der Sicht von Elea*

Ich hatte einfach keinen Bock mehr gehabt. Hatte ’n paar Sachen zusammen gekramt und war weggelaufen. Es war einfach alles zuviel. Mit Bill.
Weinend lief ich durch die Straßen Magdeburgs, bis ich irgendwann am Bahnhof stand. Ja, und dann kam mir diese Idee … von dem Geld, das ich noch hatte kaufte ich mir ein Zugfahrticket. Nach Dorsten, nach Hause. Nach weit weg. Von Bill. Es tat so weh. Wieso nur? Jede Träne die gleiche Frage, der gleiche Schmerz …
Ich setzte mich auf den Bahnsteig und musste zwei Stunden warten. Klasse. Aber … Hauptsache weg. Ich überlegte, Mila anzurufen, beschloss aber, das von zuhause aus zu machen. Nachher holte sie mich noch zurück!

Noch eine halbe Stunde, dann ging der Zug. Ich saß weiterhin am Bahnhof und heulte mir die Augen aus.
„Elea!“, rief plötzlich jemand. NEIN! Ich bin nicht da!, dachte ich. Hääääääääääää?
Siemone kam auf mich zu gerannt. Ich glaubte zumindest, dass sie es war. Ichhatte sie ja erst einmal kurz gesehen, als sie bei Mila im Krankenhaus gewesen war. Sie hielt vor mir an.
„Elea, was machst du denn hier? Wir suchen dich überall. Wieso haust du einfach ab?“ O man. Sie klang voll besorgt.
„Ich … Bill … ich fahr nach Hause!“, flüsterte ich und zeigte ihr mein Ticket, das ich wie einen Schatz die ganze Zeit umklammerte. Fragend sah sie mich an.
„Nein, du kannst nicht einfach gehen!“, meinte sie und setzte sich neben mich.
„Doch!“, gab ich nur trotzig zurück. In dem Moment fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das sich nach seiner Mama sehnt.
„He, Lea … du kannst doch nicht einfach abhauen! Bill wollte das nicht!“ Schlagartig sah ich sie an.
„Hat er gesagt?“, wollte ich wissen.
Sie nickte und legte mir den Arm um.
„Kleine … Er hat gesagt, dass es ihm voll Leid tut, er will dich nicht verlieren und du bedeutest ihm alles!“
Ich? Ihm? Echt? Und wieso tat er mir dann so weh?
„Er wollte das nicht!“, sagte Siemone, als könne sie Gedanken lesen. Vorsichtig wischte sie mir die Tränen aus dem Gesicht.
„Komm wieder mit! Vielleicht kannst du mit ihm reden?! Aber abhauen ist auch keine Lösung!“ Sie war so lieb. Ich nickte.
„Okay.“
Zusammen gingen wir zu ihrem Auto. Als wir losfuhren flüsterte ich: „Danke!“ Vielleicht gab es ja doch noch ne Chance?!
„Siemone?“
„Hm?“
„Wie hast du mich gefunden?“ Sie grinste. „Ich war auch mal klein und verzweifelt! Da wollte ich auch einfach nur weg!“
Ach so. Na dann.

 

 Kapitel 53

*aus der Sicht von Mila*

Auf einmal klingelte mein Handy.
„Ja, Hallo?“
„Mila …?“ ELEA!!!!
„Hey …wo bist du … wir suchen dich schon überall!“
„Ist das Lea?“, fragte Tom auch sofort und ich nickte.
„Ich bin wieder zuhause. Siemone sagt, ihr sollt auch wieder kommen!“ Hääääääääääää?
Ja klar, ne! Und wir suchen die in ganz Magdeburg!!
„Ja wir kommen! Bis gleich!“ Dann legte ich auf.
„Und, wo ist sie?“, fragte Tom.
„Zuhause!“
„Wie jetzt?“ Maaaan.
„Ja, bei euch, wir sollen auch kommen!“

Als wir bei Kaulitz zu Hause ankamen, saß Lea auf Toms Bett und starrte vor sich hin. Ich ging erst mal hin und fiel ihr um Hals. „Boh, Lea! Mach so was nie wieder. Ich hab mir voll Sorgen gemacht!“
„Ich wollte nach Hause fahren!“, sagte sie leise. Waaaaaaas? „Ich hatte schon n Ticket gekauft!“
„Wieso?“ Tom setzte sich auch zu ihr.
„Bill!“
„Aber Maus, du brauchst doch wegen so was nicht abzuhauen“, entgegnete Tom verwirrt. Ja, der wusste halt nicht, dass frau so was halt machte …
„Es ist doch sowieso aus!“ O man. Sie fing an zu weinen. Sie tat mir so Leid.
„Ich komm sofort wieder!“, meinte sie, wischte sich vergebens ihre Tränen weg und ging aus dem Zimmer.


*aus der Sicht von Elea*

„Bill?“, flüsterte ich, als ich das Zimmer betrat. Erschrocken drehte er sich um und sah mich an. Sein Blick tat weh. Aber trotzdem versank ich für einen Moment in seinen wunderschönen Augen.
„Lea!“ Er kam auf mich zu. Ich hätte ihn am liebsten umarmt, wusste aber, dass das nich geht. Ich konnte nicht. Da war dieser Widerspruch in mir. Etwas, dass sagte “Ja“ und gleichzeitig auch sagte „Nein“.
„Ich … es macht dir doch nichts aus, wenn ich heute Nacht bei Tom im Zimmer auf der Matratze schlafe, oder?“ O shit. Es macht ihm was aus? Er sah mich total ausdruckslos an.
„Ja … nein, kein Problem“, sagte er, aber seine Stimme klang heiser und enttäuscht. Wenn er es nicht wollte, sollte er es sagen. Jetzt. Das war seine letzte Chance … demonstrativ sah ich ihn an. Er sah verwirrt zurück. Kopfschüttelnd und maßlos enttäuscht ging ich tu Mila und Tom. Die verstanden total, dass ich alleine sein wollte, und verlagerten ihre Knutschereien ins Wohnzimmer. Und sie waren auch wahnsinnig verständnisvoll, und bereit, mich mit ihnen im Zimmer pennen zu lassen.

Abends gingen wir dann alle sechs noch in so n Club, Bill hatte ja immerhin mit Tom, Mila, Gustav oder Georg keinen Zoff.
War ganz lustig. Wir tanzten, alberten rum, sogar Bill und ich redeten miteinander, aber nicht viel.
„Hey, Lea? Kommst du mit zum Klo?“, fragte Mila mich dann irgendwann, als es schon ziemlich spät war und wir gingen zum diesen komischen Klos.


*aus der Sicht von Tom*

Auf einmal lief n Mädel an uns vorbei … hässlich, unsexy, fett und sonst auch nicht sehr ansprechend.
„Sie schaut ja wohl mal geil aus, oder?“ Mila sah mich blitzartig geschockt an.
„Soll ich gehen?“, fragt sie traurig und mit komischem Unterton. Neeein, nicht gehen Kleine. War doch nur ein Witz! War ironisch gemeint.
„Wieso?“
„Ph … wenn die so viel geiler ist als ich!!“ Scheiße.
„Mila? Das meinst du doch nicht ernst? Dass die geiler aussieht als du, oder?“
„Hast du doch grade gesagt!“
„Stimmt doch gar nicht, die Frau ist hässlich!“
„Ach ja? Und was bin ich dann, wenn die toller ist?“ Maaaan.
„Schau dich doch mal an! Wie geil du aussiehst! Es gibt kein Mädel auf der Welt, das hübscher ist als du! Und gegen die Komische da, ist ja selber Maren Luxus!“ Mila grinste und ich küsste sie kurz, doch sie löste sich. „Ich geh mal kurz zum Klo, ne?!“ Und sie und Lea verschwanden in Richtung Klos.
Jetzt, wo die Mädels weg waren ging ich zu Bill.
„So, jetzt sag mal, was ist jetzt mit dir und Lea?“ Er sah mich leicht genervt an, zögerte.
„Nichts, weil ich es versaut hab!“, entgegnete er dann. Hm. Scheiße.
„Würdest du denn mit ihr schlafen, wenn sie es auch wollte?“ Er zögerte noch mehr.
„Manchmal. Manchmal ja, manchmal nein … wieso?“
„Hm, wenn ich du wär würd ich s machen!“ O Shit. Ich glaub, dass hätte ich nicht sagen sollen.
„Na, dass lass mal Mila nicht hören!“, meinte er nüchtern.
„Was?“ O nein! Bill, halt bloß deine Klappe … doch er checkte glaub ich gar nicht, dass das Mila war und sagte erst mal: „ Der will mit Lea ins Bett!“ FUCK, boh Bill!!!

 

Kapitel 54

*aus der Sicht von Mila*

Tom? Mit Lea? Nein, das reichte! Es war echt zu viel. Erst grad das Mädel und … jetzt Lea oder was? Ich rannte. Einfach raus. Ganz weit weg.
Draußen war alles dunkel und ich hatte längst keinen blassen Schimmer wo ich war. Ich lief einfach. In irgendeine Richtung. Hauptsache weg.
Ich rannte eine ganze Ewigkeit. Solange, bis ich keine Luft mehr hatte. Ich hielt an, meine Seiten stachen, mein Herz hämmerte wie verrückt und mein Gesicht brannte wie Feuer. Und auf einmal wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr wusste, wo ich war … es gab kaum Licht. Und Menschen … nur drei so Obdachlose, doch meine Hoffnung, die könnten mir helfen, zerbrach, als der eine auf mich zukam, und mit seinem Alkoholatem meinte: „Na Süße … Lust auf ne Nummer?“ Von Panik ergriffen rannte ich weiter. Toooom! Ich brauch dich! Hilf mir!, schrie mein Kopf. Warum war er nur nicht da? Ich lief und achtete nicht mehr auf den Weg, oder darauf, dass ich nicht mehr konnte, dass meine Lungen fast explodierten.
Erst, als ich über irgendwas stolperte und der Länger nach auf den Boden knallte, blieb ich liegen und fing verzweifelt an zu heulen …


*aus der Sicht von Tom*

Mila rannte raus, ich blieb sitzen. „Boh, danke Bill, echt klasse gemacht!“, schrie ich.
„Ich … sorry, konnte ja nicht wissen …“
„Ach lass stecken, schon gut!“ Dann rannte ich los. Mila hinterher. Ich sah sie zwar nicht, aber ich lief irgendwo lang, und wusste, dass ich richtig war. Alles zog mich nur zu ihr hin. Es war gruselig, ehrlich. Und irgendwann sah ich sie. Auf dem Boden liegend. Auf den Zugschienen …!!!!!!!!! Nein … nein … nein … nein … lass sie leben, bitte, bitte lass sie leben!, flehte ich. Sie durfte nicht tot sein, wenn der Zug sie erwischt hatte, wenn sie tot war … ich würde auf den nächsten Zug warten, mein Leben wäre sinnlos!!
Ich rannte zu ihr hin kniete mich neben sie. Ich hatte Angst. Einfach nur Angst. Ich sah, dass sie lebte. Sah sie atmen, hörte sie weinen. Trotzdem fiel mir ein Stern von Herzen. Ich sah sie an, als ich sie in meinen Armen hielt.
„Was willst du?“, flüsterte sie schwach und ließ ihre Tränen laufen.
„Ich hab dich gesucht!“ Bitte glaub mir.
„Wieso?“ Das fragst du noch?
„Weil … ich hatte Angst dass dir was passiert!“
„Und wieso? Geh doch zu Elea, geh zu meiner besten Freundin und versuch sie ins Bett zu kriegen!“, schrie sie plötzlich und riss sich aus meinen Armen. Verdammt.
„Ich will nicht mit ihr ins Bett!“, schrie ich zurück.
„Und wieso sagst du dann so was?“
„Ich hab gesagt, wenn ich an Bills Stelle wär!“
„Siehst du!“ Wir schrieen uns an.
„Verdammt, du musst mir glauben! Ich will nicht mit Lea ins Bett … und ich hab gedacht du wärst tot als du auf den Schienen lagst!“ Geschockt sah sie mich an, während ich mit den Tränen kämpfte.
„Aber wenn du mir nicht glaubst, kann ich ja gehen!“ Ich wartete auf ihre Reaktion. Und im selben Moment, in dem sich die Tränen aus meinen Augen lösten, begann es zu regnen! Wie in nem Hollywood Film.
„Nein, geh nicht!“, sagte sie und hielt mich am Arm fest, als ich mich zum Gehen umdrehte.
„Wieso? Wenn ich dir egal bin!“ Sie sah mich an. Ihr Blick durchbohrte mich, ich konnte nicht wegsehen! Ich sah ihr tief in die Augen, sah die Tränen die über ihre Wangen liefen und wartete auf irgendein Wunder. Meine Augen brannten vor Tränen.
„Tom … ich … du bist mir nicht egal! Ich … verdammt, ich liebe dich doch!“ Wow!
„Mila …“ Sollte ich ihr das jetzt sagen? Scheiß drauf, jetzt war es eh egal. Sollte sie es wissen, irgendwann musste sie es ja. Erwartungsvoll sah sie mich an. Ich zögerte noch und brauchte scheinbar zu lange, denn sie meinte enttäuscht: „Vielleicht ist es doch besser, wenn du gehst!“ NEIN! Warte halt!
„Mila –“
„Geh einfach!“, schrie sie jetzt und wollte sich wegdrehen, doch ich hielt sie am Arm fest. Ihr Arm war kalt und nass vom Regen und in unseren Gesichtern vermischten sich die Tränen mit dem Regen. Ich konnte sie nicht lange festhalten, sie riss sich los.
„Geh! Jetzt geh! Es ist alles gesagt. Geh einfach!“, rief sie flehend. Dann drehte sie sich um und lief zurück auf die Schienen, drehte sich noch einmal um und rief erneut verzweifelt: „Geh! Verschwinde!“ Sie blieb auf den Schienen stehen und mir wurde klar, was sie vorhatte … und noch bevor ich die Lichter und den Lärm des heranfahrenden Zuges wahrnahm, hörte ich Mila schreien, als sie ihr Gesicht dem Zug entgegen wandte …

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