By your side-by Shingel
Kapitel 31
*aus der Sicht von Elea*

Wir saßen im Esssaal beim Mittagessen und lachten so über einen Joke von Gustav, dass wir kaum essen und trinken konnten. Vor allem Bill kriegte sich nicht mehr ein und verschluckte sich nun schon zum dritten Mal, diesmal an seiner Cola. Ich klopfte ihm, ebenfalls immer noch lachend, auf den Rücken. Als er sich fast ausgehustet hatte, machte Gustav unabsichtlich (wie immer) schon wieder irgendeinen Mist und Bill wusste nicht mehr ob er husten oder lachen sollte, so schien es jedenfalls. Na ja er machte dann irgendwie so ’ne Mischung aus Lachen und Husten was aussah als gehöre er in die Klapse. Auch Mila hielt sich den Bauch, ich konnte auch kaum noch vor Lachen, Bill und Georg wischten sich schon wieder die Lachtränen weg (vergebens) und Tom fiel auf einmal vom Stuhl. Wir hielten kurz inne und sahen ihn an, er sah verwirrt und mit ganz großen Augen zu uns hoch, dann prusteten wir wieder los, diesmal auch Gustav, und Tom versuchte sich wieder auf den Stuhl zu setzen, was er aber wegen seinem Lachanfall erst nach ein paar Minuten schaffte.
Als Bill und ich in Milas und mein Zimmer gingen, lachten wir immer noch. Wahrscheinlich aber nicht mehr über Gustavs Witze, eher so des Lachkrampfs wegen. Schließlich hatte ich mich beruhigt, doch Bill kriegte sich nicht mehr ein. Wir lagen nebeneinander auf meinem Bett und ich beobachtete ihn grinsend dabei, wie er gaaaaanz, gaanz, ganz langsam ruhig wurde. Dann atmete er einmal tief durch und sah mich etwas erschöpft an. „Bist du jetzt fertig?“, fragte ich. Er grinste und nickte. „Schön.“, sagte ich und rückte näher an ihn. Unsere Lippen berührten sich gerade ganz leicht, als er anfing zu kichern. Das passierte die nächsten zwei Male auch. Ich sah ihn „böse“ an und setzte mich auf ihn. Er tat als würde er nahe dran sein zusammen zu brechen. „Boh, bist du aber schwer!“, meinte er gespielt ächzend. Ich sah ihn nur an. Wir waren wieder kurz vorm Kuss - und er lachte wieder. „Bill!“
„Ja?“
„So kann man nicht küssen!“
„Lea?“
„Ja!?“
„Ich kann nicht so gut lachen wenn du auf mir sitzt!“ Also rutschte ich vor bis auf seinen Bauch. „Oh Lea, nicht!“, krächzte er. Doch er versuchte trotzdem zu lachen, aber das ging wohl nicht. Ich sah ihn immer noch „sauer“ an. Er grinste frech, doch ich tat beleidigt und legte mich aufs Bett, mit dem Rücken zu ihm und ein ganzes Stück von ihm weg. Eine Weile geschah nichts, doch dann fragte er: „Hey Süße?“
„Was?“, gab ich patzig zurück.
„Bist du jetzt sauer?“, fragte er vorsichtig.
„Ja!“ Das stimmte natürlich nicht, aber ich tat ja auch nur beleidigt.
„Oh, achso, hm.“, machte er nur, mehr nicht. Toll! Doch da rückte er ganz dicht an mich ran und legte einen Arm um meine Hüft- und Bauchgegend. Er lag so nah neben mir, dass ich plötzlich sein Kinn auf meiner Schulter spürte. Er streichelte zärtlich-sanft meinen Bauch (mit der Hand unter meinem T-Shirt natürlich) und küsste zwei, dreimal sanft meinen Hals. Es war schön, doch ich wunderte mich, dass er das schon so früh tat, immerhin waren wir erst drei Tage zusammen. Bei meinen bisherigen Freunden hatte es auch immer mindestens zwei Tage bis zum ersten Kuss gedauert. Okay, Bill war auch schon 16, und außerdem sowieso anders als alle anderen. Aber das war ja auch gut so. Ich drehte mich zu ihm um. Wohl etwas zu schnell und plötzlich, denn er zog sofort seinen Arm zurück. „Nicht gut?“, fragte er traurig. „Doch!“, sagte ich lächelnd und legte seine Hand (mit den total ordentlich und sauber schwarz lackierten Fingernägeln *voll toll*) wieder zurück auf meinen Bauch. Er sah mich zärtlich an und streichelte weiter. Wir kuschelten und küssten uns (normal) eine Zeit lang, und ich fragte mich zwischendurch, wieso ich erst einmal ganz kurz mit Zunge geküsst hatte (5 Sekunden oder so), während z.B. Mila schon zweimal Sex gehabt hatte.
Aber ich wurde von Bill abgelenkt, der mit der Zeit immer mehr auf mir lag. Schließlich lag er ganz auf mir. Er sah mich lieb, verliebt an und strich mir vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht. Ich lächelte ihn ebenfalls verliebt an. „Du bist so schön!“, sagte er dann leise und strich mir eine andere Strähne hinters Ohr. Ehe ich etwas erwidern konnte, spürte ich seine Lippen auf meinen. Jaaa, schön. Plötzlich stieß etwas sanft an meine Zähne. Seine Zunge! Ich öffnete leicht den Mund, und wenig später befand sich seine Zunge darin. Ich erlebte meinen ersten richtigen Zungenkuss!! Sein Zungenpiercing kitzelte etwas, aber schön. Ich gewöhnte mich daran.
Keine Ahnung wie lange wir da so knutschend auf meinem Bett lagen und einfach die Nähe und Zärtlichkeit des anderen genossen. Jedenfalls standen auf einmal Mila und Tom in der Tür, verzogen sich aber sofort wieder, und wir machten da weiter wo wir aufgehört hatten.

Kapitel 32
*aus der Sicht von Tom*

Mila! Ja endlich! Den ganzen Samstagmorgen hatten mich irgendwelche Dinge davon abgehalten, mit ihr zusammen zu sein. Ich hatte sie gestern Abend um 11 Uhr oder so das letzte Mal gesehen. Geküsst. Im Arm gehalten. Man, ich war voll auf Entzug!
„Hey Mila meine Süße!“ Ich nahm sie in Arm, hielt sie ganz fest und dann küssten wir uns kurz. „Hi mein Schatzi!“, meinte sie und lächelte mich voll sweet an. Hach ja.
Dann nahm ich sie an die Hand und ging mit ihr, Bill und Elea nach unten in die Caféteria. Mit dem Mittagessen was es gab setzten wir uns an einen Tisch zu Georg und Gustav. Mila saß aber erst nur vor ihrem Teller und aß nichts, während sich alle anderen voll schaufelten. „He Kleine, was ist los? Warum isst du’n nicht?“, fragte ich sie.
„Hm. Ich hab heute Nacht einmal gekotzt und vor zwei Stunden schon wieder, keine Ahnung, eigentlich geht’s mir voll gut…“ Oh … nicht gut!
„Versuch’s doch mal!“, meinte Elea. Und dann aß sie auch. Ein Glück. Zwar nicht viel, aber etwas.
Als wir fertig waren - außer mir, denn ich war der einzige der noch Nachtisch aß - und nur noch rumsaßen und redeten meinte Mila auf einmal: „Boah, scheiße ist mir schlecht, ich könnte so kotzen!“ Oh scheiße … aber sie hatte ja kaum was gegessen!
„Moah, und ich hab volle Unterleibschmerzen. Man eh!“, meinte Elea auch, worauf Bill sie sich auf den Schoß setzte und seine Hand auf ihren … ja, unteren Bauchteil sag ich mal … legte und mit dem Daumen sanft darüber strich. Sie schmiegte sich an ihn, er küsste sie auf die Stirn, sie lächelten sich kurz an und Lea schloss die Augen. Bill legte den anderen Arm um sie, damit sie nicht von seinem Schoß rutschte. Ja … „Nee … ich hätte meine Tage ja schon vor ’ner Woche haben sollen, aber irgendwie is nix!“, sagte sie dann. Plötzlich klingelte es bei mir Alarm und vor Schreck ließ ich mein Besteck fallen und sah Mila entsetzt an. Sie war doch nicht …? Nein! Das konnte nicht sein!! Mila sah mich fragend an. „Ehm …
Mila …?“, begann ich. „Ich glaube, wir sollten mal kurz was bereden ...!“ Dann stand ich auf, zog sie an der Hand mit mir. Gegen ihre Proteste. Trotz der Verwirrung der anderen.
Ich zog sie bis in mein Zimmer, sah sie dann an. Sie sah zurück, nicht wütend oder beleidigt, sondern fragen und verwirrt. „Tom? Warum bist du so komisch? Was müssen wir bereden?“, wollte sie wissen. „Ja … also …“ Mist, wie fragt man so was?
„Hm?“
„Ja … also ich mein … erst kotzt du, dir ist schlecht, du willst nichts essen …“
„Ja und? Vielleicht werd ich krank?“, meinte sie.
„Und du hast deine Tage nicht gekriegt.“ Wieso verstand sie denn nicht was ich meinte?
„Was willst du sagen, Tom?“ Oha, langsam schien sie zu begreifen.
„Dass … du … vielleicht schwanger bist?“ Oh man, jetzt wo ich das gesagt hatte, wurde mir bewusst, was das bedeuten würde! „Schwanger? Ne! Wohl kaum …“, meinte sie aber nur.
„Wieso?“
„Ja, nur weil ich meine Tage mal nicht krieg. In meinem Alter passiert das nun mal!“, wehrte sie ab.
„Ja, und … das … ist alles nur Zufall oder was? Wir haben nicht verhütet, Mila! Du kriegst deine Tage nicht, du musst kotzen … verdammt, wir haben miteinander geschlafen und es kann doch jetzt sein …“ Ich machte mir echt Sorgen. Was, wenn es stimmte?
„Tom, ich weiß wohl dass wir miteinander geschlafen haben und nicht verhütet haben, aber du glaubst doch wohl nicht ehrlich, dass ich schwanger bin!“ Sie sah mich zweifelnd an.
„Dann lass wenigstens mal ’n Test machen!“, meinte ich.
„Nee … wieso denn?“, erwiderte sie.
„Damit wir wissen was los ist.“
„Aber ich bin nicht schwanger!“, beharrte sie.
„Bitte Mila … tu’s für mich!“ Immerhin wär’s mein Kind … oh man!
Sie überlegte kurz. „Okay …“, begann sie. „Aber ich tu das nur für dich!“ Gut, dann würden wir es ja sehen … oh man! Ich machte mir echt Sorgen. Ich wollte nicht mit 16 schon Vater werden! Später - und auf jeden Fall, da war ich mir echt sicher - Vater von Milas Kindern. Nur von ihren. Und so wie sie im Bett war, von mir aus auch viele. Aber doch noch nicht mit 16! Das war zu früh. „Danke Mila!“, sagte ich und nahm sie in Arm, sie streichelte mir beruhigend über den Rücken. Und dann küssten wir uns. Lange. Zärtlich. Hach ja.

*aus der Sicht von Elea*

Mila kam total verwirrt wieder. Als ich sie fragte, was Tom wollte, meinte sie: „Ich soll ’n Test machen!“ Hääää? Was ist los? Was denn für ein Test? Doch nicht etwa …?
„Erzähl!“, meinte ich und dann erzählte sie. Dass sie und Tom in der 2. Nacht nicht verhütet hatten. Dass Tom sich jetzt Sorgen machte, weil Mila kotzte und ihre Regel nicht bekam.
„Aber, kann doch sein!“, sagte ich vorsichtig.
Vorwurfsvoll sah sie mich an. „Nein!“
Doch, kann es Mila, du willst es nur nicht!, dachte ich, sagte aber nichts. Auch Bill war der Meinung, als ich es ihm Sonntag erzählte. Schon schlimm.
„Tom macht sich voll die Sorgen. Außerdem wäre er ja schuld!“, meinte Bill.
„Nein … Mila hat es ja gewollt!“, erklärte ich.
„Hm.“ Sprachs und fing an mich zu küssen …

*aus der Sicht von Bill*

Montag. Nachmittag. Mila vielleicht schwanger. Ja klasse …
Jetzt saßen wir bei den Mädels im Zimmer. Tom und Mila auf ihrem und Elea und ich auf Eleas Bett. Der Test lag auf dem Tisch zwischen uns. Tom sah Mila unentwegt an. So nach dem Motto „Mach endlich“.
Die Stille war kaum auszuhalten. Plötzlich stand Elea auf, nahm den Test und zog Mila vom Bett. „Jetzt los. Machen wir den Test. Irgendwann müssen wir es rausfinden!“ Und sofort zog sie die sprachlose Mila mit ins Bad.

„Sie darf nicht schwanger sein!“, meinte Tom leise, als sich die Tür zum Bad geschlossen hatte. „Ich … ich …“ Seine Stimme versagte. Er vergrub sein Gesicht in seinen Armen und bewegte sich nicht mehr.
Fünf Minuten später fragte er: „Wie lange brauchen die denn? Können die das nicht schneller!?“ Oh, Junge! Was meinte der denn, wie oft die 2 das schon gemacht hatten??
Irgendwann, für Tom wohl ’ne Ewigkeit später, ging dann langsam die Tür von Bad auf …

*aus der Sicht von Elea*

Wir machten den Test. Als wir damit endlich fertig waren, hielt Mila ihn fest. Samt Packung. Sie zitterte, war aufgeregt. Und ehrlich gesagt war ich es auch. Wir warteten lange. Unendlich lang. Mila starrte vor sich hin. Nicht auf den Test. Und schwieg.
„Guck mal nach!“, meinte ich. Sie sah auf den Test. Auf die Bedeutung auf der Packung. Test. Packung. Test. Packung. Immer wieder. Sie wurde blass und zitterte noch mehr. Ihre Augen zeigten Verzweiflung und Hilflosigkeit. War sie …?
„Lea … ich bin schwanger!“, brachte sie dann mühsam und heiser hervor. Ließ die Packung fallen. Und dann den Test. Er fiel wie in Zeitlupe. Mila war schwanger. Ich hob den Test auf. Tatsache! Mila war schwanger. Scheiße. Mila ließ sich aufs Klo fallen und meinte mit Tränen in den Augen: „Wie soll ich denen das nur erklären?“ Wem? Achso. Tom. Bill. Ihren Eltern. Ach du scheiße!
„Ich kann da nicht raus. Ich kann’s ihm nicht sagen!“, flüsterte sie dann. Ich nahm sie in Arm. Tröstete sie.
Irgendwann - zehn Minuten später, nachdem sie wieder einigermaßen beruhigt war - gingen wir dann doch raus. Ich vor. Mila hinterher.

*aus der Sicht von Bill*

Scheiße. Man sah es ihnen an. Sie war wirklich schwanger. Mila sah - verständlich - total fertig aus. Sie sah Tom verzweifelt an. „Tom …“, meinte sie und hielt ihm den Test hin. „Er ist positiv. Ich bin schwanger.“ Dann liefen ihr die Tränen die Wangen runter und Elea nahm sie in Arm. Mila schluchzte verzweifelt. Ich sah Tom an. Oh man. Der saß da total fassungslos. Fertig. Verzweifelt. Hilflos. Seine Lippen formten nur ein Wort. „Nein“ Dann sprang er auf und stürmte aus dem Zimmer. Mila heulte nur noch mehr. Ich half Elea sie zu beruhigen und wir legten sie ins Bett. Sie heulte die ganze Zeit. Vor Verzweiflung. Schwanger mit 13!! Mila heulte sich in den Schlaf, obwohl ’s so früh war. Aber sie war halt voll fertig.

Dann ging ich zu Tom. Ich wusste, dass er bei uns war. Als ich vor der Tür stand hörte ich ihn reden. Hääääääääääää?

*aus der Sicht von Tom*

Mila. Ich hatte Mila geschwängert. Das war mein einziger Gedanke. Und ich kam nicht damit klar. Also … rief ich meine Mum an. Die wusste immer was.
„Ja. Hallo?“
„Hi … hier is’ Tom.“ Erst jetzt, wo ich kaum reden konnte, merkte ich, dass ich heulte. Ich hatte Mila geschwängert.
„Was gibt’s denn?“, fragte sie.
Ja … also Mum … pass auf. Ich hab mit meiner 13-jährigen Freundin ’ne richtig heiße Nacht gehabt und jetzt ist sie schwanger!, dachte ich. Scheißeeee!
„Ich … ich …“ Ich war völlig fertig. Noch nie in meinem Leben war ich so verzweifelt gewesen.
„Tom … ganz ruhig. Was ist passiert?“, meinte meine Mum besorgt, aber trotzdem beruhigend.
„Ich … Mum, ist das schlimm wenn man mit 16 mit seiner 13-jährigen Freundin schläft?“, fragte ich vorsichtig. Plötzlich fiel mir das Jugendschutzgesetz ein. Besagte das nicht dass man keinen Sex haben durfte wenn der Partner unter 14 war und man selber nicht? Oder so ähnlich? Scheiße!!
„Ähm … also solange sie es auch wollte … nein, wieso?“, wollte sie wissen. Glück gehabt. Na ja wie man’s nahm. „Weil ich mit Mila …“ Sie wusste auch so Bescheid. Ich wischte mit mit’m Schweißband die Tränen aus’m Gesicht. Schluchzte auf. „Nun sag mal, wieso weinst du denn jetzt? Hat sie Schluss gemacht?“, fragte Mum. Ich zögerte. Weinte. Wusste nicht mehr weiter. „Nein … Mum … Mila ist jetzt schwanger!“ Schweigen am anderen Ende. Totenstille. Das einzige was ich hörte, war mein Schluchzen.
„Mum …?“, versuchte ich es vorsichtig.
„TOM!“, rief sie. Scheiße. Ich … maaaan!
„Mum, ich wollte das ja nicht!“
„Ich weiß“, sagte sie schon wieder ruhiger. „Hör zu … wenn du damit nicht klar kommst-“
„Ich bin 16! Mila ist 13! Was soll ich denn machen?“, rief ich hilflos.
„Ja, kannst du nicht verhüten? Oder ist euch das Teil gerissen oder-“
„Nein … wir haben nicht verhütet“, erklärte ich kleinlaut.
„Wieso denn auch nicht?“
„Ich … es kam alles so plötzlich … weil wir haben uns vorher getrennt gehabt und … dann hatten wir uns halt wieder vertragen und dann kam das halt so … ich hab mich … so auf sie konzentriert und …“
„Okay … Jetzt ist’s eh zu spät.“
„Ich komm damit nicht klar, Mum! Ich … will nicht jetzt schon Vater werden!“
Das alles war echt zu viel. Mila. Schwanger. Und ich war der Vater. Nein. Das konnte alles nicht sein. Durfte nicht. Ich merkte, wie meine Mum irgendwas sagte. Hörte es aber nicht. Hörte immer Milas Stimme. „Tom … er ist positiv. Ich bin schwanger.“ Immer wieder. Ich wusste dass es ihr auch total scheiße ging. Aber ich konnte jetzt nicht zu ihr.

*aus der Sicht von Bill*

Dann war Schweigen im Zimmer. Also ging ich rein … Da saß Tom auf dem Fensterbrett am offenen Fenster. Weinte. Er war total aufgelöst. Es machte ihn total fertig. Aber mal so richtig. Heftig. Und er telefonierte?! Wieso redete er dann nicht?
Als er mich sah schluchzte er auch nur auf. Stand dann plötzlich vom Fenster auf. Er schmiss das Telefon auf’s Bett und rannte aus dem Zimmer. Er konnte nicht mehr!
Ich nahm das Telefon in die Hand. „Toooom?!“, schrie mir meine Mum ins Ohr.
„Hey Mum, hier ist Bill!“
„Hi Bill, Tom ist zu fertig, der kann nicht mehr! Er heult, ist verzweifelt … Ich hoffe ihr schafft das alle zusammen, oder?“ Sie klang echt besorgt. Na ja verständlich.
„Klar Mum!“
„Okay!“ Wir verabschiedeten uns voneinander und legten auf. Ich dachte nach. Armer Tom! Arme Mila! Die beiden waren so schrecklich fertig. Wenn Mila schwanger bleiben würde … oh man. Ich hatte keine Ahnung wie das hier alles enden sollte. Gab es überhaupt einen Ausweg? Und würde Tom Mila helfen? Würden sie damit klarkommen? So viele Fragen … es schien aussichtslos!!! Aber das durfte es nicht sein. Nicht bei Tom und Mila. Das würde alles kaputt machen! Oder uns alle nur noch mehr zusammenschweißen … ich wusste es nicht. Nix. Nada. Null. Es war echt zum Verzweifeln!!
Kapitel 33
*aus der Sicht von Elea*

Ich klopfte an die Tür vom Zimmer von den Twins, ich erhielt allerdings keine Antwort. Also öffnete ich die Tür, trat ins Zimmer und schloss die Tür hinter mir. Bill saß an seinem Schreibtisch und hatte den Kopf auf die Hände gestützt. Er bemerkte mich überhaupt nicht, sondern starrte auf sein Heft, das vor ihm lag. „Scheiße!“, fluchte er leise und schloss die Augen. Ich schlich mich hinter ihn und er bemerkte mich auch nicht als er den Kopf wieder hob. Ah, er paukte Mathe. Hehe. Ich legte ihm die Hände auf die Schultern. „Ah!“, schrie er erschrocken auf. Ich musste lachen. „Lea!“, rief er. „Bist du verrückt?!“
„Moah Bill halt’s Maul!“, hörte ich Tom grummeln. Ich sah mich um und entdeckte ihn auf seinem Bett, wo er sich gerade sein Kopfkissen auf den Kopf packte. Ich setzte mich auf Bills Schoß und sah ihn fragend an. Er seufzte und zuckte mit den Schultern. „Er kommt immer noch nicht so ganz damit klar!“, flüsterte er und seufzte noch mal. „Er hat vorhin zu Hause angerufen und unserer Mum alles erzählt. Als ich reinkam hat er mich angeguckt, den Hörer weggeschmissen und ist raus gerannt. Mum meinte er hätte total geheult und wäre tierisch verzweifelt. Und als er dann wiederkam und ich mit ihm geredet hab, hat er auch kaum was gesagt und … ja.“
„Mhm“, machte ich und nickte.
„Und Mila?“, flüsterte Bill.
„Die ist auch total fertig!“, flüsterte ich. „Ich mein, erstmal ist sie erst dreizehn und mit so einer Reaktion von Tom hat sie auch nicht gerechnet, und dass sie schwanger ist schon gar nicht!“ Er nickte seufzend. Ich sah zu Tom, der seelenruhig schlief. Voll sweet.
„Ehey!“, raunte Bill und drehte mit seinem Zeigefinger vorsichtig meinen Kopf zu sich. „Ist Tom jetzt interessanter als ich? Und dann auch noch schlafend?“ Ich grinste und küsste ihn kurz. „Nee nee nee!“, meinte er daraufhin und zog mich an den Schultern zu sich zurück. „Freches Kind eh!“, kicherte ich, da küsste er mich auch schon wieder. Mhmm lecker …
Plötzlich klingelte mein Handy. Erschrocken zog ich es aus meiner Hosentasche und las die SMS.

Hey Elea!
Na wie geht’s dir da
so aufm Internat?
gibt’s da süße Typen?
Felix will wieder/noch
was von dir!!
hdgdl, Anna

Felix? Von dem hatte ich mich schon vor 5 Monaten getrennt. Na ja. Ich legte das Handy weg und ließ mich erneut auf Bills Küsse ein.
„Lea?“ Ich löste mich von Bill, der das gar nicht so toll fand, und sah Tom überrascht an. Er lag auf dem Rücken auf dem Bett, auf die Ellenbogen gestützt und sah mich an. „Hm?“, machte ich. „Hat Mila noch was gesagt?“, fragte er kleinlaut. Ich stand - gegen Bills Willen - auf und setzte mich auf Toms Bett. „Weißt du“, sagte ich, „Ich glaub am meisten Angst hat sie, es ihrer Mutter zu sagen, weil die weiß nur dass es dich gibt und ihr befreundet seid, mehr nicht.“
„Auch nicht dass wir zusammen sind?“, hakte Tom nach. Ich schüttelte den Kopf. „Und dann erklär mal deiner Mutter, dass dein Freund 16 ist und du von ihm schwanger bist!“, meinte ich. Tom biss sich auf die Unterlippe. „Sie hat Angst, dass ich sie sitzen lasse, oder?“ Ich nickte und er seufzte gequält. „Ich kann das nicht. Ich kann sie nicht sitzen lassen, aber ich kann die Verantwortung nicht übernehmen, ich pack das nicht, ich … ich will nicht dass sie schwanger ist!“ Er schluckte und ihm rollte eine Träne über die Wange. Nur eine einzige, aber ich konnte mir schon vorstellen, wie sehr ihn das mitnahm.
*aus der Sicht von Bill*

Nachdem Tom eine Weile in Eleas Armen gelegen hatte, stand er seufzend auf, hauchte ihr dankbar einen Kuss auf die Wange und schlenderte aus dem Zimmer. „Ich komm sofort wieder!“, meinte Elea und verschwand ebenfalls. Na toll. Liebe Mathematik, können wir nicht doch Freunde werden? Scheiß Arbeit, eh! Und ich musste ’ne 2 schreiben, mindestens, um meine 5 auszugleichen.
Ich war gerade dabei eine Aufgabe zu verstehen, als ein Handy klingelte. Man. Konnte man nicht mal in Ruhe lernen? Eleas Handy! Sollte ich drangehen? ,Felix’ blinkte da auf dem Display. Ja, ich musste. Um zu wissen wer dieser Felix war und was er wollte. Ich klappte das Handy auf und er meinte sofort „Hey Süße!“ Hääääää? Ach so, ja, er hielt mich ja für Lea. Hehe. „Ähm, kennen wir uns?“, fragte ich. Schweigen. Hehe.
„Ähm, wer bist du? ’n Kumpel von Elea oder so?“
„Ja, das auch.“ Wenn der wüsste …
„Wie jetzt?“
„Joa.“
„Wenn du mir die jetzt ausgespannt hast, ne …“
„Dann?“
„Das wirst du dann schon sehen!“
„Na dann denk dir mal schön was aus. Sie kommt eh nicht zu dir.“ Wer auch immer du bist und was auch immer du willst und in was auch immer für einer Beziehung du zu Lea stehst!
„Hat sie dir von mir erzählt?“
„Nö.“
„Ja, ich könnte dir ja jetzt erzählen was bei uns alles abging, aber ich kenn dich ja nicht.“ Wie jetzt? „Weißt du Elea ist so ’n schönes Mädchen.“
„Das brauchst du mir nicht sagen, das weiß ich.“ Hatte der ’ne Peilung eh.
„Ja, auf jeden Fall kann sie’s nicht ernst mit dir meinen, weil sie nämlich seit ’nem halben Jahr mit mir zusammen ist!“ Was??? Das konnte nicht sein. Ich stand auf und ging Elea suchen. „Wie alt bist’n du überhaupt?“, wollte Felix wissen.
„Älter als du!“, gab ich zurück.
„Und wie alt?“
„Wie alt bist du denn?“
„Dreizehn!“
„Ha, ich bin sechzehn!“ Schweigen am anderen Ende.
„Hattest du schon?“, fragte er dann. Wow, nur nicht zu dreist eh.
„Das geht gerade dich was an!“
„Suchst du sie jetzt vielleicht endlich mal, ich will schließlich wenigstens mit ihr reden wenn ich sie schon nicht sehen kann!“
„Was glaubst du was ich gerade tu!“
„Ist ja gut ey reg dich ab!“
„Jaha, reg du dich doch ab!“ Meine Lea. Check das endlich! Man.
„Was kann ich denn dafür dass sie dich betrügt? Na ja. Wenn sie in den Ferien nach hause kommt, ist sie eh wieder nur für mich da!“ Nein, nein, nein! NEIN! Elea gehörte mir! Nicht ihm. Sie war meine Freundin! Meine.
Da kam sie mir entgegen, lächelte. Ich knallte ihr ihr Handy in die Hand, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte mich an die Wand. Sie sah mich verwundert an. „Ja?“, sprach sie dann ins Handy. „Hi … Bill? … Ja, sind wir … bin ich gar nicht! … Felix hör auf mit dem Scheiß!“ Dann klappte sie ihr Handy zusammen, steckte es in die Hosentasche und stellte sich vor mich. „Was ist los?“ Ich sah sie nur an. Wenn sie mich echt betrogen hatte … mein Gott! Ich wäre … keine Ahnung. Ich würde mich doch vom Dach stürzen. Sie seufzte. „Er hat dir Scheiße erzählt, Bill, ich bin nicht mehr mit Felix zusammen, schon lange nicht mehr!“ Aha.
„Bill, wirklich, ich würde dich niemals betrügen, ich könnte das nicht, ehrlich!“
„Heißt das du würdest es, wenn du könntest?“, sagte ich und im selben Moment tat es mir Leid. Sie sah mich traurig an. „Schön, dass du mir so vertraust!“
„Ja was würdest du denn denken wenn dich auf einmal ’ne Ex von mir anruft und sagt ich würde dich betrügen und wär schon voll lange mit ihr zusammen?“ Scheiße Bill, hör auf zu schreien! Sie biss sich auf die Lippen. „Aber es stimmt doch gar nicht!“, schrie sie dann auch. Mist verdammter! „Verdammte Scheiße, ich weiß!“, rief ich und schlug die Wand. Man, eigentlich hatte ich das nur denken wollen! Sie sah mich verzweifelt an. „Und warum sagst du dann so was? Wieso willst du mir dann nicht glauben?“ Sie war den Tränen nahe und ich auch. Ich hatte auf einmal total Angst sie zu verlieren, meine Lea. Meine. „Tut mir Leid!“, entschuldigte ich mich - in normalem Tonfall - und meinte es ernst. Sie sah mich nur an. Ich streckte ihr meine Arme entgegen, sie kam zögernd ganz nah und ich nahm sie in Arm. Sie mich wenig später auch. Es war schön und tat gut sie einfach ganz fest im Arm zu halten und sonst nichts zu tun. Doch dann musste ich ihr etwas sagen. „Weißt du, du bist so ein tolles Mädchen, ich fühl mich zum ersten Mal bei meiner Freundin richtig gut und wohl und sicher und du bist mir so wichtig, ich will dich einfach auf keinen Fall verlieren, egal was passiert, weil ich bin mir echt total ganz, ganz sicher dass ich dich wirklich und richtig liebe und … Lea, bitte, du musst mir das glauben!“ Sie ließ mich los und sah mich lächelnd, aber mit Tränen in den Augen an. Ich sah sie fragend an. Sie küsste mich. Richtig. Wir standen auf dem Flur und knutschten heiß rum. Doch auf einmal löste sie sich von mir und sah mich lieb an. „Ich glaube“, sagte sie, „Wir sollten das nicht hier machen, sonst sind wir gleich tot!“ Ich bemerkte nun auch die eifersüchtigen Blicke, die uns zugeworfen wurden, sowohl von Mädchen als auch von Jungs. Ich grinste. War das cool. Dann rannte ich weg, Richtung Zimmer von mir und Tom. „Hey!“, rief Lea mir lachend hinterher und holte mich fast ein. Eigentlich hasste ich ja Sport, aber heute, jetzt, rannte ich noch schneller. Wir hetzten an Mitschülern, Getränkeautomaten, und Lehrern vorbei, Treppen hoch, runter, hoch, in den Keller, um den Billardtisch rum, ich schnappte einem Mädchen aus meiner Klasse die Dose RedBull, die sie gerade aufmachen wollte, mit einem „Danke!“ aus der Hand und rannte weiter. „Boah, Bill du Arsch!“, schrie sie mir hinterher, hach, war mir das egal. Zwei Treppen höher blieb ich erschöpft stehen. Ich grinste Elea an, die keuchend unter mir in der Eingangshalle stand und sich die Seite hielt. Ich öffnete vorsichtig mein RedBull und trank genüsslich einen großen Schluck. „Bill du bist fies!“, quengelte Lea.
„Tja, komm her dann kriegst du auch was!“
„Nein, dann rennst du wieder weg!“ Ohhh, armes Ding.
„Nein, ich bleib hier!“, grinste ich.
„Echt?“
„Ganz echt?“ Maan. „Jetzt komm schon, Kleines!“ Oje jetzt fing ich auch noch mit so Kosenamen an. So wie Tom.
„Okay“, meinte Lea und kam die Treppe hoch. Lea. Meine Lea … kleiner Stern ... boh!
„Hier mein kleiner Stern!“ Ich hielt ihr die Dose hin. Sie lächelte und trank einen Schluck.
„So ’n Scheiß!“, meinte sie dann.
„Was denn?“, fragte ich.
„Mmm mir fällt grad kein Name für dich ein!“
„Nenn mich Bill und bezeichne mich als deinen Freund, das reicht schon!“
„Mmm mal sehen … Was grinst du denn so?“ Ahh, ich bin glücklich! Was sonst?! Ich umfasste ihre Taille und zog sie sanft zu mir uns als sie mich jetzt küsste, kribbelte alles. War das geil! Wir stolperten rumknutschend die paar Meter zu meinem Zimmer, sie schloss die Tür hinter uns und ich schloss ab. Ich wollte mit ihr alleine sein. Einfach nur wir zwei. Elea und ich. Ich wollte nicht mit ihr schlafen, nein, so weit war ich noch nicht. Das konnte ich nicht, das wollte ich nicht, nicht nach so kurzer Zeit. Ich war nicht Tom. Ich merkte wie Elea fiel und mich mit nach unten zog. Uaaah!!
„Ah!“, schrieen wir zeitgleich.
„Boh Bill, beiß mir nicht gleich meine Zunge ab!“, meinte sie.
„Ja, pass lieber auf, dass du mein Piercing nicht bald inner Zunge hast!“ Wir lachten. Als wir uns wieder beruhigt hatten, sahen wir uns tief in die Augen. Sie zog mich am T-Shirt wieder zu sich runter und wir machten da weiter, wo wir eben aufgehört hatten. Irgendwann spürte ich ihre Hände unter meinem T-Shirt und auf meinem Rücken wandern, streicheln. Schön. Ich ging vorsichtig mit meiner Hand unter ihr Shirt und ließ sie erstmal auf ihrem warmen Bauch liegen und wartete auf Eleas Reaktion. Sie hielt ganz kurz inne, küsste dann aber weiter. Ich begann langsam und zärtlich über ihren Bauch zu streicheln. So wie sie meinen Rücken. Sie fühlte sich gut an, schön. Weiter hoch traute ich mich noch nicht. So weit war ich noch nicht und Lea bestimmt auch nicht. Aber es war auch so schön. Ich war seit langem mal wieder richtig glücklich.

Kapitel 34
*aus der Sicht von Tom*

Ich stand vor Milas Zimmertür und hörte sie drinnen reden, aber nicht was. Ich atmete tief durch und öffnete die Tür. Mila stand am Fenster und telefonierte. Sie weinte, war völlig aufgelöst.
„Mama wie kannst du so was sagen? Du kennst ihn doch gar nicht! Außerdem wollte ich es auch!“ Na toll, sie redeten über mich. Ich setzte mich auf Milas Bett.
„Mama … nein … ja … nein …“ Ich stand auf und nahm ihr den Hörer vorsichtig aus der Hand. Ihre Mum laberte irgendwas von „so unverantwortlich“ und „warum muss du dir ’n Freund suchen, der drei Jahre älter ist als du?“ und so was.

*aus der Sicht von Mila*

„Hallo, hier ist Tom!“ Oh nein! Er wollte doch jetzt nicht echt mit meiner Mum diskutieren!
„Tom, lass es!“, flüsterte ich, doch er sah mich nur an, er biss sich verzweifelt auf die Unterlippe. „Nein … so war das gar nicht …“ Ich nahm seine Hand. Er sah mich ganz komisch an. „Ja … doch tu ich … ganz ehrlich, und das weiß sie auch … ja hab ich …“ Er drückte meine Hand. Plötzlich ließ der Druck nach und ich spürte wie er sich langsam entspannte. Was war denn jetzt los? „Zum Arzt? Zum Frauenarzt! Ja … ja mach ich … mhm … ja klar … ähm, nee … ja so irgendwie … okay … ja, tschüss!“ Er hielt mir den Hörer hin.
„Ja?“, sprach ich ins Telefon.
„Hey Schatz, es tut mir leid, dass ich so reagiert hab und ich bin froh dass du so einen netten und verständnisvollen Freund hast, aber ich muss jetzt los, deine Schwester von Reiten abholen, okay?“
„Okay Mum. Ciao!“
„Ciao!“ Ich sah Tom erleichtert an und legte auf.
„Und?“, fragte ich.
„Sie hasst mich nicht!“, meinte er. Ich musste lachen.
„Spinner!“, meinte ich.
„Ich weiß!“, sagte er grinsend. „Mila?“
„Ja?“
„Darf ich mal fühlen?“ Schüchtern. Kleinlaut. Tom. Maan, dass er so sein konnte. Ich lächelte. Er war so süß. Sah mich ganz lieb an, mit seinen braunen Augen, die so mega schön waren. Wie der ganze Tom, der vor mir stand. „Klar, ist doch auch dein Kind!“ Daraufhin schluckte er und sah mich komisch an. Dann tastete er aber vorsichtig meinen Bauch ab. „Hm“, meinte er dann und zuckte mit den Schultern. „Alles wie immer.“ Spinner!
„Das ist ja auch noch soooo klein!“ Ich zeigte ihm mit den Fingern ein paar Millimeter.
„Hm“, meinte er nachdenklich.
„Was ist denn los?“, fragte ich. Er zuckte mit den Schultern und ließ sich auf mein Bett fallen. Da lag er, starrte nachdenklich die Decke an und ich spürte, dass er immer noch nicht damit klarkam, Vater zu werden. Ich setzte mich neben ihn und wickelte mir eine seiner langen Dreads um den Finger. „Sag mal, was würdest du sagen, wenn ich abtreiben lassen würde?“ Er sah mich an. Sah wieder zur Decke. Sagte nichts. „Deine Mum will, dass du so schnell wie möglich zum Frauenarzt gehst!“, sagte er dann. Aha. Oha. Ich? Zum Frauenarzt? Ich würde Elea mitnehmen. „Ich hab ihr gesagt dass ich mitkomme“, fügte er hinzu. Ich würde Elea nicht mitnehmen. Tom würde mitkommen. Das war noch besser. Er sah mich erwartungsvoll an. „Also, wenn du nichts dagegen hast.“, sagte er dann leise. Ich konnte nicht anders, ich streichelte ihm sanft über die Wange. „Du willst es nicht, stimmt’s?“, fragte ich ihn vorsichtig. Sein Gesichtsausdruck wurde fragend. „Dass ich schwanger bin … dass du Vater wirst … dass dann alles anders ist …“ Er seufzte und sah wieder zur Decke. Ich legte mich neben ihn und er kuschelte sich an mich. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, Schule, Freunde, Familie, wegen dieser großen Verantwortung, die ich dann übernehmen muss, weil ich kann und will dich ja nicht sitzen lassen und …“ Er verstummte. „Und ohne richtigen Vater aufzuwachsen will ich dem Ding auch nicht antun; ich weiß wie das ist, und -“
„Wie jetzt?“ Er wusste wie das war? Woher denn?
„Als Bill und ich sechs waren, haben sich unsere Eltern getrennt und dann kam Gordon, unser Stiefvater. Wir haben Glück gehabt mit ihm. Aber es ist trotzdem nicht das Tollste mit zwei Vätern.“ Man. Davon hatte ich gar nichts gewusst! „Mila, egal was du tust, ob du das … Ding da drin“, er zeigte auf meinen Bauch, „behältst oder nicht, ich bleib bei dir und unterstütze dich!“ Hammer!
„Danke!“, sagte ich lächelnd. Er lächelte schüchtern zurück.
„Und morgen früh gehen wir zum Frauenarzt, okay?“ Sprachs und küsste ohne eine Antwort abzuwarten. Er war so toll!!!

Kapitel 35
*aus der Sicht von Elea*

„Maan!“, meinte Bill beleidigt. Hääääääääääää? „Wir sehen uns bald zwei Wochen nicht!“, erklärte er.
„Dann“, meinte ich und tippte ihm auf die Brust, „müssen wir uns eben besuchen!“
„Mmm, fragt sich nur, ob meine Mum so – “ Er brach den Satz ab und sah mich an. „Sag mal Kleine, wo wohnst du überhaupt?“ Ich prustete los und er musste auch lachen. „Auaaa, ahh!“, meinte er dann lachend.
„Was denn?“ Ich musste immer noch lachen.
„Hör auf zu lachen, wenn du auf mir liegst, das tut weh im Bauch!“, beschwerte er sich. Ich lachte wieder.
„So!“, meinte er gespielt ernst. „Runter!“ Ich sah ihn an. Grinste. Er versuchte böse zu gucken. Ich musste lachen.
„Runter!“, rief er. Nein. Ich blieb liegen. Da drehte er sich irgendwie und ich fiel von seinem Bauch und aufs Bett und von da aus auf den Boden. Bill sah mich verdutzt an und diesmal war er es, der loslachte. Ich setzte mich auf Toms Bett, verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihm beim Lachen zu. Nach ein paar Sekunden hatte er sich allerdings wieder beruhigt und meinte: „Also, wo wohnst du jetzt?“
„Zuhause!“, gab ich zurück.
„Och, Lea, das war doch nicht böse gemeint, komm halt wieder her!“, meinte er bittend. Also stand ich auf und stellte mich vor sein Bett. Er zog mich am Arm zu sich runter. Wir lagen kuschelnd nebeneinander und ich war so froh, dass er da war.
„So, jetzt sag wo du wohnst.“
„In Dorsten“, antwortete ich. Er sah mich überrascht an. „Das gehört zu Recklinghausen und ist eine Stunde von hier entfernt.“
„Aha!“, meinte er.
„Und du?“
„Magdeburg.“
„Waaas? Das ist ja um die vier Stunden von uns entfernt!“ Lag Magdeburg nicht in Sachsen-Anhalt? Daher also Toms leicht sächsischer Dialekt.
„Na toll!“, meinte Bill, „Dann wird das nix mit besuchen!“ Ich überlegte. Könnten wir nicht…?
„Und wenn ihr die ersten paar Tage mit zu uns kommt und wir die letzten paar zu euch?“
„Jaa, das wär geil!“, meinte Bill und küsste mich, daraus wurde ein langer, leidenschaftlicher Kuss.
*wenig später*
*aus der Sicht von Elea*

Bill saß auf seinem Bett und telefonierte mit einem Kumpel von zuhause. Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange und ging aus dem Zimmer. Als ich die Tür zum Zimmer von Mila und mir öffnete, sah ich sie und Tom auf ihrem Bett liegen. Wie süß die zwei da lagen, eng aneinander gekuschelt, sie hatte ihren Arm um seinen Oberkörper gelegt, er hielt sie im Arm, streichelte sanft über ihren Bauch und hatte sein Gesicht irgendwie in ihren Haaren vergraben. Voll sweet. Also schloss ich die Tür wieder. Das heißt, ich wollte sie schließen, aber als ich sie fast zu hatte, hörte ich Tom rufen. „Kannst ruhig reinkommen!“ Also ging ich wieder ins Zimmer, schloss die Tür hinter mir und setzte mich auf einen der beiden Stühle die um den kleinen runden Tisch herum standen.
„Was gibt’s?“, fragte Mila.
„Also, Bill und ich sind auf die Idee gekommen, dass ihr die ersten paar Tage in den Ferien mit zu uns kommt und wir die letzten paar Tage zu euch nach Magdeburg!“ Die beiden sahen erst sich und dann mich an.
„Bin ich für!“, meinte Mila und Tom nickte eifrig. Bill kam ins Zimmer und hielt Tom sein Handy hin. „Ja?“, sprach dieser in das Handy. „Hi …“ Sein Gesicht bekam einen komischen Ausdruck. „… ich dachte die hast du … nein … macht nichts … ja …“ Dann diktierte er seine Handynummer und verabschiedete sich und legte auf. Er warf Bill sein Handy zu, dieser grinste seinen Bruder an.
„Hör auf zu grinsen!“, meinte Tom. „Wenn die mich jetzt ständig anruft, kann sie was erleben!“ Ohh, hatte der ’ne Laune.
„Wer war s denn?“, fragte ich.
„Ne Ex!“, antwortete er.
„Aha, und was ist daran so schlimm?“ Der hatte Probleme!
„Ach!“, rief er aufgebracht, stürmte aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Mila sah uns unsicher an.
„Es war die Ex!“, erklärte Bill.
„Wie jetzt?“, fragte Mila. Bill seufzte.
„Er war über ein Jahr mit ihr zusammen und dann haben sie sich getrennt, weil sie wieder auf ne normale Schule gegangen ist. Aber er ist lange nicht über sie hinweggekommen und wollte keine feste Freundin mehr, er hat sich nur ab und zu mit Flirts abgelenkt. Aber er irgendwann hat er sie vergessen. Und dann kamst du, seine große Liebe. Das hat er mir selbst gesagt, und ich weiß, dass er das ernst meint.“ Mila lächelte. „Und jetzt ruft sie an und will mit ihm reden!“, fügte Bill hinzu. Dann stürmte auch er aus dem Zimmer und diesmal blieb die Tür offen.
„Bill!“, rief ich ihm hinterher, doch ich bekam keine Antwort.

Kapitel 36
*aus der Sicht von Mila*

Er meinte das ehrlich ernst und holte mich am nächsten Morgen ab. Ich war immer noch total fertig, aber schon froh, dass Tom mich nicht sitzen lassen würde.
Eigentlich hatten wir ja Unterricht, aber das war uns jetzt wichtiger. Ich mein immerhin, … egal.
„Hi Mila, meine Kleine“, begrüßte Tom mich leise und nahm mich in Arm. Drückte mich ganz fest an sich. Ich fragte mich, ob er noch geweint hatte, wenn, dann sah man es ihm zumindest nicht an.
„Hey Süßer“, sagte ich genauso leise. Ich hatte Angst dahin zu gehen. Zu sagen „Guten Tag ich bin 13 und schwanger!“ Ich konnte das nicht. Aber Tom war ja da. Dann gingen wir nach unten in die Eingangshalle. Tom legte mir sanft den Arm um die Schulter und ich legte meinen um seinen Rücken. Meine Hand zitterte. Scheiße verdammt. Als er mich jetzt leicht an sich zog, wusste ich aber, dass er mich genauso sehr brauchte wie ich ihn.
Kurz darauf standen wir vor der Tür zur Arztpraxis. Ich sah Tom an. Tom sah mich an und lächelte lieb. Er musste noch aufgeregter sein, als ich es war, so als Mann in einer Frauenarztpraxis! Dass er sich das traute, fand ich stark und war ihm voll dankbar dafür. Ich atmete tief durch und öffnete die Tür. Das Wartezimmer war voll von älteren Frauen. Kein Mann. Armer Tom!

*aus der Sicht von Tom*

Oha! Frauen. Nur Frauen. So 50 – 70 Jahre. Sie sahen mich und Mila erstaunt, komisch und fragend an. Oh man!
Ich legte Mila schnell wieder den Arm um und hielt sie ganz fest. Wenn ich sie hier verlieren würde. Nicht, dass das hier so groß war, aber … nicht so ganz mein Gebiet. Lass mich bloß nicht allein, mein Schatzi!, schrie ich in Gedanken.
„Guten Tag, was kann ich für Sie … für dich tun?“, fragte die Frau am Empfang. Sie sah mich skeptisch an.
„Wir hätten gern ein Gespräch und so … ehm … es ist wichtig“, stotterte Mila. Ich hielt mittlerweile nur noch ihre Hand und drückte sie leicht.
„Ja, geht in Ordnung, aber ihr müsst leider ein wenig warten, bis wir euch irgendwo dazwischen schieben können!“, meinte die Frau und Mila zog mich an der Hand mit ins Wartezimmer. Dort setzten wir uns auf einen Stuhl. Sie auf meinem Schoß und lehnten die Köpfe aneinander. Wir ignorierten die Blicke der Frauen und warteten. Wie wir der Ärztin das erklären wollten, wusste keiner von uns.
Ne halbe Ewigkeit später … so nach 20 Minuten wurden wir dann aufgerufen. Ne, eigentlich nur Mila, aber ich gehörte ja dazu!
Mila blieb noch ’n Moment reglos sitzen. Sah schon wieder verzweifelt aus.
„Hey Maus …“, flüsterte ich und küsste sie kurz auf die Wange, als die Frau schon zum zweiten Mal nach Mila rief. Sie stand dann auch auf, nahm meine Hand und wir gingen zu ihr hin. Die Frau sah mich fragend an.
„Sind Sie der Vater?“, fragte sie zögernd. Eeeehm … ja… gewissermaßen … kann man so sagen…! Aber irgendwie meinte sie das glaub ich anders. Ob ich Milas Vater wär.
„Er ist mein Freund. Er muss mit“, meinte Mila und drückte sanft meine Hand. Die Frau sah mich zwar verwundert an, brachte uns aber dann in einen Raum voller komischer Dinge. Das einzige Gerät, das ich außer einem Computer noch kannte, war so ‘n Ultraschallgerät. Im Internat gab’s auch so eines … Wir mussten uns setzen und warten. Boah, man eh. War ich nervös.
Kurz darauf kam die Ärztin … he ne, Moment mal. Das war ja n Arzt!!! Ne jetzt, oder? Der sollte es sich ja nicht wagen, Mila anzufassen. Meine Mila. Das durfte nur ich. Niemand sonst!
„Hallo Mila!“, sagte er. Sie. Es?! Hm, dieser Mensch sprach wie ne Frau und sah aus wie n Mann. Aber was es war, ließ sich nicht definieren. Ich tippte dann mal auf Frau. Weil irgendwie. Keine Ahnung.
„Und du bist …?“, fragte sie mich. Ich wurde rot.
„Ehm … Tom Kaulitz … Milas Freund“, brachte ich mühsam heraus. War das peinlich. Sie setzte sich uns gegenüber und sah uns fragend an.
„Also Kinder, wieso seid ihr hier? Bettprobleme?!“, meinte sie.
Boah! Nur nicht zu dreist. Was ging die denn das an? Wir hatten ja wohl keine. Mila war ja schon schwanger.
„Wir … also … ja … nein … ehm … was ich sagen will …“, versuchte Mila es zu erklären.
„Du kannst es ruhig sagen, Kind. Niemand bestraft euch für irgendwas.“ Na, da war ich mir aber nicht so sicher. Ich griff nach Milas Hand, spürte, wie sie zitterte. Boh, irgendwie war mir schlecht. Jetzt saß ich hier, mit meiner schwangeren Freundin beim Frauenarzt. Das machte das alles nur noch wirklicher. Es war echt verrückt.
„Oh Man! Herr Fischer, ich … ich …“ Waaas? Doch n Mann! Boah, Kerl. Lass bloß die Hände von Mila. Geht ja gar nicht.
Fragend sah er Mila an. Ich sah die ebenfalls an. Scheiße. Sie saß da, so hilflos und wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Sie ist schwanger!“, hörte ich mich plötzlich sagen.
Mila sah mich erstaunt an und blickte dann in das Gesicht von dem Arzt. Der war erstmal sprachlos.
„Und du bist …“, meinte er, als er seine Stimme wieder gefunden hatte. Der Vater? Ja, man! Siehste, Bettprobleme haben wir nicht!, dachte ich nur ironisch.
„Der Vater, ja …“ Ich merkte, wie ich wieder rot wurde. Mila drückte meine Hand. Ah, so ging’s schon besser.
„Hm!“, machte der Arzt und stand auf. „Dann werden wir der jungen Dame jetzt Blut abnehmen und dann machen wir noch n Ultraschall und dann müsstest du noch mal mit deinen Eltern wiederkommen. Aber jetzt erst mal das Blut.“ Er hatte Mila das Blut schnell abgenommen. Und getestet war es auch schnell. Er sah auf die Ergebnisse und sah uns mitfühlend an.
„Du bist wirklich schwanger“, meinte er zu Mila. Nein … jetzt war es also wirklich. Ich mein, man hat ja nach dem Test immer noch gehofft, der hätte sich geirrt, aber jetzt.
„Gut, dann sehen wir uns jetzt mal das Ganze genauer an!“, meinte er dann schnell. Mila stand auf, zog ihre Jacke aus. Ich sah sie an. Das fand ich toll. Sie zog ihre Top auch aus und stand jetzt im BH da … oh, muss das sein, hier war grad noch jemand dabei, sich zu melden. Nicht hier, Junge, bleib locker.
Dann setzte sie sich neben dieses Gerät und ich musste überlegen … wollte ich das überhaupt sehen? Den kleinen Tom, oder halt die kleine Mila?
NEIN!!!

*aus der Sicht von Mila*

Als der Arzt begann mit dem Ultraschall, tastete ich nach Toms Hand. Zerquetschte sie fast. Spürte, wie er sie auch feste drückte. Ich sah Tom an. Versuchte zu lächeln. Dann sah ich auf diesen Bildschirm. Hääääääääääää? Da war ja gar nichts!!
Ich sah wieder zu Tom. Hääääääääääää? Er hatte den Kopf weggedreht, sein Gesicht war verzerrt, die Augen zu.
„Aber, man sieht ja gar nichts!“, meinte ich, doch im selben Moment hatte ich einen ganz anderen Gedanken. In dem Moment merkte ich, wusste ich, dass ich das nicht wollte. Das Kind. Toms Kind. Mein Kind. Ich wollte es nicht. Ich wollte es einfach nicht. Und ich würde abtreiben. Ganz egal, ich würde es tun.

*aus der Sicht von Tom*

Man sah nichts? Wirklich? Dann konnte ich ja hinsehen. Ich öffnete die Augen und linste auf den Bildschirm. Und scheiße verdammt, ich konnte nicht wegsehen. Man sah nämlich wohl was, und, egal wie wenig ich das wollte, und wie sehr mich das fertig machte, es war faszinierend. Und es war ein Teil von mir.
„Schau mal näher hin, da ist wohl etwas!“, meinte der Typ zu Mila.
„Oh …“, machte diese leise und starrte genau wie ich auf den Bildschirm. Dann nahm der Arzt das Ding von Milas Bauch. Mila sah mich an, ich starrte immer noch auf den Bildschirm. Konnte mich einfach nicht davon losreißen. Mila zog mich aber dann davon weg und wir setzten uns schweigend wieder hin. Sahen den Arzt fragend an.
„Wisst ihr denn alles darüber, also wie so eine Abtreibung abläuft, oder soll ich euch das noch genau erklären?“, fragte der Arzt.
Mila und ich sahen uns an und meinten dann beide gleichzeitig: „Erklären!“ Der Arzt lächelte und fing an zu erklären.
Nachdem wir das Gespräch hinter uns hatten und nun bestens informiert waren machte Mila einen Termin aus, wann sie mit ihren Eltern wieder kommen würde.
„Okay, das hätten wir dann, wie ist das mit einem Termin für die Abtreibung? Willst du schon einen machen?“, fragte er dann. Ja … bitte …
„Ja … eigentlich schon!“, sagte Mila auch sofort. „Ab wann? Ich will am besten so früh wie möglich!“
Der Arzt nannte ihr ein paar Termine und sie suchte sich einen aus. Der Tag würde wahrscheinlich wieder alles ändern. Was freute ich mich schon auf den Tag. Echt.
Der Arzt verschrieb Mila noch Tabletten, gegen Übelkeit oder so. Und ließ uns dann endlich wieder gehen. Durch die Blicke, der vielen Frauen. Uaaah. Ich wollte da exakt noch einmal hin. Zur Abtreibung. Obwohl, die war ja im Krankenhaus. Ach, dann wollte ich da doch nicht noch mal hin. Weil nächstes Mal ging Mila ja mit ihren Eltern. Ach was, ich ging mit!

Kapitel 37
*aus der Sicht von Tom*

„So ihr zwei! Dann bin ich mal gespannt auf eure Erklärung!“ Mila und ich saßen im Rektorat. An einem Tisch gegenüber von unserer Direktorin. Frau Kröger sah uns streng und abwartend an. Als wir jedoch nichts sagten, meinte sie ganz nett: „Kinder, ihr könnt ruhig sagen warum ihr die Schule geschwänzt habt, ich werd euch schon nicht den Kopf abreißen!“ Ja da wär ich mir ja jetzt nicht so sicher. „Wieso nicht, Tom?“, wollte sie wissen. Was? Oh nein ich hab doch jetzt nicht etwa laut gedacht? „Wir waren beim Arzt!“, meinte Mila dann ganz direkt. „Aha!“, sagte die Kröger interessiert. „Und bei … welchem Arzt? Und warum? Und wieso ihr beide?“ Okay, jetzt hatte sie uns.
„Weil … ich nicht alleine gehen wollte und …“
„Da musste ausgerechnet Tom mit?“, hakte Frau Kröger nach.
„Jaa …“, meinte Mila zögernd. Unsere Direktorin sah uns ernst an.
„Okay“, meinte sie. „Ihr sagt mir jetzt sofort was los ist!“
„Alsooo …“ Ich konnte das doch jetzt nicht sagen!! Mila drückte meine Hand.
„Wir waren beim Frauenarzt weil ich schwanger bin und-“
„Ich der Vater bin!“, beendete ich Milas Satz. Frau Kröger sah uns an.
„Wie bitte?“, fragte sie dann. Oh nein! Jetzt gab’s gleich was … „Ihr habt ein Kind gezeugt?!“, rief sie. Nicht so laut!!! Wir nickten nur. „Seid ihr eigentlich noch ganz bei Trost!? Was denkt ihr euch dabei! Könnt ihr nicht wenigstens verhüten wenn ihr’s schon so weit treibt!?“ Nicht so laut verdammt! Warum schrie die denn so? Sollten doch nicht alle mitkriegen. „Klärt das mit euren Eltern und seht bitte zu was ihr mit dem Kind macht!“
„Abtreiben!“, sagte Mila auch sofort.
„Das ist mir egal. Auf jeden Fall will ich hier kein kleines Kind auf dem Internat haben! Klar?!“ Wir nickten nur. „Gut. Dann könnt ihr jetzt gehen! Und für das Schwänzen könnt ihr euch morgen bei euren Klassenlehrern passende Arbeiten abholen!“ Wir nickten nur wieder.
Als wir das Zimmer verließen traf uns aber sofort der nächste Schock. Da stand Maren vor der Tür und grinste uns fies an. Nein!! Sie hatte das doch jetzt nicht alles mitbekommen? „Schon scheiße wenn’s schief geht, was?“, meinte sie schadenfroh und ging dann weg. Als sie nicht mehr zu sehen war schmiss sich Mila in meine Arme und weinte. Hemmungslos. „Hey Maus …“ Ich versuchte sie so gut wie es ging zu trösten und zu beruhigen. Schließlich gingen wir hoch in mein Zimmer.

*aus der Sicht von Bill*

Tom und Mila wollten oft alleine sein. Nachdem der Arztbesuch vor zwei Tagen ergeben hatte, das Mila wirklich schwanger war und die letzte Hoffnung, der Test hätte nicht gestimmt, weg war, gingen sie häufig allen anderen aus dem Weg, was ja wohl auch verständlich war. Mila hatte sogar ein Bild von dem Ultraschall mit, auf dem man ganz schwache Umrisse eines Lebewesens erkennen konnte. Die zwei saßen Arm in Arm in ihren Zimmern und brauchten wohl die Nähe des jeweils anderen. Vielleicht, vielleicht weil es ihnen half, mit dieser Gewissheit etwas besser umzugehen, dass in Mila gerade, in jedem Augenblick, jeder Sekunde ihr und Toms Kind lebte. Und zu wissen, nicht alleine zu sein, was Milas größte Angst war. Ich glaubte, wenn Tom sie jetzt sitzen lassen würde, würde sie sonst was anstellen …
Als ich die Tür zu Toms und meinem Zimmer öffnete, um mir ne Lederjacke zu holen, um damit mit Elea noch in die Stadt zu gehen, lagen Mila und Tom wieder auf seinem Bett und kuschelten. Mila lag in seinem Arm, seine Hand lag auf ihrem Bauch, unter ihrem Top und sie hatte die Arme auf seiner Brust. Sie hatten beide die Augen geschlossen, schliefen aber nicht. Mila hatte bemerkt, dass ich reinkam und sah mich an. Traurig. Oh man! Ich schüttelte nur den Kopf und sie schloss die Augen wieder, kuschelte sich enger an Tom und sagte nichts.
Ich öffnete gerade den Schrank, als Tom aufseufzte und sein Gesicht in meine Richtung drehte. Ich erschrak, als ich sah, dass Tom Tränen die Wangen runterliefen. Ich hatte ihn zwar schon oft weinen sehen, auch als er so in Mila verknallt war, und es nicht auf die Reihe gekriegt hatte, aber ich erschrak trotzdem. Vielleicht, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Ich weiß nicht. Aber eigentlich wunderte es mich nicht.
Ich griff mir schnell in den Schrank, zog ne Jacke raus und eilte leise aus dem Zimmer. Das war ne Sache, in der ich Tom nicht helfen konnte. Zum ersten Mal in meinem Leben. Heftig.

*aus der Sicht von Mila*

Auf einmal spürte ich, wie etwas Nasses auf meinen Arm tropfte. Tom weinte. Ich setzte mich auf und sah ihn an, doch er wich meinem Blick aus. Man Tom! Er lag da, mit den Tränen auf den Wangen, so lieb und so hilflos.
„Tom, ich …“ Ich versuchte vergebens, ihm in die Augen zu sehen. Vorsichtig drehte ich sein Gesicht zu mir. Er wehrte sich jetzt nicht mehr, sah mir in die Augen. Der Schwall seiner Tränen wurde schneller. Scheiße!
„Tom, mir fällt’s doch auch nicht leicht! Was meinst du, wie sehr mir das weh tut? Wie sehr mich das mitnimmt? Immerhin muss ich es im Gegensatz zu dir, in mir tragen, du könntest einfach gehen! Ich kann es doch nicht ändern, auch wenn ich es so sehr will …“ Ich spürte die Tränen auf meinen Wangen erst gar nicht. Ich merkte nur, wie Tom mich in den Arm nahm und ganz fest drückte.
„Tut mir Leid. Hast ja Recht!“, flüsterte er.
Da fiel mir was ein. Aber, war es dumm, so was zu fragen?
„Du, Tom?“
„Hm?“ Er hielt mich immer noch ganz fest.
„Wieso?“
Er sah mich verwirrt an.
„Was wieso?“, wollte er wissen. Ja …
„Wieso gehst du nicht? Wieso bleibst du bei mir …?“ Hm, war irgendwie doch ne blöde Frage.
Er sah mir tief in die Augen.
„Ich … ich kann nicht. Ich fühl mich irgendwie Schuld, wenn ich nicht mit dir hätte schlafen wollen … wenn ich besser aufgepasst hätte … wenn ich nicht so dumm wär … dann wär das alles nie passiert!“, meinte er leise. Oh man. Der gab sich doch nicht echt die Schuld oder?
„Hey Tom … du bist nicht Schuld!“, versuchte ich ihn zu trösten.
„Doch, wenn ich mich nicht unter Kontrolle halten kann …“ Er meinte das echt.
„Tom, du bist nicht Schuld. Ich wollte es doch auch. Und, es ist völlig egal. Ändern können wir das jetzt nicht. Außerdem … ich würd’s auch nicht rückgängig machen wollen …“
„Nein? Wieso?“, fragte er perplex.
„Weil … ich fand’s schön!“ Und ich würd’s jederzeit noch n drittes, viertes oder fünftes Mal machen …, fügte ich in Gedanken hinzu, aber so was zu sagen, traute ich mich nicht.
Er grinste mich an.
„Ich doch auch …“, meinte er und zog mich über sich. Seine Hände wanderten von meinem Bauch aus höher. Er küsste mich leidenschaftlich und gleich darauf lagen wir wild knutschend im Bett und alles roch und schmeckte nach Tom. Hmmmmm, lecker!

*aus der Sicht von Elea*

Die ganze Zeit maulte er rum. „Die Jacke passt nicht zur Hose … und zu dem T-Shirt schon gar nicht! Die Farbe passt nicht zu den Schuhen …“ Die ganze Zeit … boah eh!
„Das sieht jetzt alles scheiße aus!“, rief er. Mein Gott! Voll nicht, Junge! Hast du Probleme!
Und das nur, weil er um Mila und Tom nicht zu stören, die falsche Jacke aus dem Schrank gerissen hatte. Selber Schuld. Aber er sah trotzdem toll aus … zum dahin schmelzen.
„Man, ich seh so scheiße aus!“, fluchte er.
„Boah, Bill jetzt hör endlich auf. Du siehst wahnsinnig geil aus!“, rief ich. Man.
„Findest du?“, fragte er jetzt kleinlaut. Wie süß war das denn?
„Ja finde ich.“ Ich lächelte ihn an und er lächelte voll sweet zurück.
„Boaah!“, rief er zwei Minuten später wieder. Was war denn jetzt schon wieder? Hääääääääääää?
Er blieb stehen und starrte fasziniert in ein Schaufenster.
„Was denn?“
„Guck dir die Jacke an!“, rief er, griff meine Hand und zog mich kurzerhand mit in den Laden.
Er probierte die Jacke auch gleich an und war hin und weg. Er sah aber auch vielleicht klasse aus in der Jacke. Boah! Doch fünf Minuten später standen wir dann ohne Jacke vor dem Laden, und Bills Laune war schlagartig auf den Nullpunkt gesunken.
„Scheiße, das Teil ist so teuer! Aber ich muss die haben. Ich muss einfach. Jetzt muss ich mir erst noch Geld bei Mum pumpen gehen!“, meinte er deprimiert. Er hatte keine Lust mehr auf Shopping und wir gingen zurück zum Internat. Und ich durfte mir schon wieder sein Gerede über Jacken anhören. Boah … dumme Jacken eh!

Kapitel 38

*aus der Sicht von Tom*



Wir lagen auf meinem Bett und mir war aus einem bestimmten Grund gerade ziemlich heiß. Nicht nur, dass sie gesagt hatte, sie fand es mit mir toll … nein, ich lag über ihr und wir machten gerade ziemlich wild rum. Bis mein Handy klingelte. Scheiße, ausgerechnet jetzt. Ich stand auf und suchte meines erst mal. Als ich es gefunden hatte, stand da erst mal ganz fett „Maya“ im Display. Na toll. Mit der wollte ich nicht mehr reden. Das Thema hatte ich echt durch.
Mila sah mich auffordernd an. „Geh schon ran!“, meinte sie. Du hast ja keine Ahnung wer das ist!, dachte ich nur und ging ran.
„Ja, hallo?“ Was wollte die nur von mir?
„Hi Tom, ich bin s Maya!“, sagte sie fröhlich. Ach nee. Wär ich jetzt gar nicht drauf gekommen.
„Hi …“ und jetzt?
„Wie geht’s dir?“, wollte sie wissen. Hm … wie wohl?
„Eigentlich beschissen, wieso?!“ Mila sah mich leicht erschrocken an. Ach, mein Stern, doch nicht wegen dir … wegen … dem Ding da in dir.
„Wieso, was n los?“, fragte sie besorgt. Die sollte mir jetzt bloß nicht einen auf heile Welt machen. Ich brauchte die nicht mehr!
„Hallo, Tom? Was ist los?“ Hm … mal überlegen? Ich hab nur meine Freundin geschwängert, weil ich zu dumm bin, und vergesse zu verhüten und sie ist zufällig erst dreizehn und ich kann sie nicht sitzen lassen, weil sie mir zu viel bedeutet?!
„Geht dich nichts an!“, machte ich sie unfreundlich an.
„Oh, Entschuldigung, ich hab ja nur gefragt!“, meinte sie ironisch.
„Ja sorry …“ Aber das war echt das Dümmste, was man im Moment tun kann, mich fragen, wie es mir geht! „Ich muss jetzt auflegen. Muss noch was Wichtiges machen!“
„Was denn?“, fragte sie. Mila …, dachte ich nur und musste grinsen, woraufhin Mila mich komisch ansah.
„Ach, so n Referat!“, log ich dann mal, verabschiedete mich und legte auf.
„Was für n Referat?“, meinte Mila auch sofort. Hehe … wie macht knutschen am meisten Spaß? Oder … wie küsst man richtig?!
„Ach, ich wollte die nur loswerden!“, erklärte ich.
„Wen? Wer war das eigentlich?“, fragte sie.
„Maya“, sagte ich leise. Ich glaubte, dass ich ihr das jetzt langsam mal erklären musste.
„Wer ist Maya?“ Sie fragte ganz normal, ohne eine Spur Eifersucht. Zu geil die Frau.
„Die Ex, die mich letztens angerufen hat.“ Das „Hääääääääääää?“ verschwand aus ihrem Gesicht.
„Und …?“ Ihre Stimme klang jetzt leicht komisch. Hm.
„Mila … falls du denkst, das ist noch was, das ist nicht so! Ich … ich … ich …“ Mir fielen keine Worte mehr ein.
„Du?“, fragte sie frech und grinste, während sie mich am T-Shirt wieder über sich zog. Oha … das war doch mal n Angebot hier … hehe.
„Ich … ich will eh nur dich!“, sagte ich und küsste sie. Leidenschaftlich. Heftig. Schön.

Kapitel 39
*aus der Sicht von Bill*

Samstagabend. Halb elf. Wir saßen alle sechs in Georgs und Gustavs Zimmer. Gustav und Georg, Elea und ich auf Gustavs Bett, weil das andere von Tom und Mila blockiert wurde. Die lagen darauf und leckten rum. Seitdem die beiden vom Arzt wieder da waren und der Termin für die Abtreibung feststand - was ich mir übrigens ungefähr 50 Millionen Mal am Tag von einem strahlenden, erleichterten Tom anhören durfte – ging s den beiden nämlich wieder richtig gut. Obwohl das Kind noch da war. Georg sah die beiden skeptisch an und meinte: „Wissen die eigentlich, dass das mein Bett is?“
„Ich glaub nicht …“, grinste Elea.
„Boah, normal dürfen das nur meine Freundin und ich!“, regte er sich weiter auf. Hääääääääääää? Der hatte ja gar keine.
„Welche Freundin?“, fragte Gustav auch sofort. Boah, was ein Gefühlstrampel!! Georg sah in anklagend an. Ich nahm Lea in Arm und drückte sie an mich. Ein Glück, dass ich sie hatte.
„Ja, du hast ja selber keine!“, schoss Georg zurück. Gustav wurde rot.
„Ja, wer weiß, vielleicht demnächst …“ Oha … es ist echt nicht gut, die zwei so lange zu vernachlässigen. Machten wir ja mittlerweile nicht mehr. Hatten die Probleme mit unsern Mädels jetzt soweit wie es geht gelöst. Logisch, wir verbrachten auch noch viel Zeit mit ihnen (wie könnten wir ohne die zwei Hübschen?!) und vernachlässigten jetzt weder Elea und Mila noch Gustav und Georg.
Wir sahen Gustav fragend an.
„Was meinst du denn damit jetzt?“, fragte ich neugierig. Jaha, man(n) wollte halt immer alles wissen. Gustav grinste frech, wir hingen an seinen Lippen. Erwarteten eine Antwort.
„Jetzt sag schon!“, drängelte Lea. Man Gustav!
„Ja, vielleicht bin ich gerade dabei, mir eine zu suchen!“, deutete er an. Aha! Und wen?
„Und wen? Haste schon wen ausgesucht?“, wollte Georg wissen.
„Jaha … eine aus eurer Stufe!“, meinte er und nickte in meine Richtung. Aus meiner Stufe? Da gab’s doch keine tollen Mädels. Nee … irgendwie nicht.
Elea stieß mir den mit dem Ellbogen leicht in die Seite. Ich sah sie an und sie deutete mit dem Kopf auf Georg und Gustav. Gerade, als Gustav das sagte, sah Georg ihn schockiert an.
„Oh … ne oder? Nicht schon wieder! Ich hoffe für dich du redest nicht von – “, fing er an.
„DOCH! Sag bloß nicht, du willst …“, unterbrach Gustav ihn. Die beiden sahen sich an – kampfbereit. Die wollten doch nicht im Ernst was von nem Mädel aus meiner Stufe? Also Tom und ich fanden die ja alle doof. Und hässlich. So derbst unsexy …
„Doch, will ich!“, meinte Georg ernst, Gustav schlug die Hände vor s Gesicht und Georg schüttelte genervt den Kopf.
„So geht das, seit ich den kenne! Immer verknallt der sich in die gleichen Mädels!“ Hehe. Das stimmte. Ich mein … Elena, Johanna, Fabienne, Carolin … und so weiter. Die Diskussion kannte ich zu gut.
Jetzt schwiegen sie sich aber erst mal an. Ich sah zu Tom und Mila. Die lagen mittlerweile wieder nebeneinander. Tom aufm Rücken, Mila seitlich, mitm Kopf auf Toms Brust und nem Arm um seinen Körper gelegt. Tom hielt sie fest und streichelte ihr über den Rücken. Voll sweet. Die waren echt wieder richtig glücklich. Sie flüsterten irgendwas, aber was, verstand ich leider nicht. Die merkten gar nicht mehr, dass wir auch noch da waren. Na ja, manchmal machte Liebe eben blind ne …!
Ich lehnte mich an die Wand und nahm Elea in Arm. Sie schmiegte ihren Kopf an meine Schulter und ich küsste sie kurz auf die Stirn, als Gustav wieder anfing.
„Aber …“, meinte er überzeugt. „Du kriegst sie diesmal nicht!“ Letztes Mal hatte Georg diese Elena gekriegt. Hat aber nicht lange gehalten.
„Ah, niemals!“, entgegnete Georg. Ah … nein, jetzt ging das los. Achtung, Ohren zu! Jetzt fingen die an rum zu zicken und zu streiten.
„Ne, wetten, sie nimmt mich?“, antwortete Gustav.
„Ne, wetten nicht! Sie findet mich bestimmt viel besser als dich!“
„Sicher nicht, sie steht auf mich, das merkt man doch!“
„Auf dich? Ja ne is klar! Und ich bin Papst!“ Moah, das war schlimmer als im Kindergarten. Und so weiter.
„Hey, Stopp mal, Jungs!“, rief Elea. Ja, war ich auch für, mir wurd das echt zu viel langsam.
Sie hielten sogar die Klappe. Ich musste grinsen. Das war immer Dasselbe mit denen. Konnten die sich nicht mal in zwei unterschiedliche Mädels verknallen?! Sie sahen Elea erstaunt an.
„Sagt mal, findet ihr das nicht peinlich, was ihr macht?“, lachte Lea. Oh ja. Peinlich. Aber so was von.
„Ehm“ - „Hm“
Sie grinsten aber. So wirklich richtig zoffen würden die sich eh nicht. Wegen nem Mädel sowieso nicht. So wie Tom und ich. Wir waren auch schon öfter in die Gleiche. Wir hatten einfach immer das Mädel entscheiden lassen. Okay, jetzt brauchte da ja nichts mehr entschieden werden. Tom hatte seine große Liebe Mila und ich hatte Elea. Und das war wohl auch so richtige Liebe. Ja! Ich sah sie an und musste lächeln. So schön. Mein Stern! Aber eines wollte ich jetzt natürlich wissen.
„Von welchem Mädel redet ihr eigentlich?! Wer ist die „Tolle“ aus unserer Stufe?“, wollte ich dann mal so wissen halt.
Die zwei sahen sich an. Georg öffnete den Mund, wollte etwas sagen … - Bumm! Und Tom und Mila lagen leicht verwirrt und lachend auf dem Boden. Waren die erst mal aus dem bett gefallen. Oh man. Wir lachten alle. Hatten sie so wild rumgemacht, dass die selbst im Liegen das Gleichgewicht verloren. Haha.
„Was macht ihr denn für Sachen?“, gluckste Georg lachend.
„Hm … das mit dem zusammen umdrehen klappt sonst immer!“, sagte Tom ernst. Mila nickte. Hääääääääääää? Wie? Zusammen umdrehen? Achso … jetzt wusste ich. So von unten nach oben drehen. Oder von oben nach unten, je nach dem, wo man vorher war. Und zack. Lagen die auf m Boden.
„Georg, dein Bett ist kleiner als unsere!“, meinte Tom noch ernster. „Ist irgendwas? Stimmt was nicht? Was guckt ihr so?“, setzte er hinzu. Man, der war auch manchmal schlau. Er schüttelte den Kopf und haute Mila erst mal seine Dreads ins Gesicht. Dann stand er auf, zog Mila hoch und an sich ran und die zwei fielen knutschend auf s bett. Bumm!
Ach ja … die wollten uns ja …
„Also, von wem wollt ihr was?“, hakte ich sofort nach. Ich würde nicht eher gehen, bis ich das jetzt wusste. So.
„Boah!“, machte Georg genervt.
„Also … ehm … ja … wir …“, druckste Gustav rum. Hilfesuchend sah er Georg an. Der grinste nur.
„Boah, Danke! Also … von … ehm … Katja … weißt du?“ Waaaas? Ja klar wusste ich. Aber DIE? DIE finden die toll? Ist n Witz oder? Aber, wenn sie mit der glücklich waren, bitte. Gustav und Georg warteten auf meine Reaktion.
„Ach du Scheiße!“ Ups. So hart wollte ich gar nicht sein. Wenigstens hatte ich sie nicht belogen, das war doch mal was.
„Findest du die scheiße?“, fragte Gustav und man sah ihm an, dass er mich nicht verstand.
„Die ist doch voll toll, und lieb und … perfekt!“, schwärmte er mit total verknalltem Blick und auch Georg hatte dieses Leuchten in den Augen als er sagte: „ Sie ist ehrlich voll klasse. Ich versteh nicht, was du an der scheiße findest Bill!“ ALLES, Junge. Alles.
Egal, sollten sie sich wegen ihr doch die Köpfe einhauen. Ich nahm Leas hand und zog sie vom Bett auf.
„Schickt Tom und Mila gleich auch weg! Am besten bevor die anfangen hier rum zu –“ Erschrocken sah Georg mich an. „Jaja, machen wir. Auf meinem Bett treiben die hier gar nichts!“ Wir lachten dann zog ich Lea bis in mein Zimmer schweigend mit mir.
Wir ließen uns auf mein Bett fallen. Kuschelten uns eng aneinander. Ich küsste sie zart auf die Wange und streichelte sanft über ihren Rücken. Hielt sie ganz fest. Hörte ihren Atem. Regelmäßig. Ruhig. Zufrieden. Und ich fühlte mich einfach nur gut. Sie schlang ihre Arme um mich und hatte die Augen geschlossen, als ich sie ansah. Also schloss ich meine auch und genoss einfach nur ihre Nähe. Ihre Zärtlichkeit. Ihre Liebe.
Kurz danach schliefen wir ein.

Kapitel 40
*am selben Abend, nur kurze Zeit später*
*aus der Sicht von Tom*

„Hey ihr zwei!“ Hääääääääääää? Oh … ich löste meine Lippen langsam von Milas und setzte mich auf. Saß jetzt auf ihrem Unterleib, so jaja. Aber irgendwie hatte ich gedacht, wir waren bei ihr im Zimmer … hehe. Wir hatten ja aber nicht so wild rumgemacht. Ich hatte ihr nicht mal unter ihr Top gegriffen. Und gekuschelt hatten wir auch … und es war einfach wieder nur schön gewesen. Wie alles an ihr. Ich sah sie lange und tief an.
„Hallooooooo …?“ Gustav rüttelte mich an der Schulter. Hey!
„Wasn?“, fragte ich immer noch halb abwesend. Mila grinste und ich lächelte sie an. Gustav interessierte mich nicht ganz so sehr im Moment.
„Ihr müsst jetzt gehen, das ist schon halb zwölf!“ Ups. Ach was, mir doch egal. Es war doch gerade sooooo … schön. Man.
„Ja gut …“, meinte ich traurig und stieg von Mila, zog sie sanft hoch.
„Ciao ihr beiden! Schöne Nacht noch!“, meinte Mila.
„Ja danke … euch auch noch ne tolle Nacht!“, entgegnete Gustav frech. Booooah. Dieser Unterton … man.
„Jaja … ciaociao!“ „Ciao“ Und dann gingen wir raus. Booooah, war da noch viel los hier. Und ich hab gedacht ich konnte mit Mila alleine sein.
Da Georgs und Gustavs Zimmer am entgegen gesetzten Ende vom Internat lag, wo unsere lagen, mussten wir auch erst mal voll weit laufen. Na toll! Doch wir waren noch nicht weit, da kam uns auf einmal son Typ entgegen. Aus Milas Klasse. Er blieb stehen, als er Mila erkannte und starrte sie an. Wie hypnotisiert. Heeeey …

„H..Hi Mila!“, stotterte der. Mein Gott, wie erbärmlich! So n Looser. Noch offensichtlicher konnte der das  nicht machen, dass er was von Mila wollte. Lächerlich.

„Hi Eric!“, sagte Mila und sah nicht danach aus, als würde froh sein ihn zu sehen. Und noch schlimmer, schien der Kerl sich mit ihr unterhalten zu wollen! Ich mein, an für sich kein Problem, aber doch nicht jetzt. Und wie der Kerl sie anstarrte. Und irgendwie … nee, der hatte das einfach nicht drauf. Mila würde doch nie … nee! Er wollte gerade etwas sagen, als ich Milas Gesicht mit zwei Fingern vorsichtig zu mir drehte und sie küsste. Sofort stieg sie auf den Kuss ein. Drückte mich dann aber von sich weg und blickte Eric entschuldigend an.

„Naja, wir sehen uns!“ Er nickte lahm und sah Mila komisch an. Dann wandte er sich ab und ging.

„Du bist so dreist!“, sagte Mila, sobald er außer Hörweite war.

„Was denn?, grinste ich.

„Der arme Kerl!“, grinste sie zurück.

Ich legte ihr den Arm um die Schultern und wir gingen zusammen zu unseren Zimmern, wo wir uns innig verabschiedeten.

„Ich bin gerne dreist!“, flüsterte ich ihr ins Ohr und drückte sie noch mal fest an mich.


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