By your side-by Shingel

Kapitel 1
*aus der Sicht von Elea*
Wir hatten alles eingeräumt und hängten Poster auf. Bzw. Plakate, denn von den Ärzten und DTH gab es halt keine Poster. Dann pappten wir noch Bam Margera, Good Charlotte und Green Day an die Wände. Sah doch schon viel gemütlicher aus hier. Ich wollte Mila grad fragen wann wir denn zum Mittagessen runter müssten, als die Tür aufgerissen wurde und zwei Typen lachend reingestürmt kamen. Hä was war denn jetzt los.
Was machten zwei wildfremde Typen in unserem Zimmer? „Ähhhm, Tom? Ich glaub das ist das falsche Zimmer!“, meinte der eine etwas unsicher. Ich musterte ihn. Schwarze, halblange, strähnige Haare, schwarz lackierte Fingernägel, rotes T-Shirt und ne rot-schwarze Lederjacke. Dazu hatte er ein Piercing in der rechten Augenbraue und seine Augen waren schwarz geschminkt. Der andere Kerl, der wohl Tom hieß, hatte etwas längere Dreads und trug Klamotten die ihm mindestens 2 Nummern zu groß waren. Dazu hatte er ein Cap auf, auf dem LA draufgestickt war und er hatte ein Lippenpiercing in der linken Unterlippe. Alles zusammen sah mega cool aus. Tom sah den andern Typen etwas komisch an. Dann grinste er frech. „April, April, du willst mich wohl verarschen!“
„Nein, nicht wirklich!“, antwortete der andere frech. Erst jetzt bemerkte auch Tom uns. Wir konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen. „Oh mein Gott!“, murmelte Tom panisch. Doch dann musste sein Kumpel lachen und er grinste. „Hey, seid ihr neu hier?“, fragte Tom uns freundlich und setzte sich auf mein Bett. „Ja, vor zwei Stunden angekommen!“, antwortete ich und grinste. „Cool!“, meinte der andere und kam auf mich zu. Dann hielt er mir die Hand hin. „Also ich weiß ja noch nicht wer ihr seid, aber ich bin Bill!“, stellte er sich vor. Jetzt wo er so vor mir stand, sah ich erst, dass er auch noch ein Zungenpiercing hatte. Hamma! Bill war mir sofort sympatisch und auch Tom strahlte irgendwie Vertrauen aus. Als wir uns alle vorgestellt hatten, fragte Mila die Jungs dann nach allen möglichen Zeiten und Terminen, wie Mittagessen, Abendbrot, Schulstunden und so was und schrieb sich alles genau auf. „Und wenn ihr mal Fragen habt, wir haben das Zimmer 135.“, grinste Bill.
Dann gingen wir zusammen in die Cafeteria und aßen Mittag. „Hey, sagt mal, morgen is’ ja Rosenmontag und wir ham keine Schule, und heute kommt dieser geile Film von Eminem, hab mal grad kein Plan wie der heißt-“
„8 Mile!“, sagten wir drei alle gleichzeitig und mussten lachen.
„Ja, okay!“, sagte Tom lachend. „Also, habt ihr Lust rüber zu kommen dann können wir den zusammen gucken.“
„Ja, genau, Gustav und Georg sind eh zu Hause!“, meinte Bill.
„Wer sind denn Gustav und Georg?“, fragten wir gleichzeitig.
„Das sind voll gute Kumpels von uns.“, erklärte Tom.
„Ahso, ja dann!“, meinten Mila und ich gleichzeitig. Plötzlich fühlte ich mich beobachtet. Ich sah von meinem Essen auf und blickte in zwei wunderschöne dunkelbraune Augen. Ich versank förmlich in ihnen. „Lea?“ Mila knuffte mich in die Seite.
„Was denn?“, fragte ich verwirrt.
„Nichts, wollte nur wissen ob du noch da bist!“, lachte sie. Bill grinste mich an. Abooo, diese Augen! Soooooooo schön. Tom grinste auch, schüttelte amüsiert den Kopf und widmete sich seinem Essen.
Der Abend wurde voll cool. Die Jungs hatten Chips und so was besorgt und wir hatten Getränke mitgebracht. Der Film war hamma. Irgendwann legte Bill den Arm um mich. Ich sah ihn an, da zog er ihn wieder weg. Ich musste grinsen, doch wieso hatte er das getan? Er sah mich nicht an. Doch dann war der Film auch schon zu Ende. Wir quatschten noch ein bisschen, doch dann gingen Mila und ich rüber in unser Zimmer. Ich zog mir meine Schlafsachen an und erledigte alles was frau vor Schlafen halt so macht, und schlief dann auch ganz schnell ein.
 

Kapitel 2
*aus der Sicht von Mila*
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich schon vergessen wo ich war. Darum kann man sich wohl vorstellen, dass ich ziemlich verwirrt war, als ich mich im Bett aufsetzte und auf Elea guckte, die noch schlief. Das Erste was ich dachte war natürlich: „Was geht denn jetzt hier ab.“ Bis es mir einfiel. Wir waren ja im Internat, weil unsere Eltern… ich wollte gerade anfangen gegen sie zu fluchen, als Elea plötzlich auch wach wurde. Verschlafen sah sie mich an und murmelte was von „Was machst du denn hier?“ Ich sagte lieber mal nichts und stand einfach auf. Als ich plötzlich an gestern denken musste. Ich hatte es irgendwie lange gar nicht realisiert. Die zwei sechszehnjährigen boys, waren einfach ins falsche Zimmer gelaufen und deswegen hatten wir so viel Spaß gehabt. Der Abend gestern war echt toll, eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen hier keinen zu mögen und alles zu hassen, aber das war gewaltig schief gegangen. Ja, ich mochte die beiden. Aber immerhin kannte ich die anderen hier im Internat noch nicht, wer wusste wie die waren. Ich hoffte mal sie hielten uns nicht für eingebildet oder zickig, denn wenn ich mir auf eines was einbildete, dann darauf, dass ich nicht zickig und eingebildet war. Wir würden ja die meisten sowieso erst morgen treffen, also was soll’s, egal.
Elea war auch schon aufgestanden, sie trat hinter mich und meinte: „Bis wie viel Uhr gibt’s Frühstück?“ „Keine Ahnung, heute bestimmt länger als sonst.“ „Meinst du denn auch um elf Uhr noch?“ „Waaaas? Ist das schon so spät?“ Ich sah auf meine Uhr. Kurz vor elf, na toll. Ich glaube so schnell habe ich mich noch nie in meinem Leben angezogen. Innerhalb von drei Minuten waren Elea und ich fertig, und rannten über die Flure. Zehn Minuten später waren wir in der Cafeteria und bekamen sogar noch Frühstück ab, ein Glück das es an freien Tagen immer länger Frühstück gab, sonst gab’s das nämlich nur bis um acht. Wir waren übrigens nur so spät, weil wir zwischendurch scheinbar ne falsche Richtung gegangen waren. Das Gebäude war aber auch groß, ein glück nur, das wir etwas weiter ab vom Lehrertrubel waren, so konnte man uns wenigstens nicht so gut überwachen…
Als wir nach dem „Frühstück“ zurück aufs Zimmer wollten, musste ich die ganze Zeit an unsere alten Freunde denken. All den Fun den wir zusammen hatten… Tränen stiegen mir in die Augen, ich sah Elea an. Man! Was war ich froh das ich meine allerbeste Freundin hier hatte, ich wüsste echt nicht, was ich ohne sie hier anfangen sollte, vor allem, ich kannte sie solange schon, unsere Eltern waren eng befreundet, und wir hatten schon so viel zusammen durchgemacht…
„Aua, verdammte Scheiße!“
Und dann sah ich auf einmal was Weißes. Ach so, die Decke, aber wieso sah ich die? Was sollte das denn? „Oh Mila, ist dir was passiert?“, Elea klang irgendwie besorgt. Ach darum, jetzt verstand ich. Ich blöde Kuh! Ich lag der Länge nach auf dem Boden, auf dem Rücken und mein Kopf hämmerte wie bekloppt. Tat das weh! Ich hatte aber keine Ahnung was passiert war, Hilfe, konnte mir das hier keiner erklären?
Ich setzte mich auf und blickte einem Typen ins Gesicht, den ich aber nicht kannte, aber neben ihm tauchte plötzlich Toms Gesicht auf. „Was ist n hier überhaupt los?“ fragte ich mein Gegenüber, dessen Name ich ja nicht kannte. Erstaunlicherweise antwortete aber Elea. „Du bist volle Kanone gegen die Tür gerannt! Das ist los. Und erst mal voll hingefallen, ich wusste gar nicht was ich machen sollte, so schnell ging das, und dann kamen auch schon die Jungs hier und dann bist du auch schon wieder zu dir gekommen!“ Ah ja, na super, daher kamen also die Kopfschmerzen. Peinlich, peinlich, gegen die Tür gerannt. Scheiße nee! Dann fiel es mir plötzlich wie Gurken von den Augen, ach ne, wie Schuppen heißt das ja. Ich hatte an meine Freunde gedacht, an die Sache, dass unsere Eltern uns ins Internat steckten, oder besser, gesteckt hatten! Aber war da nicht noch etwas gewesen? Wahrscheinlich und wahrscheinlich hieß dieses „was“ sogar Gerrit. Ach ja, Gerrit. Er war, oder ist, oder auch nicht, mein Freund, oder Schwarm oder was auch immer. Musste gleich mal Elea fragen, nein ich wusste es, er war mein Freund. Und ich liebte ihn immer noch, aber wir hatten Schluss gemacht, wegen diesem Scheißinternat mit seinen Scheißtüren! Weil wir uns nicht mehr sehen konnten.
„Geht’s dir gut, Mila?“ He? Wer war denn das schon wieder? Klang irgendwie nach Bill.
Ich stand auf, weil mir der Boden irgendwie zu kalt wurde langsam, und merkte jetzt erst dass es fünf waren. Tom, Bill, Elea und noch zwei, die ich nicht kannte.
„Ja, mir geht’s gut, aber wer seid ihr?“, wandte ich mich dann mal an die beiden und bekam natürlich sofort Antwort: „Ich bin Georg und das ist Gustav, wir sind die Kumpel von Bill und Tom.“ Ich sah die beiden an, Georg hatte schulterlange braune Haare, Gustav kurzes dunkelblondes, beide trugen normale Klamotten und sahen auch sonst ganz normal aus. Okay, konnten ja auch nicht alle so besonders rumlaufen wie Bill und Tom. Elea und ich machten mit den Jungs aus, dass wir und nachher treffen würden, weil sie erst mal frühstücken wollten. Zumindest Tom und Bill. Gustav und Georg waren ja vorhin wieder hier angekommen und hatten natürlich längst gegessen.
Im Zimmer hatte ich immer noch nur Gedanken für Gerrit. SCHEIßE!! Zum heulen. Echt, ich vermisste ihn, aber irgendwie war ich froh, dass ich mich von ihm getrennt hatte. Es hätte so sowieso nichts mehr gebracht.
Elea las scheinbar mal wieder Gedanken, so was konnte sie gut, setzte sich neben mich aufs Bett und fragte: „Mila? Ist irgendwas? Ist es wegen Gerrit?“  Man! Mädel, türlich! Ich fing an zu heulen. Scheiße! Elea fragte nicht mehr, nahm mich in den Arm und tröstete mich. Oh, wie oft Gerrit das bei mir gemacht hatte…! Nein, ich durfte nicht mehr an ihn denken. Es war vorbei, und hier gab es bestimmt noch genug Jungs. Aber dennoch wusste ich, dass ich ihn noch so sehr liebte. Fuck verdammt!
Zwei Stunden später saßen wir mit den Jungs in deren Zimmer, warteten auf Georg und Gustav, die noch bei der Direktorin waren, irgendwas klären, aßen Gummibärchen, guckten Viva und quatschten über Gott und die Welt. Es tat echt gut, dass sie da waren und wir so gut mit ihnen reden konnten.  Sie laberten viel über den Alltag hier und so, was hier so abging. Und sie alberten viel rum,
„Man wo bleiben die denn?“ Tom war mal wieder ungeduldig.
Heute war ja Karneval, schade eigentlich, dass kaum wer hier war. Ne coole Feier hätte ich jetzt gut gebrauchen können.
Aber schon waren Georg und Gustav wieder da, und sie hatten ne super Idee dabei, ihrer Meinung nach…!
 

Kapitel 3
*aus der Sicht von Elea*
Die Idee der beiden war völlig beknackt. Bill sollte die Augen verbunden kriegen und stillhalten. Dann kramten Gustav und Georg in den Karton den sie mit hatten. Und was kam zum Vorschein?? Ein Biene Maja Kostüm!! Ja, im Ernst!! Dann zogen sie das Kostüm Bill an. Tom lachte sich so einen ab dass er schon Tränen in den Augen hatte. Wir mussten auch lachen, denn Bill sah einfach lächerlich aus. „So“, meinte Gustav und holte eine CD aus dem Karton. Bibis tollste Partyhits hieß die auch erstmal. Tom lachte noch mehr und schlug mit der Hand auf den Boden so sehr lachte er. Dann kroch er lachend zur Stereoanlage und schmiss die CD rein. „Ahh!“, schrie Bill entsetzt.  „Was ist das denn für’n Scheiß!?“, fügte er dann etwas leiser, aber nicht weniger entsetzter hinzu. „Das ist doch egal, wir tanzen jetzt!“, meinte Georg und fing tatsächlich an zu tanzen. Bill zog sein Kostüm wieder aus und setzte sich neben mich. Er schmiss sich mit so einem Schwung aufs Bett, das mir erstmal sein Geruch entgegen geweht kam. Mmmmmmm … lecker. Ich unterhielt mich ein bisschen mit Bill während Tom und Georg allen Ernstes tanzten und Mila und Gustav hinterher auch mitmachten. „Wie lange seit ihr eigentlich schon hier?“, fragte ich ihn.
„So zwei Jahre ungefähr!“, meinte er. „Ich find ’s gar nicht so schlecht hier.“, fügte er hinzu.
„Ich würde gerne wieder nach Hause!“, sagte ich.
„Das kann ich verstehen!“, meinte er und legte den Arm um mich. Wie aus Reflex schmiegte ich meinen Kopf an seine Schulter. Auf einmal wurde ich total traurig. Musste an meine Freunde zu Hause in Dorsten denken. An meine Familie. An mein Klavier. Und ich war sooo froh, dass ich hier so schnell Freunde gefunden hatte. Gustav und Georg waren super nett und immer für einen da, das war mir sofort aufgefallen. Aber gerade Bill und Tom waren mir so nah und strahlten so eine Vertrautheit aus, als ob ich sie schon Jahre kennen würde.
„Hey, mein kleiner Stern.“, sagte Bill leise und drückte mich sanft an sich. Wie kam es dass ich mich so geborgen bei ihm fühlte? Dass er mir so vertraut war? Und dass ich, als er mich in den Arm nahm, als er sah dass ich Tränen in den Augen hatte, mich zuhause fühlte. Sicher. Geborgen. Wohl. Auch wenn ich ihn erst seit gestern kannte, hatte ich die Gewissheit, dass er für mich da sein würde wenn ich ihn brauchte. So wie jetzt. Ja, Bill war für mich da, das wusste ich, und ich fand es schön, das zu wissen. Und als er mich mit seinen wunderschönen dunkelbraunen Augen aufmunternd ansah, und ich wieder mal in ihnen versinken konnte, und wir ewig lang so da saßen, er mich im Arm hielt und wir uns einfach nur in die Augen sahen, wurde mir diese Sicherheit bestätigt.
Doch plötzlich sah Bill ganz schnell weg und sah aus dem Fenster. Er sah nachdenklich aus. „Was denn los?“, fragte ich vorsichtig. Er schüttelte den Kopf und lächelte mich an.
„Nichts“, sagte er. „Außer, dass ich dich mag!“ Ich musste lächeln.
„Ich mag dich auch!“, sagte ich leise. Dann grinste er mich an. „Was denn?“, fragte ich.
„Na ja, wenn man mal überlegt, dass wir uns vielleicht nie kennen gelernt hätten wenn Tom und ich uns nicht verlaufen hätten.“
 

Kapitel 4
*aus der Sicht von Tom*
Ich wusste es nicht. Ich hatte keine Ahnung. Keinen Schimmer. Nix. Nada. Ich musste zum Millionsten Mal daran denken, als wir uns vor einer Woche zum ersten Mal umarmt hatten. An Rosenmontag. Mila und ich. Es hatte irgendwie … kein Plan. Ich hatte auf einmal so ’n heißen Schauer aufm Rücken. Und zwar jedes Mal, wenn wir uns umarmten. Und das taten wir mindestens zweimal am Tag. Morgens, wenn wir uns das erste Mal sahen, und abends, bevor wir in unsere Zimmer gingen. Und manchmal nach dem Unterricht. Oder nach dem Mittagessen. Ich sag ja, mindestens. Außerdem war das bei Elea nicht so. Mit dem Umarmen schon, aber nicht mit dem heißen Schauer, und diesem komischen Bauchgefühl, was mittlerweile auch dazukam.
„Hey Tom!“ Ich öffnete die Augen und sah in das Gesicht meines Zwillingsbruders Bill, der die Hände neben mich auf dem Bett aufgestützt hatte und mich nun fragend ansah. Dabei fielen ihm die schwarz(gefärbt)en Strähnen seines Ponys ins Gesicht. Er legte den Kopf schief und sah mich an. Dann atmete er schlapp aus und ließ die Schultern hängen. Er stand auf und schlenderte ziellos durch den Raum. Ich blieb liegen und sah ihn an. Plötzlich drehte er sich um und sah mir direkt in die Augen. „Wer ist es?“, fragte er. So ’n Scheiß. Warum musste er nur immer wissen was mit mir los war. Na ja ok, ich wusste auch immer was er hatte und wir hatten auch immer die gleiche Laune. Ich sah an die Decke. „Na? Sag schon!“, meinte Bill ganz ruhig, aber ich spürte trotzdem dass er neugierig war. „Tom!“ Ich seufzte.
„Mila“, meinte ich dann ohne ihn anzusehen. Bill schwieg. Deshalb sah ich ihn vorsichtig an.
Er starrte mich an. „Tom!“, rief er. Ich zuckte zusammen und sah wieder an die Decke. Jetzt wusste ich es. Es war falsch. Es war falsch sie zu lieben. Sie wollte mich ja eh nicht.
 

Kapitel 5
*aus der Sicht von Elea*
Hm. Nein, das Top stand mir nicht. Dieses komische Gelb passte nicht zu meinen braunen  Haaren mit den blonden und dunkelroten Strähnchen. Ich zog das Top wieder aus und zog ein pinkes an. Jaaaaa, schon viel besser. Ich strich mir meinen etwas längeren Pony aus dem Gesicht und zog meinen Seitenscheitel unordentlich nach. Könnte niemals mit so ’nem geraden Scheitel rumrennen, so wie mit dem Messer gezogen. Ich schlüpfte schnell in meine Jeans und zog meine schwarzen Chucks an (ich liebe diese Schuhe). Ich sah Mila an, die gerade aus dem Bad kam. Sie trug bordeauxrote Chucks, Jeans, T-Shirt und hatte sich ihre dunkelbraunen Haare hochgesteckt hatte. Ich fand ihre Haare total klasse. Glatt, gestuft, und wenn Licht darauf fiel, schimmerten sie rötlich. Total cool. Meine waren zwar auch nicht schlecht, aber trotzdem. Na ja. Wir wollten gerade runter zum Frühstück, als uns Tom und Bill entgegen kamen. „Hey!“, begrüßte Bill uns und umarmte erst mich und dann Mila. Tom, der, wie wir gestern erfahren hatten, Bills Zwillingsbruder und zehn Minuten älter als dieser, war,  machte es genau andersrum. Erst Mila, dann ich. Als wir in die Cafeteria schlenderten, nahm Bill mich zur Seite. „Sag mal, hat Mila was wegen Tom gesagt?“, flüsterte er.
„Nee, wieso denn?“, flüsterte ich zurück.
„Nur so!“, meinte er und zuckte mit den Schultern. Ich sah ihn ungläubig an.
„Bist du sicher?“, fragte ich. Er blieb stehen, hielt mich an den Schultern fest, und sagte leise, aber freundlich: „Wehe du sagst ihm, dass du es weißt! Dann bin ich tot!“ Dann lächelte er mich lieb an und ich hätte wieder in seinen Augen versinken können. „Was lächelst du so?“, fragte ich und grinste. Er grinste auch. „Weil ich dich lieb hab!“, meinte er dann und nahm mich in den Arm. „Ich dich auch!“, sagte ich und drückte ihn leicht an mich. Und ich wusste, dass nicht mehr als Freundschaft zwischen uns war. Und ich war glücklich.
 

*aus der Sicht von Bill*
„Bill würdest du dich bitte auf den Unterricht konzentrieren, sonst kannst du gleich nach vorne kommen und die Aufgabe vorrechnen!“, holte meine Lehrerin mich aus meinen Gedanken. „Ja!“, sagte ich lahm und einige Mädchen kicherten und ich hörte nur „Süß“ - „Voll sweet“ und so was. Jaja. Dabei rechnete ich doch. Nur leider kam ich auf keine Lösung.  Mila + Tom = ? Tom + Mila = ? Tom : Mila=? Mila x Tom=? Mila : Tom mal 100 =?
Tom + Mila = ?% Ich hatte keine Ahnung. Ob es was werden würde mit den beiden oder nicht. Ich wusste es nicht. Echt nicht. „Bill!“, raunte Tom mir auf einmal zu. „Du bist dran!“
Waaaaaas? „Ich hab nix gemacht!“, sagte ich reflexartig und sammelte somit sämtliche Lacher. Sogar Frau Schneider musste schmunzeln.
„Also, Bill, würdest du-“, fing meine Lehrerin an, doch da klingelte es auch schon und Tom rannte aus dem Klassenraum. „Tom!“, rief ich ihm hinterher, doch er beachtete mich nicht.
 

Kapitel 6
*zur gleichen Zeit im Klassenzimmer von Elea und Mila*
*aus der Sicht von Elea*
Es hatte gerade zur Fünf-Minuten-Pause geklingelt, als Bill auf einmal außer Atem bei mir vor dem Tisch stand, und sich mit den Händen auf dem Tisch abstützte. „Hey was machst du denn-“
„Ist Tom hier?“, unterbrach er mich besorgt und irgendwie panisch. Hääääääääääääääääääää?! Was war denn jetzt los? Hatte ich irgendwas Wichtiges verpasst? Bill sah sich im Zimmer um und fragte wieder: „Ist er hier?“
„Siehst du ihn hier irgendwo?“, fragte ich. Er schien kurz zu überlegen, dann nahm er mich am Arm und zog mich mit sich, sodass ich erstmal fast über den Tisch flog. Mila lachte sich erstmal total schlapp, aber ich wusste, dass Bill es ernst meinte und rannte ihm deshalb hinterher. Er erzählte mir gerade, was bei Tom und ihm in der Klasse los gewesen war, als wir um eine Ecke bogen… - und Bill mitten im Satz seine Sprache verlor. Ich folgte seinem Blick und was ich sah, ließ auch mich erstmal verstummen. Da stand Tom, die Hände erhoben, und knutschte mit einem Mädel rum, das ich nicht kannte, und ließ seine Arme sinken. Ja, auf ihren Arsch. Da standen die beiden, knutschten heftig rum und Tom schien dabei auch noch Spaß zu haben. Bill drehte sich augenblicklich um und ging schnurstracks in sein Klassenzimmer. Ich rannte ihm hinterher bis zu seinem Platz, aber als er kein Wort redete und nur stur vor sich hinstarrte, seufzte ich und ging zurück in meine Klasse.
„Warum wart ihr auf einmal weg? Was is’ n mit Tom?“, fragte Mila als ich mich neben sie auf meinen Platz setzte. „Erzähl ich dir inner Pause!“, meinte ich nur.
Das hätte ich, glaube ich, lieber nicht tun sollen. Denn Mila starrte mich entgeistert an, und redete kaum ein Wort mehr. Hallo, was war denn jetzt los? Neue Krankheit? War die übertragbar? Würde ich jetzt auch bald kein Wort mehr sagen können? Und vor allem:
Wieso stand Tom auf der anderen Seite des Schulhofs, und auf diese komische, hässliche aufgetakelte Tusse? Als ihm jetzt auch noch ein anderes Weib ’ne Dose RedBull vom Schulkiosk entgegenstreckte, er sie grinsend annahm, über einen Joke von so ’nem Typen, der auch dabei stand, lachte und gleichzeitig die Dose öffnete und einen Schluck trank, um sich gleich danach, wenn auch etwas widerwillig und mit sehnsüchtigem Blick auf die RedBull-Dose in seiner Hand, den Zärtlichkeiten des Mädels auszuliefern. „Manchmal ist er so ein Arsch!“, hörte ich Bill auf einmal neben mir sagen.
„Ja, ich glaub auch!“, stimmte ich ihm zu.
„Also ich weiß ja nicht wie du das siehst, aber ich verstehe unter Liebeskummer und Verknalltsein was anderes.“ Ich nickte nur und bemerkte erst jetzt, dass Mila nicht mehr da war. Hallo??
Mila redete nicht. Gar nicht. Der Unterricht konnte ja soo langweilig sein wenn frau keinen  hatte der einen volllaberte. „Deine mündliche Mitarbeit ist bald so schlecht wie unser Eistee der seit zwei Wochen im Zimmer steht!“, versuchte ich sie zum Reden zu überreden. Null Reaktion! Gibt’s doch nicht, was war das denn hier? Wollte die mich irgendwie verarschen? Boah eh, ne eh! Unmöglich, das Mädchen!
 

Kapitel 7
*aus der Sicht von Tom*
Wieso? Warum war das so? Wieso tat sie das? Warum konnte ich mich nicht dagegen wehren? Wieso konnte ich ihr nicht sagen dass ich das nicht wollte? „Hey Tom!“ Oh nein!! Nicht schon wieder. „Äh, hi!“, sagte ich und ertrug ihre stürmische Umarmung. Jetzt sag es ihr!, ermahnte ich mich selbst. „Also, Maren, weißt du, das mit uns beiden, das…“
„Pscht!“, sagte sie und hielt sich ihren Zeigefinger vor den Mund. „Wir wissen doch beide, was du jetzt sagen willst“, flüsterte sie. Echt??? Cool.
„Okay, dann ist ja alles klar!“, sagte ich erleichtert und wollte gehen, als sie mich am Ärmel zurückzog und mich ansah. „Wo willst du denn hin?“, fragte sie enttäuscht.
„Na, weg natürlich!“, sagte ich.
„Wieso denn? Liebst du mich nicht mehr?“
Ich hab dich noch nie geliebt!, hätte ich am liebsten gesagt, doch stattdessen stotterte ich verzweifelt. „Ja … doch … klar, natürlich!“ Oh man!! Ich hätte mich ohrfeigen können. Wieso sagte ich ihr nicht die Wahrheit? Ganz einfach: Weil sie mal meine beste Freundin gewesen war, und ich sie nicht verlieren wollte. Aber war es nicht besser, gerade deswegen alles aufzuklären?? „Biiiill!“, hätte ich am liebsten gerufen. Warum war er jetzt nicht da? Er hätte mir geholfen. Ja, und genau deshalb, weil er nicht da war und mir nicht half, musste ich Maren ein weiteres Mal küssen … na ja, oder ihr auch mehr als einen einfachen Kuss geben … Biiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiill!!!!!
„Biiill!“ Diesmal rief ich es wirklich. Doch ich bekam keine Antwort. Bill ging schnurgeradeaus auf Elea zu und umarmte sie, während ich mich nicht von dem abwenden konnte, was gerade vor mir passierte. Da stand erstmal Mila, mit Elea, Bill und zwei anderen Mädchen aus ihrer Klasse, und dabei standen auch so um die 5 Jungs, die ich vom Sehen kannte oder auch nicht. Und genau mit denen unterhielt Mila sich. Okay, was heißt schon unterhalten. Den einen umarmte sie, und er ließ seine Hand auf ihrer Hüfte und sie ließ das zu. Sie schien echt Spaß zu haben, denn sie lachte ununterbrochen mit den Typen, und als sie mich sah, und mich nicht beachtete, spürte ich einen so stechenden Schmerz in der Herzgegend, dass ich mich übergeben und auf den Boden hätte fallen lassen können. Ich sah hilfesuchend zu Bill, der mich aber nur schulterzuckend ansah und auch nicht so aussah, als wüsste er was gerade mit mir, oder in mir, passierte. Ich wusste nicht was ich tun sollte, deswegen rannte ich einfach in unser Zimmer, knallte die Tür hinter mir zu und schmiss mich aufs Bett. Dort blieb ich liegen, bis die Tür auf einmal aufging.
 

*aus der Sicht von Bill*
Als ich die Tür zu Toms und meinem Zimmer aufmachte, sah ich Tom auf dem Bett liegen, das Gesicht im Kopfkissen vergraben und die Arme über dem Kopf übereinander liegend. Ich machte mir allerdings nichts draus, immerhin war er selbst Schuld. Doch als ich dann ein leises Schluchzen vernahm, das verdammt aus seiner Richtung zu kommen schien, wandte ich mich doch von meinem Kleiderschrank und meiner neuen Lederjacke, die, verdammt, darauf wartete, endlich angezogen und bei der Shoppingtour mit Elea durch die Stadt geführt zu werden, ab, und ging zu ihm rüber.  Ich setzte mich neben ihn aufs Bett und sah ihn an. Er zitterte, so sehr heulte er. Aber wieso? Ich dachte er hätte jetzt seine „tolle“ Freundin? „Wasn los?“, fragte ich doch ich bekam nur ein lautes Schluchzen als Antwort. „Hey Tom!“, sagte ich sanft und legte ihm beruhigend eine hand auf die Schulter. Uaahh, Elektroschock! Jetzt zitterte meine Hand mit. Man, so sehr hatte ich meine Bruder noch nie heulen sehen. Ich kniete mich vor ihn und versuchte ihn zu beruhigen. Nach einigen Minuten weiteren Heulens hob er vorsichtig, und ohne das Schluchzen zu unterbrechen, den Kopf. Ich zog die Luft durch die Zähne ein, so sehr war ich geschockt von diesem Anblick. Noch nie war er SO verheult gewesen. Ich wusste genau woran er dachte, und konnte das Klirren, mit dem sein Herz jedes Mal aufs Neue auseinander sprang, förmlich hören. Ich wartete, dass er etwas sagen würde, doch er ließ seinen Kopf nur wieder ins Kissen fallen. Ja klar, musste ich halt fragen…
 

*zur gleichen zeit im Zimmer von Mila & Elea*
*aus der Sicht von Elea*
Plötzlich sprudelte alles aus meiner Freundin heraus. „Wieso tut er das? Warum? Wieso macht er mit dieser Zicke rum? Warum redet er nicht mehr mit mir? Wieso-“
„Mila!“, unterbrach ich sie. „Ganz langsam!“ Sie nickte und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Also, was ist los? Von wem redest du?“, fragte ich.
„Tom ist los, von Tom rede ich!“, sagte sie.
„Aha, und?“
„Na, nichts und!“ Und dann fing sie an zu heulen. Oh nein, nicht jetzt, nicht das.
„Ich dachte immer, Tom würde nichts von solchen Nutten wollen!“, schluchzte sie. Und ähnliches durfte ich mir anhören.
„Daraus schließe ich also mal, dass du was von Tom willst, hm?“, fragte ich dann vorsichtig. Sie nickte. Jaa, das war ja cool, noch nichtmal einen Monat hier und schon war sie vergeben. Wie geil. „Was grinst du denn so?“, schluchzte sie. „Ich find das nicht lustig!“
Och, ich schon. Aber das konnte ich ihr ja jetzt nicht sagen. „Warte kurz, ich muss eben Bill bescheid sagen dass die Shoppingtour ausfällt, okay?“ Sie nickte und ich rannte ins Zimmer der Twins.
Doch als ich dort ankam, erwartete mich ein Schock, der mich vor Verwirrung aufschreien ließ. Bill und Tom sahen mich beide erschrocken an. Doch anders als sein Bruder sah Tom sofort wieder weg und aus dem Fenster. Ich schloss die Tür hinter mir und kniete mich neben Bills vor Toms Bett, der darauf saß, an die Wand gelehnt, und in seinem Gesicht erkannte man deutlich frische Spuren von Tränen, die jetzt auch wieder liefen. Ich sah Bill fragend an, der nickte mir wissend zu. Ich legte Tom beruhigend meine Hand aufs Knie und streichelte ihm tröstend darüber. Er sah mich so derbst traurig an, dass ich auch fast geheult hätte. Warum machte Mila auch so einen Scheiß. Warum machte Tom so einen Scheiß. Warum taten die sich das an? „Ihr seid so bekloppt!“, meinte ich trocken, worauf Bill erstmal lachen musste. Tom sah wieder aus dem Fenster und verzog keine Miene. Das einzige, was von ihm zu hören war, waren das regelmäßige Schluchzen und Schniefen. „Hey!“, sagte Bill leise zu mir und deutete mit dem Kopf auf die Tür. Wir standen auf und gingen nach draußen. „Also, ob du’s mir glaubst ist eine Sache, die andere ist, dass Mila gerade genau das gleiche abzieht.“ Seine Augen weiteten sich sosehr, dass ich Angst hatte sie würden gleich raus fallen. Zur Sicherheit hielt ich meine Hände unter sein Gesicht, um sie aufzufangen. Als er mich nur komisch ansah, grinste ich. „Pass auf deine Augen auf, die brauchst du noch!“
„Hääääääääääää?“, fragte er nur, schien dann aber zu begreifen und lachte kurz.
Fünf Minuten später ging ich alleine zu Tom ins Zimmer, während Bill draußen wartete. Tom sah mich fragend und erwartungsvoll an. Ich setzte mich neben ihn aufs Bett und fragte mich womit ich jetzt anfangen sollte. Ihn jetzt mit der Frage zu überfallen hielt ich nicht für gut. Doch er beantwortete sie mir trotzdem. „Sie will mich eh nicht, oder?“, schluchzte er. Na toll, und jetzt?
„Das kommt drauf an was du willst“, sagte ich. Er sah mich mit dem gleichen Hääääääääääää? an wie Bill eben, nur sprach er es nicht aus, aber ich wusste, dass er es dachte, und er hatte den gleichen Blick drauf wie sein Bruder. „Weißt du, im grunde zieht ihr beide die gleiche Show ab!“, versuchte ich es ihm zu erklären, aber ich sah sofort, dass er es nicht verstand. Wahrscheinlich war sein Gehirn mittlerweile weggeheult, aber das sagte ich jetzt mal nicht. Hach, ich war ja wieder nett.
„Na, du machst mit diesem Mädel da rum, und-“
„Ich mach nicht mit ihr rum!“, sagte er.
„Ah, und wie nennst du das dann?“, fragte ich ruhig. Er sah mich verletzt an.
„Ich will es jedenfalls nicht!“, sagte er dann leise. Jetzt dachte ich nur  Hääääääääääää?
„Ich weiß nur nicht, wie ich’s ihr sagen soll!“ Hääääääääääää? Er seufzte. „Weil Maren war mal meine beste Freundin, und jetzt will sie was von mir, und ich aber nicht von ihr, aber ich kann ihr das irgendwie nicht sagen!“ Sprachs und bekam neuen Heulanfall.
„Aber, glaubst du denn, dass Mila mit den Typen aus unserer Klasse echt was anfängt?“, fragte ich. „Wieso nicht?“, fragte er und ich wusste augenblicklich, dass er alle Hoffnungen komplett aufgegeben hatte. So ’n Scheiß. „Weil … weil!“ Hach Mist verdammter! Konnte ich ihm jetzt sagen, dass Mila was von ihm wollte. Egal, ein Versuch war es wert. Er sah mich fragend an. „Weil, Tom, auch wenn du die Hoffnung aufgegeben hast, sie was-“ Auf einmal ging die Tür auf und Mila und Bill standen darin. Als Tom Mila sah hielt er sich permanent die Hände vors Gesicht. Bill drehte sich am Türrahmen entlang nach draußen und ich stand auf und ging raus und schloss die Tür leise hinter mir. „Na wenn das mal was wird!“, seufzte ich. Bill nahm meine Hände und meinte: „Komm, lass und beten!“ Daraufhin musste ich lachen und er legte mir sanft seinen Zeigefinger auf den Mund, sah mir in die Augen und lächelte. Ohhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh Bill!!!
 

Kapitel 8
*aus der Sicht von Tom*
Jetzt war sie weg, ich war mir sicher. Ganz sicher. Sooooooo sicher. Deshalb sah ich wieder auf, nahm die Hände von Gesicht… und blickte in IHR Gesicht. Scheiße. Also ich weiß ja nicht wie ich aussah, aber irgendwie … sahen wir uns bestimmt ähnlich. Ich dachte auch nicht daran mir jetzt die tränen wegzuwischen, denn es hätte eh nix genützt. Ja, sollte sie mich ruhig heulen sehen. Sollte sie. Konnte sie sich bei ihren neuen Freunden über mich lustig machen. Sollte sie. Sollte sie. SOLLTE SIE DOCH!!! Das war mir so was von egal! … Ganz egal!
Egal, egal … egal … na ja oder auch nicht. Ich sah demonstrativ aus dem Fenster und plötzlich merkte ich, wie mein Bett neben mir runter ging. Reflexartig sah ich sie an, und – verdammt- ich konnte nicht wegsehen. Sie sah verheult aus, aber SO GEIL!!!! Ich weiß nicht wie lange wir da saßen, aber plötzlich fiel eine Last von mir, als ob wir alles ausdiskutiert hätten. Aber das hatten wir nicht. Oder? Ich meine, bei Bill und mir ging das ja auch. Aber bei Mila? Immerhin kannte ich sie doch kaum. Oder? Argh, so viele Fragen. Wir sahen uns in die Augen, und ich hatte irgendwie das Bedürfnis sie zu umarmen. Und als ob wir es abgesprochen hätten, lagen wir uns eine Sekunde später in den Armen und heulten. Ob wir nun zusammen waren oder nicht – es tat einfach nur gut.
 

*aus der Sicht von Elea*
Nein, sie waren nicht zusammen. Das sah man ihnen an, als Bill und ich nach nun doch stattgefundener Shoppingtour in den Esssaal kamen und die beiden am Tisch sitzen sahen. Tom sah schlecht aus und Mila ebenfalls. Sie saßen nicht nebeneinander, sondern sich gegenüber. Sie sahen sich nicht an, sondern Tom stocherte willenlos in seinem Essen herum und Mila starrte eben auf dieses Essen. Mädchen!, dachte ich. Starr den Besitzer von dem Futter an, nicht sein Eigentum! Bill und ich setzten uns zu den beiden. Unbewusst ließen wir unser Essen kalt werden und beobachteten unsere Freunde dabei, wie sie sich gegenseitig immer wieder ansahen und aber jedes Mal, kurz bevor der andere hinsah, wegguckten. Wir grinsten uns die ganze Zeit an und ich hätte so loslachen können, Bill ebenfalls. Schließlich starrte Mila auf ihr Essen und Tom in seinen warmen Kakao. Ich sah Bill fragend an. Seit wann trank Tom Kakao, und dann auch noch warmen?? Ja, und er schien einen neuen Freund im Kakao gefunden zu haben. Denn als Bill ihn fragte, was Tom denn da mache, antwortete der nur lahm: „Pscht, mein Kakao erzählt mir was!“ Wir sahen ihn erstmal alle entsetzt an und lachten dann alle laut los, sodass wir sämtliche Blicke unserer Mitschüler und Lehrer und Angestellten auf uns zogen. Doch Tom blieb ganz ernst und sah weiter seinen Kakao an. „Tom, alles in Ordnung?“, fragte Bill als er sich wieder beruhigt hatte. Tom sah ihn verwundert an. „Willst du auch mal in meinen Kakao gucken? Er mag dich bestimmt!“ Wir lachten wieder. „Na dann nicht. Er ist aber wirklich sehr sympathisch!“, meinte Tom ganz ernst.
„Na dann gib mal her!“, meinte Bill und zog seinem Bruder den Becher Kakao unter der Nase weg. Bill musterte den Kakao kurz und trank ihn dann aus. Tom sah ihn entsetzt an. „Ehey!“
Bill grinste. „Ja, hast recht, ich mag deinen Kakao auch!“ Ich musste so lachen, ich konnte nicht mehr. Und als ich mich beruhigt hatte, und am Tisch schon wieder Schweigen herrschte, geschah das, was ich nie erwartet hätte. Mein Blick wich gerade von Bill, als sich auf einmal links und rechts neben mir Köpfe erhoben, und sich Tom und Mila in die Augen sahen. Lange. Bedeutungsvoll. Und so vielsagend. Und ich weiß nicht warum, aber mit genau diesem Blick sahen Bill und ich uns auf einmal auch an.
 

Kapitel 9
*aus der Sicht von Bill*
Den nächsten Tag überstanden Elea und ich, wenn auch nur schwer, zig Heulanfälle von Tom und Mila, und dem ewigen „Warum sind wir denn jetzt nicht zusammen“ – „Ich trau mich aber nicht!“ – „Warum ist das alles so schwer“ und „Sie/Er will mich ja doch nicht!“
Boah!! Die stellten sich aber auch an.
Als ich mitten in der Nacht aufwachte, lag Tom nicht in seinem Bett. Ich war schlagartig hellwach und saß senkrecht im Bett. Ich schlich zum Zimmer der Mädels. Boah war der Boden kalt ey! Ahh, da war wieder Teppich, gut. Als ich am Zimmer von Gustav und Georg vorbeikam, bekam ich voll das schlechte gewissen. Scheiße, die hatten wir in dem Stress voll vergessen. Na ja. Zwei Zimmer weiter schien wohl Party zu sein, denn mir stieg vor der Tür sofort der Geruch von Alkohol in die Nase. Uääh!! Ja, meine liebes RedBull war ja eh viel cooler!
Ich öffnete vorsichtig die Tür von Eleas und Milas Zimmer und schlich hinein. Dann stolperte ich erstmal über irgendwas und fiel der Länge nach hin. Man ey. Ich stand auf und schleppte mich zu Eleas Bett und hielt mir erstmal den Fuß. So n Scheiß ey, der war bestimmt gebrochen. Mindestens! Ich weckte Elea sanft. Das heißt, ich versuchte es. Es ging nicht. Toll, und jetzt? Ich könnte sie ja … nee, dann würde sie sich vielleicht was daraus reimen. Also rüttelte ich sie so derbst durch, dass sie, als sie wach war, mir erstmal –unabsichtlich oder nicht- eine klebte. Okay, vielleicht hätte ich doch die andere Variante bevorzugen sollen.
„Man, geht’s noch?“, schrie ich flüsternd. Dann ging ich zu Mila und machte sie wach. Das heißt, das wollte ich, aber ich fiel erstmal in ihr Bett weil ich ja nicht damit gerechnet hatte das da niemand lag und deshalb nicht darauf vorbereitet war, auf nichts zu stoßen. Aua!! Na toll!!
Boah! „Elea!“, rief ich nun genervt.
„Was denn?“, murmelte sie verschlafen.
„Mila und Tom sind weg!“ Sofort war sie hellwach.
„Waaaaaas?“, kreischte sie heiser. Ich grinste. Jaja, wegen Mila wurde sie wach, wegen mir nicht! Toll!!
Jetzt komm! Ich zog sie aus dem Bett und sah erst als sie vor mir stand, dass sie nichts weiter als eine Boxershorts und ein kurzes Top trug. „Schick siehst du aus, kannst dich öfters so sehen lassen!“, grinste ich.
„Jaja!“, meinte sie nur. Dann gingen wir raus. Wir liefen einfach mal los und kamen schließlich in den Internatspark. Man war das kalt. Ich blickte an mir runter und bemerkte erstmal, dass ich nur ’ne Boxershorts trug. Na toll!
Doch dann hielt Elea mich zurück und deutete mit dem Kopf nach weiter vorne. Oh man!! Ich fasste es nicht. Da standen Mila und Tom, und waren gerade kurz davor sich zu – da bellte irgendwo ein Hund und die beiden fuhren auseinander. Ich zog Elea schnell hinter einen Baum, wo wir uns dann aneinander gepresst versteckten. Auf einmal wurde mir total warm. Ich linste zu Mila und Tom, die nun verlegen voreinander standen. Scheiß Köter!!
Dann gingen die beiden langsam zurück Richtung Internat. Nimm ihre Hand, jetzt mach schon, nimm sie an die Hand, tu doch was, nimm ihre Hand, Tom , verdammt, nimm sie an die Hand, TOM!!, dachte ich als sie an uns vorbei schlenderten. Und ich glaubte es erst nicht, er schien mich zu verstehen. Ja, er nahm sie tatsächlich an die Hand und die beiden liefen händchenhaltend ins Gebäude zurück. Wow!!! Ich sah Elea an. Wir standen immer noch so aneinander gequetscht da. Aber irgendwie hätte es für immer so bleiben können …
 

*aus der Sicht von Tom*
Ich konnte nicht schlafen. Bill pennte schon längst tief und fest. Schließlich stand ich auf und lief ein bisschen im Internat rum. Dann ging ich raus auf den Schulhof und am Parkeingang entlang. Und dort traf ich SIE. Mila. Wir sahen uns kurz an und schlenderten dann gleichzeitig in den Park. Doch dann blieb sie stehen und ich sah sie fragend an. „Tom … weißt du, ich … also, ich mein …“ Ich erfuhr nicht was sie meinte. Denn plötzlich machte ich automatisch einen Schritt auf sie zu, wir sahen uns in die Augen und kamen uns langsam näher. Ja, wir waren kurz davor, uns zu – als ein Hund irgendwo in der Walachei bellte. Vor Schreck fuhren wir auseinander. Standen nur noch verlegen voreinander und ich wusste mal wieder nicht was ich machen sollte. Sonst fiel mir bei Mädchen immer was ein. Jetzt nicht. Dann schlenderten wir wieder zurück zum Internat und irgendwas sagte mir, also, ich wusste auf einmal, irgendwie, was ich tun sollte. Und ich weiß nicht ob es viel bringen würde, aber ich nahm sie einfach an die Hand und sie lächelte mich kurz an. Und dann standen wir in der Eingangshalle vom Internat und wussten wieder nicht weiter. Ich jedenfalls nicht. Wir hielten nur immer noch Händchen. Und von mir aus hätten wir dass ewig und drei Jahre tun können. Doch dann kam auf einmal eine Lehrerin und wären wir nicht schnell die Treppen hoch gegangen, hätten wir so derbst Anschiss gekriegt … Scheiß Lehrer. Scheiß Köter. Scheiß Liebe!! Ich weiß nicht, ich brachte sie noch zu ihrem und Eleas Zimmer. Da vor der Tür umarmten wir uns noch einmal ganz fest, und ich hätte sie am liebsten geküsst und nie wieder damit aufgehört und für immer festgehalten und wär  forever bei ihr geblieben und hätte sie für ewig und 1001 Nacht nie wieder hergegeben …
 

*aus der Sicht von Mila*
Ich lag die ganze Zeit wach, egal an was ich dachte, meine Gedanken gingen immer wieder zurück zu Tom! Ich lag da, heulte, nein eigentlich nicht, aber ich spürte, wie mir die heißen Tränen übers Gesicht kullerten, ununterbrochen. Irgendwann hatte ich genug, stand auf und ging nach draußen auf den Schulhof. Meine Mum hatte immer gesagt, frische Luft ist gut gegen alles. Stimmt nicht. Ich hörte zwar auf zu heulen, aber nicht, an ihn zu denken. Ich lief ihn Richtung Parkeingang, blieb dort stehen und dachte nach. Bis ich IHN auf einmal sah. Er kam auf mich zu. TOM! Hach ja. Wir redeten nicht, sahen uns nur an, gingen dann ein wenig durch den Park. Es war soooooooooo toll. Einfach neben ihm herzulaufen. Irgendwann, wollte ich es ihm sagen, einfach nur, dass ich mich in ihn verknallt hatte, aber ich traute mich nicht und stotterte mir irgendwas zusammen. Aber dann… wir kamen uns plötzlich immer näher, immer näher, und ich wusste, was passieren würde- da bellte auf einmal dieser Scheißhund! Dann standen wir ne ganze Zeit verlegen voreinander. Ich hätte heulen können, dieser doofe Hund hatte alles kaputt gemacht. Aber Tom und ich gingen zusammen zurück ins Gebäude. Und ich spürte, dass er auf einmal, ziemlich unsicher, meine Hand nahm. Bauchkribbeln hoch zehn! Alarmstufe rot! Adrenalinausschub! Heiße Schauer auf dem Rücken! Sooooo Hot! Nach einem Zwischenfall in der Eingangshalle kamen wir an Eleas und meinem Zimmer an.
Er sah mich an. Sooooooo schön. Und wir umarmten uns lange. Ich hätte ihn gerne geküsst, aber ich konnte mich nicht von ihm losreißen. Also standen wir da und umarmten uns. Und nachher fiel mir ein, dass ich Gerrit schon voll vergessen hatte. Wer war das gleich noch mal?? - Hach Tom.
 

Kapitel 10
*aus der Sicht von Bill*
Am nächsten Morgen war ich krank. Fette Erkältung! Ganz toll. Und das an ’nem Samstag Was war ich auch dumm, einfach nur in Boxershorts draußen rum zu laufen. Ich musste ja vollkommen verrückt geworden sein. Aber, was tut man nicht alles für seinen Bruder und dem seine Probleme. Hach ja.
Als Tom vom Frühstück wieder kam, meinte er: „Habt ihr das eigentlich geplant? Was habt ihr gestern gemacht? Elea ist auch krank.“ Oha. Na, was hatten wir wohl gemacht? Wir haben dir und Mila zugeguckt!, hätte ich am liebsten gesagt, aber ich ließ das dann mal lieber. Manchmal konnte er dann so wütend werden. Hehe.  
Tom lag lange bei uns im Zimmer rum und tat nichts. Wahrscheinlich dachte er an gestern Abend, mit Mila, wo sie fast…- machte irgendwie keine Spaß Tom beim Nichtstun zuzusehen. Also tat ich mal gar nichts. Wie öde! Es war irgendwie langweilig, ohne Elea. Mit Elea konnte ich auch nichts tun, und hatte trotzdem Spaß. Ach ja, da stand er auch schon auf und ging einfach raus. Na super. Jetzt war ich ganz alleine.
Zehn Minuten später ging die Tür auf. Hääääääääääää? Träum ich? Oder trägt mein Bruder da Elea auf m Arm? „Hey Bill, Elea wollte unbedingt zu dir-“
„Stimmt gar nicht! Du hast mich einfach entführt!“, unterbrach sie ihn.
Ich musste lachen. Typisch Tom. Er setzte Elea auf meinem Bett ab und meinte: „Sooo, dann lass ich euch zwei Hübschen mal allein!“
Ich kriegte mich nicht mehr ein vor lauter lachen. Tom ging raus und ich beruhigte mich wieder. Dann sah ich Elea an…- wir bekamen erst mal n Totallachanfall. Was daran so konisch war, wusste ich allerdings nicht. Aus dem Lachanfall wurde dann ein Hustanfall- Und als ich mich dann wieder beruhigt hatte, lehnte ich mich an Elea und legte ihr den Arm um. Ich fühlte mich bei der Frau Sooooooo wohl! Sie sah mich an und – es kam wie so `n Reflex- ich küsste sie auf die Stirn.
„Hab dich lieb!“, flüsterte ich und sie lächelte.
„Ich dich auch.“
Und dann lagen wir so da, eng aneinander gekuschelt, voll zufrieden und sagten einfach gar nichts mehr. Wir brauchten das nicht!

 

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